Der BVB zeigt wieder Kovac-Qualitäten – auch dessen „Nummer-eins-Ding“

Borussia Dortmund hat sich bei der Heim-Rückkehr nach drei intensiven Auswärtsspielen einen Sieg erkämpft. Die Formkurve zeigt nach oben, was vor allem daran liegt, dass gewohnte Stärken wieder zum Vorschein kommen.

Beier bewirbt sich bei Klopp

Irgendetwas scheint in der Luft zu liegen, wenn Borussia Dortmund am Samstagabend im heimischen Westfalenstadion das Topspiel der Bundesliga bestreitet und parallel in der wenige hundert Meter entfernten Westfalenhalle die Darts-Europameisterschaft steigt.

Diese Konstellation gab es im Oktober des vergangenen Jahres, als der BVB den 1. FC Köln empfing, und genau so war es auch ein Jahr später, am 7. Spieltag der laufenden Saison gegen Eintracht Frankfurt. Der Ausgang damals wie heute: 1:0 für den BVB dank eines Joker-Treffers des bekennenden Darts-Fans Maximilian Beier.

Kovac konnte nach dem Spiel vieles, aber nicht alles loben

Ein netter Zufall, der allerdings gut ins Bild passte. Denn beim fünften Sieg im siebten Ligaspiel waren es vor allem die altbekannten Mittel der Dortmunder unter Niko Kovac, die den Unterschied machten. Der BVB, der wie schon in Baku im leicht angepassten System mit Doppelspitze, zwei Achtern und Ballverteiler Joey Veerman als einzigem Sechser antrat, war nach der zuletzt schwächeren Phase noch nicht wieder in Bestform. Doch dass es für Siege nicht immer über 90 Minuten schön aussehen muss, ist ein Teil der Qualität, die dem Klub in solchen Situationen schon häufig knappe Siege bescherte.

Den mehr als 11.000 Reisekilometern zum Trotz spulte Dortmund zwei Kilometer mehr ab als der Gegner aus Frankfurt, der keine Europapokal-Spiele in den Knochen hatte. „Niko schreibt sich das ja auch ganz, ganz hoch auf die Fahne, das ist sein Nummer-eins-Ding“, sagte Gregor Kobel angesprochen auf die Fitness der Mannschaft und den Ansatz des Trainers. Kovac selbst konnte nach dem Spiel vieles, aber nicht alles loben. „In den ersten 20, 25 Minuten waren wir gut, danach hat die Eintracht das schon sehr viel besser gemacht als wir“, bilanzierte er die erste Hälfte.

Dortmund zieht nach der Pause an

Schon beim 2:1 bei Sabah FK hatte es diesen Durchhänger gegeben. „Ich denke, dass wir das eine oder andere Mal zu leicht den Ball weggegeben haben. Das war auch in Baku so, aber das ist ein Prozess.“ Entscheidend sei, auch in diesen Phasen standzuhalten und keinen Gegentreffer zu kassieren. „Da arbeiten wir dran, und ich bin sicherlich einer, der da sehr genau hinschaut.“

Statt in Rückstand zu geraten, zeigten die Dortmunder nach dem Seitenwechsel eine weitere dieser Kovac-Qualitäten: anziehen können, wenn es darauf ankommt. „In der zweiten Hälfte haben wir den Druck erhöht und nichts mehr zugelassen“, resümierte der Coach, der einen verdienten Sieg sah.

Die Joker-Stärke zeigt sich wieder

Einen, den er auch seinen Einwechslungen zu verdanken hatte – ebenfalls nichts Neues. Schon während des perfekten Saisonstarts avancierten regelmäßig die eingewechselten Spieler zu entscheidenden Akteuren. An acht der zwölf Tore in der Bundesliga war mindestens ein eingewechselter Spieler direkt mit einer Vorlage oder dem Treffer beteiligt.

Diesmal brachte die Kombination den Sieg, die schon beim 1:0 in Stuttgart gegriffen hatte: Jobe Bellingham, der bei seinem Zuspiel rund 30 Sekunden auf dem Platz stand, und Beier, der selbst einleitete und aus halblinker Position ins lange Eck traf. Ein spürbarer Brustlöser für den Torschützen, für den es zuletzt nicht rund gelaufen war. Doch sein Einsatz bleibt auch den Kollegen nicht verborgen, egal ob links, rechts, offensiv oder defensiv. Die viel besprochene Flexibilität rechnet ihm Kobel hoch an. „Er macht seinen Job wirklich gut, aber ich kann mir vorstellen, dass es für ihn nicht einfach ist.“ Umso mehr freute sich der Torwart mit Beier über dessen Erfolgserlebnis.

Beiers Bewerbung für Klopp

Kovac hatte bei Beier noch eine andere Sache im Blick: „Ich habe gehört, dass der Bundestrainer da war. Vielleicht hat er sich mit diesem Tor ein bisschen bewerben können. Das würde mich freuen.“ Im vergangenen 44er-Kader von Jürgen Klopp war Beier noch außen vor, mit Leistungen wie diesen könnte er für den November wieder eine Option werden.

Bevor das allerdings zum Thema wird, geht es mit dem BVB in die nächste schwierige Woche. Auf das Spitzenspiel in München wollte noch kein Dortmunder schauen. Zu wichtig ist es, am Dienstagabend im Pokal gegen Bremen zu bestehen. Von einer „großen Motivation“ sprach Kobel, besonders nach dem aus der Hand gegebenen 2:0 gegen Bremen zuletzt in der Liga (2:2). „Der Pokal ist ein richtig geiler Wettbewerb, ich liebe es, dort zu spielen.“ Entsprechend sei es an der Zeit, mal wieder einen tiefen Lauf zu starten. Seit dem Pokalsieg 2021 kam der BVB nie über das Viertelfinale hinaus.

 

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