„Waren nicht der HSV, der wir sein wollen“: Klare Analyse, klare Transferziele

Dass die Hürde Dortmund zum Auftakt hoch sein würde, war allen Protagonisten in Hamburg bewusst. Die Deutlichkeit, mit der diese beim samstäglichen 0:2 insbesondere im ersten Durchgang gerissen wurde, hinterlässt dennoch Ernüchterung.

El Ouahdi und Fabio Vieira als Wunschkandidaten

Die erste Analyse der noch frischen Spielzeit von Merlin Polzin geriet so deutlich wie der erste Durchgang bei der Borussia. „Wir wollen uns an dem messen, was auf dem Platz passiert und nicht an dem, was ich vorher erzähle oder nachher schönreden kann.“ Und genau dieser Versuchung unterlag der Trainer nicht: „45 Minuten waren wir nicht der HSV, der wir sein wollen.“

Intensiv und widerspenstig sind die Hanseaten in der Vorsaison als Aufsteiger aufgetreten, zaghaft, nicht gedankenschnell und überfordert sahen sie sich zum Start in ihre zweite Bundesliga-Spielzeit einem Dortmunder Sturmlauf ausgesetzt, dem sie anfangs nichts entgegenzusetzen hatten.

„Eine gute Halbzeit wird uns nicht reichen. Das wird nie reichen“

Polzin, Sportdirektor Claus Costa und Sportvorständin Kathleen Krüger drücken in diesen letzten Stunden vor der Schließung des Transferfensters am Dienstag immer wieder aus, dass sie in ihren Bemühungen um Kaderverstärkungen noch nicht fertig sind, und tatsächlich wurde auf jenen Positionen, auf denen nachgelegt werden soll, auch am Samstagabend die Dringlichkeit sichtbar. Aber: Die Probleme von Dortmund waren ursächlich keine, die mit der Besetzung auf der rechten Außenbahn und der halbrechten Spielmacherposition zu tun hatten.

Eine Zweikampfquote von nur 35 Prozent im ersten Durchgang und eine Vielzahl von schnellen Ballverlusten waren entscheidend dafür, dass die Kräfteverhältnisse so deutlich zu Ungunsten der Hamburger verteilt waren, wie es im Vorjahr nur selten der Fall war. „Wir waren nicht klar in unseren Höhen, wollten die Räume enger halten“, bemängelt Daniel Heuer Fernandes, und Kapitän Nicolai Remberg räumt ein, dass es nicht gelungen sei, sich an den vorgegebenen Plan zu halten: „Uns hat es gefehlt, richtig anzulaufen, Entlastung zu schaffen.“

In der Pause hatte das Trainerteam in Videosequenzen aufgezeigt, wie weit die HSV-Profis vom Plan und ihren Gegenspielern entfernt waren. Dass diese „zweite Vorführung“ nach der auf dem Feld in einer besseren und mutigeren zweiten Hälfte mündete, dient als Mutmacher, dennoch gehört zu dieser auch die Frage: Schaltete nur Hamburg einen Gang hoch oder der BVB womöglich auch einen zurück? Remberg sagt diplomatisch und fordernd zugleich: „Eine gute Halbzeit wird uns nicht reichen. Das wird nie reichen.“

Fabio Vierira bleibt erklärter Wunschspieler

Die angestrebten Kadernachbesserungen sollen ebenfalls helfen, damit es künftig wieder reicht. Klar ist: Sie sind keine Reaktion auf das 0:2. Schon seit dem ersten Vorbereitungstag war eine Verstärkung auf der rechten Schienenposition das Transferziel, auch Fabio Vieira ist seit dessen vorläufiger Rückkehr zum FC Arsenal der erklärte Wunschspieler.

Der Wunschkandidat für die rechte defensive Außenbahn ist Zakaria El Ouahdi. Der 24-jährige marokkanische Nationalspieler ist noch bis 2028 bei KRC Genk unter Vertrag, hatte am Freitag nach dem 4:0 gegen Beveren nach seiner Auswechslung unter Tränen bereits Bilder produziert, die nach Abschied aussahen. Tatsächlich ist der HSV mit dem Spieler einig, nicht aber mit dem belgischen Erstligisten. 13 Millionen Euro Ablöse plus Bonuszahlungen stehen im Raum – das ist mehr Geld, als die Hamburger dem FC Arsenal bislang für Fabio Vieira bieten. Zwischen neun und zehn Millionen liegt das bisherige und mehrfach abgelehnte Gebot.

Um beide Spieler zu bekommen, müsste der HSV mehr als 20 Millionen Euro investieren. Das ist angesichts der wirtschaftlichen Stabilität kein Akt der Unvernunft, wäre aber zumindest ein Signal für deutlich mehr Offensive auf dem Transfermarkt. Für El Ouahdi spricht, dass sich die Macher an der Elbe einen hohen Wiederverkaufswert erwarten, für Fabio Vieira die im vorangegangenen Leih-Jahr gezeigte Extraklasse. Dennoch erneuerte Vorständin Krüger Samstag am Sky-Mikrofon ihren schon mehrfach gepredigten Grundsatz: „Am Ende muss es auch ganzheitlich passen.“ Das wirtschaftliche Risiko soll überschaubar bleiben.

Auch deshalb ist mit Leverkusens Arthur ein Alternativkandidat für die rechte Schienenposition auserkoren und in den Startblöcken. Den 24-jährigen Brasilianer bekäme der HSV aus Leverkusen lediglich auf Leihbasis – er wäre noch nicht die gewünschte, Werte schaffende Perspektivlösung, aber zumindest die benötigte Soforthilfe.

 

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