Augsburgs Start verblasst: Erst das Mittelmaß, dann die Abwehrnot

Das fußballerisch armselige 1:1 gegen Union Berlin entspricht nicht mehr den Ansprüchen des FC Augsburg, der nach tollem Start im Mittelmaß angekommen ist und nun auch noch einen Personalnotstand in der Abwehr hat.

Der FCA nach dem 1:1 gegen Union

Irgendwie kam am Samstagnachmittag alles zusammen. „So richtig weiß ich auch nichts mit dem Spiel anzufangen. Ein Punkt ist prinzipiell okay, aber wenn man 45 Minuten in Überzahl spielt, kann man erwarten, dass man als Sieger vom Platz geht“, analysierte Trainer Manuel Baum das 1:1 gegen Union Berlin.

Seine Mannschaft musste früh den Ausfall von Calvin Brackelmann verkraften, der nach einem heftigen Zusammenstoß mit Felix Uduokhai mit Verdacht auf Gehirnerschütterung ins Krankenhaus gebracht wurde und wohl erst mal ausfallen wird. In Überzahl fiel dem FCA wenig bis nichts ein, ehe der junge Juma Bah in seinem erst dritten Bundesligaspiel nach einem unnötigen Einsteigen und berechtigter Roter Karte wieder für personellen Gleichstand sorgte. Kurioserweise gelang anschließend die Führung durch Han-Noah Massengo, doch eine einzige Unaufmerksamkeit an diesem Nachmittag kostete den greifbaren Sieg.

Man kann dies neutral als ausgleichende Gerechtigkeit sehen, denn sowohl beim 2:2 gegen Bayer Leverkusen als auch gegen den FC Bayern nahm der FCA als schlechteres Team etwas mit. Andererseits zeigt die Formkurve nach unten, neben diesen beiden Remis gab Baums Team in den vergangenen fünf Partien eine 2:0-Führung in Bremen aus der Hand (2:3), verlor unnötig in Elversberg (3:4) und schenkte nun Union den Punkt. Klar, die Abwehr stand dabei stabiler als zuletzt, gegen die wenig am FußballSPIEL interessierten Eisernen war das aber auch keine große Kunst.

Baum ärgert sich „massiv über das Gegentor“

Baum ärgerte sich „massiv über das Gegentor“, auch die spielerische Einfallslosigkeit gestand der Trainer ein, analysierte richtig: „Die Rote Karte gegen Union hat das ganze Spiel verändert. Es ist uns leider nicht gut gelungen, sie auszuspielen.“ Vor allem die fehlenden Eins-gegen-eins-Situationen bemängelte er, mit denen der tiefe Abwehrblock ausgehebelt hätte werden können. Ankreiden lassen musste sich der Coach selbst, gegen die nur auf Defensive bedachten Berliner nicht früher, mutiger und offensiver gewechselt zu haben.

Sportdirektor Benni Weber wählte die Grautöne in der Bewertung der ersten sieben Spieltage, die nüchtern betrachtet mit neun Punkten auf Rang 9 immer noch okay sind, auch wenn so viel mehr drin gewesen wäre. „Die Konkurrenzfähigkeit ist da, wir schaffen es derzeit aber nicht, die Ergebnisse zu ziehen. Auswärts ist ein Punkt immer in Ordnung, zu Hause wollen wir die Spiele gewinnen. Wir sind nicht zufrieden.“ Sein Zwischenfazit lautet dennoch: „Am Anfang war nicht alles gut, jetzt ist nicht alles schlecht.“

Allerdings müssen die Augsburger aufpassen, nicht noch tiefer zu fallen. Ein Aus im DFB-Pokal am Dienstag bei Drittligist Sonnenhof Großaspach wäre eine Blamage, danach wartet am kommenden Sonntag mit dem SC Freiburg ein schwieriges Heimspiel, vor der Länderspielpause in Leipzig eine hohe Auswärtshürde.

Chance für Keitel?

Und zu allem Überfluss kommen nun Personalprobleme in der Abwehr hinzu. Noahkai Banks fehlt dort weiterhin, kehrt erst nach den Länderspielen zurück. Bei Brackelmann bleibt die Schwere der Kopfblessur abzuwarten, Bah fehlt gegen Freiburg und ziemlich sicher auch in Leipzig rotgesperrt.

Baum muss nun entscheiden, ob er den 20-Jährigen im Pokal dennoch bringt oder ob er Yannik Keitel zu Spielpraxis für das Duell mit seinem Ex-Klub Freiburg verhilft. Der Defensiv-Allrounder könnte dann neben Chrislain Matsima und Jeffrey Gouweleeuw die dritte und letzte Option für die Dreierkette sein. Der 26-Jährige stand in dieser Saison noch nie in der Startelf, spielte nur in Bremen länger als eine halbe Stunde. Zumindest Gouweleeuw dürfte sich zunächst ins Team gespielt haben. Der Kapitän löste mit seinem 275. Bundesligaspiel Daniel Baier als FCA-Rekordhalter ab. Noch mehr gefreut hätte sich der Niederländer mit einem gleichzeitigen Sieg, der so nahe war und doch verschenkt wurde.

 

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