Was ist der Weg zum Wiederaufstieg? Die Schäfer-Lage und der Name Thiago Silva

Der VfL Wolfsburg ist nur noch Zweitligist – und muss sich nun neu aufstellen. Das ist der personelle Stand am Tag nach dem Abstieg.

VfL benötigt schnelle Lösungen

Es war erst das blanke Entsetzen, Sprach- und Fassungslosigkeit in dem Moment, als klar war, dass der VfL Wolfsburg nach 29 Jahren in der Bundesliga nur noch zweitklassig ist. Bei manchen entlud sich nach dem 1:2 (nach Verlängerung) im Relegations-Rückspiel beim SC Paderborn der Frust. Bei Fans auf der Tribüne, bei einem Spieler offenbar auch im Kabinengang. Eine zertrümmerte Türscheibe, provisorisch zusammengeklebt, war für jedermann in der Mixed Zone zu sehen, Sport1 berichtet, dass Jeanuel Belocian diese zuvor malträtiert habe. Und damit ein Bild mit Symbolcharakter kreierte: Der VfL ist aktuell ein Scherbenhaufen, der nun im Unterhaus neu zusammengesetzt werden muss. Damit das schon zuvor intern ausgegebene Ziel „direkter Wiederaufstieg“ erreicht werden kann.

Es gibt genügend warnende Beispiele, dass dies kein Selbstgänger wird. Am Bau eines Zweitligakaders mit Aufstiegsgarantie sind in den vergangenen Jahren viele gescheitert. Schalke 04 holte sich mit Frank Baumann gezielt einen Manager, dem dies zuvor schon bei Werder Bremen gelungen war. Und der VfL?

Die Schäfer-Chance ist drastisch gesunken

Die Besetzung des Geschäftsführerpostens hat nun höchste Priorität, anschließend muss über die Trainerfrage (hier bleibt St. Paulis Alexander Blessin ein heißer Kandidat) entschieden werden. Die Chancen, Vereinslegende Marcel Schäfer von RB Leipzig zurückzuholen, sind nach kicker-Informationen mit dem Montagabend auf ein Minimum geschrumpft. Aus zweierlei Gründen: Schäfer selbst hat noch nie einen Zweitligakader gebaut, bastelte gerade in Leipzig ein Champions-League-Aufgebot, beim VfL träfe er auf Sportdirektor Pirmin Schwegler und Kaderplaner Maximilian Englert, die diese Unterhaus-Erfahrung auch noch nicht haben. Was nicht heißen muss, dass sie es nicht können. Doch das Risiko ist gegeben. Zweiter Schäfer-Haken: Bei RB gibt es aktuell keinerlei Bereitschaft, den erfolgreichen Geschäftsführer ziehen zu lassen. Dass es der VfL trotzdem noch mal versuchen wird, ist anzunehmen.

Gespräche auch mit Wohlgemuth

Es müssen aber Alternativ-Pläne her. Gesprochen haben die Wolfsburger Verantwortlichen um die Aufsichtsräte Sebastian Rudolph und Diego Benaglio, zum Teil auch über Mittelsmänner, mit Stuttgarts Sportvorstand Fabian Wohlgemuth. Doch auch der tritt mit dem VfB Stuttgart kommende Saison in der Champions League an. Wäre die 2. Liga, wo er schon erfolgreich für Holstein Kiel und SC Paderborn gearbeitet hat, trotzdem denkbar? Ebenfalls unwahrscheinlich.

Gelingen die Wunschszenarien nicht, käme Dieter Hecking, seit Wochen im engen Austausch mit Benaglio, Schwegler und Co., ins Spiel. Eine Weiterbeschäftigung als Trainer gilt nach dem Abstieg, den er mit nur zwei Siegen aus elf Spielen auch nicht verhindern konnte, als äußerst unwahrscheinlich. Gibt es stattdessen für manche kurios anmutende Beförderung zum Geschäftsführer? In den nun dringenden Analysen und Gesprächen gilt es schonungslos zu erörtern: Wie schwer wiegt bei ihm die Hypothek des Abstiegs, kann Hecking in veränderter Rolle für die dringend notwendige Aufbruchstimmung sorgen? Was zweifelsohne für den 61-Jährigen spricht ist die Tatsache, dass er schon in der 2. Liga gearbeitet hat und nicht in völlig fremdes Terrain eintauchen würde. Und: Hecking ist es in den zurückliegenden Wochen gelungen, einen Klub, der zu implodieren drohte, zu beruhigen. Reicht das für einen Neustart mit dem früheren Erfolgstrainer?

So oder so müssen schnell Entscheidungen her, weil ein riesiger Kaderumbruch bevorsteht. Durch den Abstieg dürften sich diverse angeschobene Personalien zerschlagen haben, etwa bei Herthas Tjark Ernst und Fabian Reese, auch bei Paderborns Mika Baur, der nun mit dem SCP erstklassig spielen kann. Interessant bleiben Kandidaten wie Verls Alessio Besio, der vor Wochen schon in Wolfsburg zu Besuch war, Stuttgarts Laurin Ulrich oder St. Paulis Hauke Wahl, der schon lange ein Angebot vorliegen hat.

Bleiben dürften Spieler wie Dzenan Pejcinovic – wenngleich der Stürmer reichlich Interessenten anlockt -, Kento Shiogai, Sael Kumbedi und Bence Dardai, denen in der 2. Liga eine wichtige Rolle zugetraut wird. Und: Mit Elvis Rexhbecaj steht der erste Neuzugang ja auch schon fest. Dass Wolfsburg grundsätzlich für viele Spieler interessant bleibt, sollte Hoffnung machen und eine Warnung zugleich sein. Denn einerseits kann der VfL mit seinem ruhigen Umfeld einen perfekten Ort für Entwicklung bieten, darf aber nicht nur aufgrund seiner finanziellen Möglichkeiten anziehend wirken. Der VfL benötigt wieder eine Mannschaft mit Gesicht und Identität, mit Charakter und Leistungsbereitschaft, da gilt es, clever einzukaufen.

Der kicker erfuhr: Herangetragen wurde an den Klub kein Geringerer als die brasilianische Abwehrlegende Thiago Silva, der den FC Porto verlässt. Doch ob der 41-Jährige für den Wolfsburger Neustart in der 2. Liga stehen wird, darf stark bezweifelt werden.

 

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