Harry Kane hat am Samstag zum ersten Mal einen Elfmeter in der Bundesliga vergeben. Dem Fehlschuss ging eine unfaire Aktion von Wolfsburgs Jeanuel Belocian voraus – die die siegreichen Bayern später bemerkenswert gelassen kommentierten.
Verständnis für Belocian
Wäre der VfL Wolfsburg im Bundesliga-Topspiel am Samstagabend mit einer Führung in die Pause gegangen, hätte sich der FC Bayern wohl nicht beschweren dürfen. Mehrere hochkarätige Möglichkeiten und ein klares Chancenplus hatten sich die Wölfe gegen den Rekordmeister erspielt. Vor allem wegen Jonas Urbig aber ging es torlos in die Pause. Um ein Haar aber hätten die Münchner das Geschehen in den Minuten vor dem Kabinengang noch auf den Kopf gestellt.
Nachdem Konstantinos Koulierakis Michael Olise im Strafraum gefoult hatte, entschied Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck auf Elfmeter. Dann passierte es: Während der VAR eine mögliche Abseitsstellung prüfte, schlich sich Wolfsburgs Jeanuel Belocian scheinbar unauffällig Richtung Elfmeterpunkt und bearbeitete diesen mit wenigen kleinen festen Tritten in den Rasen.
Eine Aktion, die womöglich ausschlaggebend war, für das, was Momente später passierte? Harry Kane lief an – und jagte den Ball spektakulär am rechten Kreuzeck vorbei auf die Tribüne. Der englische Nationalstürmer war dabei sogar mit dem Standbein leicht wegrutscht und hatte die Kugel vielleicht sogar doppelt berührt. Dass etwas mit dem Platz nicht stimmte, hatte der 32-Jährige sofort nach seinem ersten Fehlschuss im 25. Anlauf in der Bundesliga (Bayern-Bilanz wettbewerbsübergreifend: 3 von 37 verschossen) gemerkt und erschrocken das Stück Rasen begutachtet.
Kompanys Vergleich zum PSG-Spiel: „Dann hätten wir zwei, drei Leute am Punkt gehabt“
Belocian allerdings brachte weder noch einer seiner Mitspieler mit dem Fehlversuch in Verbindung, weshalb die Reaktion der Bayern auch erst deutlich später, nach Abpfiff und Ansicht der TV-Bilder erfolgte. Und diese fiel durchaus überraschend aus – nämlich überwiegend verständnisvoll.
Zwar sprach Tom Bischof noch von einer „unnötigen Aktion“, Jonas Urbig („Für Wolfsburg geht es um alles. Deshalb bin ich ihnen deswegen nicht böse“) und vor allem Vincent Kompany nahmen es deutlich gelassener hin. „Was erwarten Sie, was die machen? Sollen sie einfach klatschen, wenn wir ein Tor schießen? Natürlich muss man sich das anschauen und darüber sprechen“, betonte Bayerns Coach im Sky-Interview. „Aber was soll der Spieler von Wolfsburg machen? Einfach kampflos absteigen, ohne etwas zu versuchen? Das geht nicht!“
Zugleich räumte Kompany ein, dass seine Mannschaft in der Situation vor der Ausführung vielleicht nicht ganz auf der Höhe gewesen sei und die Elfmeter-Markierung nicht konsequent genug geschützt habe. „Wenn es Mittwoch gegen Paris passiert wäre“, so der Belgier, „hätten wir zwei, drei Leute an dem Punkt gehabt.“
Womöglich zur Münchner Besänftigung beigetragen haben dürfte die Tatsache, dass die Bayern das Spiel am Ende trotzdem noch gewonnen haben – dank einer deutlich stärkeren zweiten Hälfte und eines Traumtors von Olise, wodurch Kanes Fehlschuss letztlich gar nicht weiter ins Gewicht fiel. So konnte auch die von VfL-Coach Dieter Hecking angesichts von Kanes starken Quoten mit einem Augenzwinkern geäußerte Feststellung unwidersprochen stehen bleiben: „Harry Kane hat heute seinen ersten Elfmeter verschossen – das tut ihm vielleicht auch mal ganz gut.“
