Immer wieder sorgen Handspiel-Entscheidungen für Diskussionen. Woran das liegt und wie man die Akzeptanz der Bewertungen steigern könnte, hat nun eine wissenschaftliche Studie untersucht.
Schiedsrichter, Trainer und Profis befragt
Entstanden ist die Arbeit unter der Federführung von Tobias Bauch, Manager für Daten- und Innovationsprojekte in der DFB Schiri GmbH. Gemeinsam mit den Wissenschaftlern Daniel Leyhr, David Schmidt, Daniel Brinkmann und Oliver Höner wurden Unparteiische, Trainer und Spieler im deutschen Profifußball befragt und gebeten, verschiedene Handspielsituationen im Strafraum zu bewerten.
Während Schiedsrichter dabei in hohem Maß entsprechend der UEFA-Vorgaben entschieden, wichen die Einschätzungen der Spieler und Trainer häufiger von den offiziellen Regeln ab. Generell tendierten die Profis und Coaches dazu, seltener auf Elfmeter zu entscheiden und begründeten ihre Wahl zudem anders als die Referees.
Regel gegen Kontext
Anstatt über den bestehenden Regeltext argumentierten Spieler und Trainer vermehrt über den Kontext des Handspiels sowie dessen Auswirkungen. So standen etwa die Vermeidbarkeit des Kontakts mit dem Ball, die Torverhinderung oder der Einfluss auf die Flugbahn des Balles im Mittelpunkt. Schiedsrichter orientierten sich derweil signifikant häufiger an den aktuell bestehenden Bewertungskriterien wie der Unnatürlichkeit der Armbewegung.
Für den DFB ergibt sich daraus die Erkenntnis, „dass das Konfliktpotenzial bei Handspielsituationen nicht allein in möglichen Fehlentscheidungen der Schiedsrichter liegt, sondern auch in unterschiedlichen Erwartungshaltungen begründet ist“. Selbst laut Regelwerk korrekte Entscheidungen träfen „nicht durchweg auf Zustimmung“.
Wissenschaftler fordern „objektivere Kriterien“
Hier setzen auch die Autoren der Studie an und umreißen Lösungsansätze, „um die Akzeptanz von Entscheidungen zu erhöhen“. Laut Bauch und Kollegen seien „objektivere Kriterien notwendig“. Diese sollen insbesondere in „Situationen mit aktuell großem Handlungsspielraum“ einheitlichere Auslegungen der Unparteiischen bewirken.
Orientieren könne man sich dabei auch an den Begründungen der Trainer und Spieler. So solle etwa diskutiert werden, „ob das Kriterium der Auswirkung explizit im Regelwerk stärker berücksichtigt werden muss, um die Lücke zwischen technischer Regelanwendung und gefühlter Gerechtigkeit zu schließen“.
Kircher wirbt für weiteren Austausch
Knut Kircher, Geschäftsführer Sport und Kommunikation der DFB Schiri GmbH, ordnet die Erhebung als „überaus hilfreich und nützlich“ ein, „um im Fußball trotz unterschiedlicher Sichtweisen zu einem gemeinsamen Verständnis zu gelangen“. Ein Unterfangen, bei dem ein noch intensiverer Austausch aller Beteiligten unabdingbar sei.
Gleichzeitig sei es vor allem „von großer Bedeutung“, dass die DFB-Offiziellen „Handspiele gemäß der geltenden Regelauslegung bewerten“. Anforderungen, deren Erfüllung die Erhebung stützt. „Dass sie das in hohem Maße tun, belegt die Arbeit“, weiß auch Kircher, der damit zwischen den Zeilen bestätigt, was nun auch wissenschaftlich belegt ist: Höhere Akzeptanz für Handspiel-Entscheidungen wird es erst nach einer entsprechenden Regelanpassung geben – die in den kommenden Wochen und Monaten diskutiert werden dürfte. Schließlich liege die Studie bereits den internationalen Verbänden IFAB, FIFA und UEFA vor.
