Ein spektakuläres Spiel gibt Trainer Niko Kovac von Borussia Dortmund den Anlass, über die Abwägung von Defensive und Offensive zu sprechen – und damit einen Unterschied zu anderen Topteams.
Einige Ausfälle beim BVB
Das Beispiel war mutmaßlich nicht zufällig gewählt. „Du kannst nicht jedes Spiel 5:4 gewinnen“, befand Niko Kovac, als er am Donnerstag über die Relevanz von Defensive und Offensive philosophierte. Klar, das wilde und spektakuläre Spiel zwischen Paris St. Germain und dem FC Bayern vor zwei Tagen hat auch Dortmunds Trainer mitgerissen.
Allerdings, das verriet Kovac auch, durchaus aus „zwei Perspektiven“ am Fernseher: „Einmal die Perspektive des neutralen Zuschauers, das war sensationell, das hat mir gefallen, gerade offensiv. Aber wenn du das als Trainer betrachtest, da weiß ich nicht, wie meine Pumpe gegangen wäre.“ Denn fünf oder vier Gegentreffer seien „ein bisschen viel“, zumindest mit Blick auf den BVB, den man trotz aller Erfolge in der Liga nicht mit diesen beiden Teams vergleichen kann, die Kovac als „High-End-Produkt“ bezeichnet.
„Wir wollen viele Tore erzielen“
Der Blick geht auch vor dem Spiel gegen Borussia Mönchengladbach am Sonntag (17.30 Uhr, LIVE! bei kicker) allerdings vor allem aufs eigene Team, auch wenn die Themen ähnlich gelagert sind. Wie viel Offensive verträgt eine stabile Defensive? Er könne die verstehen, „die sagen: Angreifen ist wichtig. Und das wollen wir auch. Wir wollen viele Tore erzielen“.
Aber der BVB will auch möglichst wenige Gegentore kassieren. Und die Tabelle gibt Kovac in dieser Hinsicht recht. „Wenn man sich die anschaut, dann sieht man, dass die Spitzenmannschaften, Bayern München mal ausgenommen, alle um die 60 bis 65 Treffer geschossen haben. Der Unterschied zwischen uns und den Mannschaften hinter uns sind dann die weniger kassierten Gegentreffer“, erklärt der Coach: „Und das zeigt letzten Endes, wie wichtig es ist, eine gute Balance zu haben.“
Und wie die ganz vorn auch gegen den Ball anfängt, habe Stürmer Serhou Guirassy beim überzeugenden 4:0-Sieg gegen den SC Freiburg am vergangenen Wochenende vorgemacht. „Wir benötigen Stresssituationen, gerade bei uns im Stadion. Das haben wir gegen Freiburg gezeigt. Sie haben alle Druck gemacht, Serhou als Erster und dann die Jungs dahinter“, erklärt der Coach die Notwendigkeit für ein gutes Spiel: „Wir werden weiterhin hart gegen den Ball arbeiten müssen, dann haben wir automatisch sehr viel mehr Möglichkeiten nach vorne, können die Bälle weiter oben gewinnen und dementsprechend auch gut umschalten.“
Mit das Beste in dieser Saison
Und dann entwickeln sich eben Spiele wie das gegen Freiburg vor der Pause, die Kovac als „mit das beste in dieser Saison bezeichnet“, denn die „war sehr dominant, sehr intensiv von uns geführt, sehr aggressiv. Wir haben den Gegner hoch verteidigt, wir haben ihn weggehalten von unserem Tor, haben fußballerisch richtig gut gespielt, haben uns dort sehr gute Situationen erspielt.“
Das soll gegen Mönchengladbach am kommenden Sonntag ebenso aussehen, auch wenn die Personallage in Richtung Saisonende etwas ausgedünnt ist. Niklas Süle, Emre Can, Felix Nmecha („Er ist auf dem Weg der Besserung, hat aber noch nicht mit der Mannschaft trainiert“) und Karim Adeyemi („Er hat heute teilintegriert mitgemacht, er ist da schon auf einem sehr viel besseren Weg als Felix“) fehlten schon zuletzt, Ramy Bensebaini wird mit einer Fußprellung neu ausfallen. Die aktuell erkrankten Yan Couto und Jobe Bellingham sollen aber rechtzeitig zurückkehren.
