Für Coach Albert Riera gibt es in Frankfurt keine Zukunft. Damit beginnt die Trainersuche aufs Neue. Diesmal soll der Fokus auf einem erfahrenen, deutschsprachigen Trainer liegen. Wie ernst sind die Gedankenspiele um Adi Hütter?
Krösches schwerste Fehleinschätzung
Die Partie gegen den VfB Stuttgart wird zur Abschiedsvorstellung von Albert Riera. Intern ist die Trennung von dem impulsiven, unberechenbaren Trainer beschlossene Sache. Dass es noch zu einem Umdenken kommt, ist selbst im Falle eines Erfolgs gegen den VfB und dem möglichen Einzug in die Conference League unwahrscheinlich.
Schlechtester Punkteschnitt seit Veh
Zu viel Porzellan ist in der nur dreieinhalbmonatigen Amtszeit des Spaniers zerbrochen, zu schlecht waren die sportlichen Leistungen in den vergangenen Wochen, zu fragwürdig zahlreiche Personalentscheidungen, zu abstrus die öffentliche Kommunikation. Rieras Punkteschnitt liegt vor dem letzten Spieltag bei 1,23. Eine schlechtere Ausbeute (0,96 Punkte) hatte zuletzt Armin Veh in seiner zweiten Amtszeit am Main in der Saison 2015/16. Vor zehn Jahren stand Veh allerdings ein deutlich schwächerer Kader zur Verfügung.
Riera gelingt es nicht, das Potenzial auszuschöpfen. Zwar wird es ihm hoch angerechnet, dass er die Missstände in der Wohlfühloase Eintracht Frankfurt klar anspricht und mit härterer Hand regiert als sein Vorgänger. Retten kann ihn das aber nicht. Riera wird als gescheitertes Experiment in die Geschichte des Klubs eingehen. Die Verpflichtung des Exzentrikers als Gegenpol zum artigen Dino Toppmöller erweist sich als die vielleicht schwerste Fehleinschätzung in der nunmehr fünfjährigen Amtszeit von Markus Krösche.
Der Sportvorstand selbst steht in den Gremien nicht zur Diskussion und genießt weiterhin das Vertrauen. Allerdings soll es auch um die Mannschaft herum zu Veränderungen kommen. Das könnte die medizinisch-athletische Abteilung betreffen, aber auch den von Krösche installierten Sportdirektor Timmo Hardung. Es wäre naiv anzunehmen, dass sich mit einem Trainerwechsel und ein paar Transfers alle Probleme in Luft auflösen.
Hütter hat intern einige Fürsprecher
Nichtsdestotrotz ist die Trainerwahl Krösches wichtigste Entscheidung in diesem Sommer. Der Sportvorstand möchte sich dazu aktuell nicht mal im Hintergrund äußern. Aus Vereinskreisen ist aber zu vernehmen, dass ein deutschsprachiger, erfahrener Mann übernehmen soll. Das engt den Kandidatenkreis ein.
Ex-Coach Adi Hütter (2018 bis 2021) hat intern nach kicker-Informationen einige Fürsprecher, steht mit überfallartigem Pressing aber für einen völlig anderen Fußball als Riera. Der kicker hörte aus zwei Quellen, dass es eine erste Kontaktaufnahme zum Management von Hütter gegeben haben soll. Doch Hütters Berater Alen Augustincic bestätigt das auf Nachfrage nicht.
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Unklar ist auch, ob der Österreicher überhaupt von einem weiteren Engagement am Main überzeugt werden könnte. Der 56-Jährige liebäugelt schon seit Jahren mit einem Engagement in der Premier League, laut L’Equipe ist er zudem ein heißer Kandidat bei Olympique Marseille. Allerdings fühlt Hütter trotz seines unrühmlichen Abgangs zu Gladbach vor fünf Jahren bis heute eine Verbundenheit zur Eintracht, zuletzt besuchte er die SGE vor einigen Wochen.
„Gladbach ist ebenfalls ein toller Verein, aber emotional spüre ich auch jetzt noch, dass ich extrem an Frankfurt hänge. Wenn ich mir die Spiele der Eintracht anschaue, bewegt sich etwas in mir. Das war eine unglaublich tolle Zeit“, sagte er im April 2023 im kicker-Interview.
Außerdem verriet er, dass er 2022 beim Europa-League-Halbfinale gegen West Ham im Stadion war: „Ich bekam eine Einladung von Axel Hellmann. Das war eine große Freude – wie auch das Gespräch mit Axel, mit dem ich schon im Vorfeld telefoniert hatte. Es war das Beste, was ich machen konnte, diese Einladung anzunehmen. Das war ein wichtiger Moment für mich, um auch einige Wogen zu glätten. Axel half mir bei einer Annäherung an die Fans.“ Die Tür für eine Rückkehr ist offensichtlich nicht zu. Doch es ist schwer einzuschätzen, was Krösche vorhat.
Jaissle zu unerfahren?
In Frankfurt kursiert auch der Name Matthias Jaissle (Al-Ahli), der mit 38 Jahren aber noch recht jung ist und die deutsche Bundesliga nur als Spieler kennt. Der erfahrene Roger Schmidt, zu dem Krösche ein enges Verhältnis pflegt, sagte im vergangenen Oktober im kicker-Interview: „Es ist für mich keine neue Entscheidung, nicht mehr als Klubtrainer zu arbeiten. Schon als ich 2022 bei Benfica unterschrieben habe, war für mich klar, dass ich danach eine Pause einlegen möchte.“ Eine Rückkehr auf den Trainerstuhl käme angesichts dieser Worte ziemlich überraschend.
Klar ist: Nach dieser unruhigen Saison sollte in der Trainerfrage rasch Klarheit herrschen. Auch im Sinne der Kaderplanung, in die der neue Coach eingebunden werden muss. Es steht ein größerer Umbruch bevor.
