Wegen eines Macht-Gerangels innerhalb der Fanszene drohte dem Bundesliga-Aufsteiger eine aufgeheizte Mitgliederversammlung. Doch in den sechseinhalb Stunden zeigte sich, dass sie beim FC Schalke 04 (inzwischen) auch unter erschwerten emotionalen Bedingungen sachlich und fair miteinander umgehen können.
Emotional aufgeheizte Veranstaltung drohte
Wegen des Fan-Zoffs im Vorfeld war zu befürchten gewesen, dass es auf der Mitgliederversammlung des FC Schalke 04 hoch hergehen würde. Paradox! Schließlich sollte man meinen, dass der eingeschlagene Weg – finanziell, strukturell und hinsichtlich des Bundesliga-Aufstiegs vor allem auch sportlich – für Ruhe sorgen müsste. Doch innerhalb der Fanszene war ein Streit über diverse Punkte entbrannt, die Lager attackierten sich teils öffentlich. Das Macht-Gerangel uferte aus.
Besonders brisant: Der einflussreiche Schalker Fanclub-Verband (SFCV) hatte ausdrücklich eine Wahlempfehlung für Michael Esken und Malte Stuckmann abgegeben, also für die beiden Gegenkandidaten des Aufsichtsratsvorsitzenden Axel Hefer sowie Holger Brauner, die sich turnusmäßig zur Wiederwahl stellen mussten.
Fast 5000 Stimmberechtigte
Das eindeutige Ergebnis: Hefer und Brauner trotzten allen Widerständen. Die fast 5000 Stimmberechtigten, die am Samstag in die Arena gekommen waren, durften nach den Redebeiträgen der vier Kandidaten ihre zwei Favoriten wählen, 2975 gaben Hefer eine Stimme, Brauner erhielt 2498. Beide sind damit für weitere drei Jahre im Amt. Stuckmann bekam 1911 Stimmen, Esken 1188.
Hefer hielt mit seiner Freude über die Wiederwahl ins Kontrollgremium nicht hinterm Berg und verwies nach den Störfeuern im Vorfeld auf die „Grundzufriedenheit“ innerhalb der riesigen Anhängerschaft. „Es läuft in allen Bereichen sehr gut. Das hat dazu beigetragen, dass die Emotionen nicht zu hochgekocht sind“, sagte er.
In der Tat ging die Veranstaltung eher harmonisch vonstatten. Der Austausch war von Fairness und Sachlichkeit geprägt. Obwohl die vielen Mitglieder des e.V. in ihren Redebeiträgen ihre Positionen teils leidenschaftlich vertraten, wirkten ihre Ansprachen befriedend statt befeuernd. Das war auf Schalke in der Vergangenheit nicht immer so, als Herumpoltern zur Tagesordnung gehörte.
Hefer wurde bereits kurz nach dem Ende der sechseinhalbstündigen Veranstaltung in einer gremiumsinternen Sitzung einstimmig in seinem Amt als Vorsitzender (seit 2021) bestätigt. Sven Kirstein und Johannes Struckmeier bleiben Hefers Stellvertreter.
Die Spitze des FC Schalke 04 kann ihren eingeschlagenen Weg also ohne personelle Veränderungen fortführen. Wie beschwerlich dieser auch in Zukunft bleiben wird, wurde auf der Mitgliederversammlung immer wieder deutlich. Dabei geht es um hohe finanzielle Hürden, mit Blick auf die bevorstehende Bundesliga-Saison aber natürlich auch um sportliche Herausforderungen.
Schalke 04 setzt alles daran, 2026/27 nicht gegen den Abstieg kämpfen zu müssen. Die Mannschaft muss darauf vorbereitet werden, dass sie in der kommenden Saison deutlich „weniger Ballbesitz“ haben wird, wie Sportvorstand Frank Baumann prognostizierte, zudem müsse man mit einer höheren Nettospielzeit und damit einhergehend mehr Laufarbeit rechnen. Kurzum: Die Intensität muss unter Trainer Miron Muslic erneut gesteigert werden.
Auch Gosens auf der Bühne
Die Kaderplaner um Baumann sind dabei, die Mannschaft entsprechend aufzustellen. Auf der Mitgliederversammlung kam das Aufstiegsteam um Kapitän Kenan Karaman auf die Bühne, um sich gebührend feiern zu lassen, die bisherigen vier Sommerzugänge gesellten sich nach gesondertem Empfang dazu.
Satoshi Tanaka, Junior Adamu und das aus der U 19 hochgezogene Eigengewächs Luca Vozar erhielten warmen Applaus, besonders laut wurde der Beifall bei Robin Gosens, dessen Wechsel von der AC Florenz in den Ruhrpott tags zuvor offiziell verkündet worden war.
Eine Gelegenheit zu einer kurzen persönlichen Begrüßung der Massen erhielt Gosens bei seiner Stippvisite auf der Bühne zwar nicht, doch der Linksverteidiger nahm es gelassen. Er will lieber Taten sprechen lassen: „Ich habe ein paar Jahre auf dem Buckel und Erfahrungen gesammelt. Die würde ich gerne mit einbringen“, sagte der 32-Jährige bei seiner offiziellen Vorstellung kurz nach der Vertragsunterschrift am Freitag.
Schalke arbeitet an der Verpflichtung weiterer Zugänge, das betrifft sowohl den defensiven als auch offensiven Mannschaftsteil. Gleichzeitig wollen sich die Schalker noch von mehreren Spielern trennen, sei es auf Leihbasis (zu den Kandidaten gehören Max Grüger und Mika Wallentowitz) oder für immer (zum Beispiel Anton Donkor, Finn Porath, Moussa Sylla und Tomas Kalas). „Wir planen mit einer größeren Anzahl an Abgängen“, sagte Baumann.
