Mehr als nur Philippe: Wie auch Götze und Co. das Paderborner Spiel beleben

Die Bank bringt den Sieg gegen den HSV; die Joker des SC Paderborn funktionieren. Darunter Felix Götze, der Kapitän, der gerne wieder mehr spielen würde. Der kicker analysiert die Breite im Kader des Aufsteigers.

Aufsteiger profitiert von Breite

Mit hochrotem Gesicht kam Felix Götze erst weit nach Spielende in die Katakomben. Auch Kapitäne und Matchwinner müssen ihre Läufe machen, Götze war gegen den HSV erst in der 62. Minute ins Spiel gekommen und hatte noch ein bisschen was aufzuholen. Zwar stand Siegtorschütze und Ex-Hamburger Rayan Philippe am Samstag im Mittelpunkt, der Anteil des Defensivmannes am Heimsieg war aber kaum kleiner. Das Tor des Tages bereitete Götze vor („Ich habe vor ein paar Jahren ja mal auf der Zehn gespielt“), zuvor hatte er defensiv schon in höchster Not geklärt (76.). „Wir sind froh, dass Felix wieder da ist“, sagt sein Trainer Ralf Kettemann.

Es ist eine besondere Situation für den Spielführer. Vor dem Bundesliga-Auftakt erlitt Götze bei einem Zusammenprall im Training eine Kopfverletzung, danach musste er sich hinter der eingespielten Dreierkette Jano ter Horst, Tjark Scheller und Mattes Hansen anstellen. Und zuletzt zwickte der Meniskus. Jetzt ist er wieder da, absolvierte sein drittes Spiel als Joker und würde gerne wieder mehr zum Einsatz kommen. „Ich möchte da einfach bei mir bleiben“, sagt der 28-Jährige: „Ich weiß, was ich kann und was ich draufhabe. Das habe ich heute auch gezeigt. Viel mehr kann man nicht machen.“

„Generell nehmen wir sehr deutlich wahr, dass die Bank entscheidend ist. Die Spiele sind für Körper und Geist sehr intensiv.“ (Ralf Kettemann)

Für den SCP wiederum ist die Tatsache, den Anführer ins Spiel bringen zu können, ein Ausdruck der gewonnenen Breite im Kader. Die Bank entschied das Duell mit dem HSV: Denn nicht nur Götze beeinflusste das Spiel positiv, auch Tom Baack und Torschütze Philippe hatten entscheidenden Anteil am Heimerfolg. Kettemann sagt zufrieden: „Generell nehmen wir sehr deutlich wahr, dass die Bank entscheidend ist. Die Spiele sind für Körper und Geist sehr intensiv. Deshalb braucht man frische Kräfte.“

Kettemann über Baack: „Geiler Typ, geiler Fußballspieler, Teamplayer ohne Ende“

Gegen Hamburg wechselte der Coach fünffach. Baack kam zur zweiten Hälfte für den verletzten Gabriel Vidovic und wusste ebenfalls zu überzeugen, bereitete auf Anhieb die Großchance von Santiago Castaneda vor (47.). Kettemann schwärmt vom Neuzugang aus Nürnberg, den er zum vierten Mal einwechselte: „Geiler Typ, geiler Fußballspieler, Teamplayer ohne Ende. Er hat alle Spielphasen in sich. Er ist einer, der verteidigt, der immer da ist und alles für die Truppe gibt. Er war sehr präsent, erkennt die Räume und traut sich mit dem Ball einige Dinge zu. Tom war schon in Bremen ein toller Einwechsler.“

Götze und Baack schoben erfolgreich an, am Ende standen mit Marvin Pieringer, Sven Michel und Tor-Held Philippe drei frische Offensivkräfte auf dem Platz. Die Startelf war im Schnitt etwa 23,7 Jahre jung, die fünf eingewechselten Paderborner sind durchschnittlich 28,8 Jahre alt. Kettemann brachte also neben frischen Beinen vor allem Erfahrung. „Ja, diese Breite haben wir“, sagt Sport-Geschäftsführer Sebastian Lange. „Der Kader ist sehr homogen besetzt. Auch wenn wir zuletzt immer mit derselben Elf angefangen haben, sieht man, dass die Jungs, die dann reinkommen, der Mannschaft helfen können.“

Dazu passt: Zwei der erst sechs Paderborner Ligatreffer erzielten Joker. Steffen Tigges beim ersten Saisonsieg gegen Hoffenheim und nun Philippe gegen den HSV. Noch bemerkenswerter: Bei beiden bisherigen Siegen erzielte ein Joker ein Tor nach Vorlage eines weiteren Jokers: Jonah Sticker auf Tigges gegen Hoffenheim, Götze auf Philippe gegen Hamburg.

Rotation im Pokal gegen Stuttgart?

Am Mittwoch (18 Uhr, LIVE! bei kicker) wartet das nächste Highlight auf die Ostwestfalen, im Pokal geht es gegen den VfB Stuttgart, gegen den es in der Liga vor zwei Wochen ein 0:2 gab. Es ist zu erwarten, dass Trainer Kettemann ein wenig rotiert, diverse Bank- zu Startelfspielern macht. Darf Götze von Beginn an ran? „Das sehen wir dann“, sagt der Kapitän. „Ich bin bereit.“ Die zweite Reihe hat sich jedenfalls für mehr beworben.

 

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