Am Samstag gegen den FC Bayern wird Leverkusens Dauerläufer und Top-Scorer Alejandro Grimaldo gelbgesperrt fehlen. Ein bedeutendes Problem für Bayer. Trainer Kasper Hjulmand muss genau überlegen.
Bayers linke Lücke
Erst grinste er, dann winkte er nur noch ab – und machte sich schließlich von dannen. Nach einem Foul am Mittelkreis sah Alejandro Grimaldo am vergangenen Samstag beim SC Freiburg (3:3) seine fünfte Gelbe Karte in dieser Liga-Saison. Und nun könnte man meinen: Der Dauerläufer, der hinter Aleix Garcia auf die meiste Einsatzzeit bei der Werkself kommt und zuletzt ein ums andere Mal überspielt wirkte, erhält endlich seine wohlverdiente Verschnaufpause. Grimaldo, der immer auf einen Einsatz brennt, wird sich aber sicher nicht über diese Gelbsperre freuen. Zumal sie Bayer im so anspruchsvollen Duell mit Tabellenführer FC Bayern am kommenden Samstag vor durchaus bedeutende Probleme stellt.
Einerseits fehlt schlicht ein elementar wichtiger Profi, der Top-Scorer Grimaldo kraft seiner Klasse bei Standards und zwischen den Linien immer ist. Auch gegen den FC Arsenal (1:1) war sie am Mittwochabend wieder zu sehen. Andererseits bietet der Kader gerade keine ideale Lösung für die linke Lücke – vor allem dann nicht, wenn Trainer Kasper Hjulmand wieder auf die Viererabwehrkette setzten wollte.
Spielt Poku links? Und verteidigen Tape oder Oermann rechts?
Jeanuel Belocian steht ja nicht mehr als Ersatz-Linksverteidiger zur Verfügung, wurde im Winter – ohne Chance bei Hjulmand – an den VfL Wolfsburg verliehen. Arthur, der es auch links hätte machen können, fehlt wegen eines Syndesmoserisses. Und will Hjulmand die bisher kaum eingesetzten Rechtsfüßer Axel Tape oder Tim Oermann, die bei ihren Kurzauftritten zudem ab und an wackelten, nicht plötzlich seitenverkehrt links spielen und ins Duell mit Ausnahmekönnern wie Michael Olise ziehen lassen, dann erscheint der erneute Wechsel auf die bis zum Spiel beim Hamburger SV (1:0) permanent genutzte Dreier- bzw. Fünferformation naheliegend.
Wobei erneut festzustellen ist: Die Optionen sind beschränkt. Ja, Hjulmand kann Ernest Poku für Grimaldo auf die linke Schiene setzen. Und es ist gut denkbar, dass er diese Wahl letztlich auch trifft. Den schnellen Flügelspieler könnte Hjulmand aber genauso gut rechts gebrauchen – gerade, wenn man bedenkt, wie er bei ManCity (2:0) gegen Hochgeschwindigkeitsdribbler Jeremy Doku verteidigte. Poku indes gibt es – klar – nur einmal, und so bleiben rechts vor allem Tape und Oermann als ernsthafte Kandidaten.
Neben Arthur fehlt Lucas Vazquez mit einer Wadenverletzung. Kaum denkbar, dass er Jonas Hofmann dort ins rasante Eins-gegen-eins mit den Tempomachern aus München zwingt. Talent Montrell Culbreath wurde bisher nur offensiver eingesetzt. Und Tiefensprinter Nathan Tella, der es auf der rechten Schiene könnte, wurde von Hjulmand zwar für eine Kader-Rückkehr gegen den FC Bayern ins Spiel gebracht. Er lief letztmals jedoch bei der TSG (0:1) auf – am 18. Spieltag Mitte Januar. Führt man sich vor Augen, wie vorsichtig Hjulmand für gewöhnlich mit Rückkehrern umgeht, ist ein Kaltstart in der Startelf auszuschließen. Wer beginnt also gegen den Liga-Primus, gegen den es um wichtige Punkte im Kampf um die infrage stehende Champions League-Qualifikation geht?
Hjulmand muss genau überlegen – und Grimaldo von außen zusehen.
