Eintracht Frankfurt droht erstmals seit 2020 den Europapokal zu verpassen, übers Sportliche redet vor dem 32. Spieltag aber niemand. Denn Trainer Albert Riera legt am Freitag einen denk- wie fragwürdigen Auftritt hin – und offenbart ganz am Ende ein ziemlich wirres Verständnis von Pressearbeit.
Unprofessionelle Pressekonferenz vom Eintracht-Coach
Die Pressekonferenz ist beendet, die Live-Übertragung damit ebenfalls, und Albert Riera macht sich auf den Weg vom Podium zum Ausgang. Und als wäre die knappe Viertelstunde zuvor nicht schon im negativen Sinne denkwürdig genug gewesen, übertrifft er sich in diesem Moment noch mal selbst. Einen Journalisten der Bild, dessen Berichterstattung er als „totalen Bullshit“ deklariert hatte, giftet er mit entsprechender Mimik an: „Wenn du diesen Klub nicht liebst, dann geh!“
Es ist fraglos der vorläufige Tiefpunkt in den wirren Auftritten des Frankfurter Trainers, der seit Wochen versucht, vor den Mikrofonen und Kameras den Frankfurter Scherbenhaufen dieser Saison als heile Welt zu verkaufen, in der er selbst einen Brandherd nach dem anderen legt. Ganz nebenbei offenbarte er an diesem Freitag sein grundlegend falsches Bild vom Journalismus. Wie Riera auf die Idee kommt, dass Journalisten in ihrer objektiven Berichterstattung den Klub zu lieben haben, bleibt ein Rätsel. Denn noch während er den Satz vollendet, stampft er ohne weiteren Kommentar davon.
Auslöser: Der Fall Burkardt
Wobei auch sehr unwahrscheinlich ist, dass er es hätte erklären wollen. Denn im Grunde wollte er vor dem 32. Spieltag über gar nichts sprechen. Das Spiel gegen den Hamburger SV am Samstagnachmittag (15.30 Uhr, LIVE! bei kicker), immerhin Anlass der Pressekonferenz, war schnell abgehakt. Auf die Frage, wohlgemerkt die erste des Tages, was seine Pläne gegen den HSV seien, antwortete der Spanier: „Gewinnen. Über Taktik spreche ich mit Journalisten nicht.“ Damit war der Ton gesetzt.
Mit jedem weiteren Satz redete sich der 44-Jährige weiter in Rage. Anlass seiner Wutrede war ein Bericht der Bild, der sich mit kicker-Informationen und denen weiterer Medien deckt: Es geht dabei um atmosphärische Störungen zwischen Riera und Stürmer Jonathan Burkardt. Die vermeintlich hohen Körperfettwerte des Torjägers waren dem Spanier ein Ärgernis, der schickte jedoch Co-Trainer Jan Fießer vor, um das Thema zu klären. Ein direktes Gespräch zwischen Chefcoach und dem Nationalstürmer, der sehr irritiert gewesen sein soll, habe es zunächst nicht gegeben.
Ein Muster, das sich wiederholt. Die Reihe an Spielern, die offensichtlich nicht mehr so Recht mit Riera zusammenarbeiten wollen, wird damit länger. Mario Götze ist das wohl auffälligste wie prominenteste Beispiel. Seit Anfang März durfte der Weltmeister nur noch 23 Minuten spielen, dabei sei alles „fantastisch“, wie Riera immer wieder versucht glauben zu lassen.
Minuten wie im Fiebertraum
„Totaler Bullshit. Totaler Bullshit“, blaffte Riera auf das Burkardt-Thema angesprochen und stellte sichtlich angefressen die Gegenfrage: „Glauben Sie, ich habe ein Kommunikationsproblem mit meinen Spielern? Glauben Sie das?“ Es folgten Minuten wie im Fiebertraum: „Wir sind hier nicht in der Kneipe oder im Zirkus. Das ist ein seriöser Fußballklub. Vielleicht denken Sie, dass das hier eine Kneipe ist und sprechen mit Agenten und Journalisten“, so Riera.
„Es gibt Gift um dieses Gebäude herum, aber nicht in diesem Gebäude. Wir haben eine fantastische Beziehung zu den Spielern. Etwas zu schreiben, ist euer Job, aber ich akzeptiere keine Lügen. Ich bin keine Marionette. Ich bin Trainer. Ich verlange Respekt. Die Fans verdienen, die Wahrheit zu hören.“
Die Wahrheit, oder das, was er dafür hält, wollte Riera aber nicht preisgeben: „Ich will dazu nichts mehr sagen. Ich muss dir die Situation nicht erklären.“ Stattdessen verwies der Trainer auf die Trainingseinheit am vergangenen Mittwoch, zu der Journalisten ausnahmsweise mal eingeladen waren: „Haben Sie irgendein Problem gesehen? Sie haben nicht mal darüber geschrieben, wie schön es war. Sie wollen den Fans die Information geben, dass alles schlecht ist. Nichts ist schlecht.“
Längst ein Flächenbrand
Für die Eintracht wird Riera mit seiner Außendarstellung zunehmend zum problematischen Störfaktor. Aktuell legt der Mallorquiner intern wie extern so viele Störfeuer, dass allmählich ein Flächenbrand über die Eintracht fegt. Es wird immer schwieriger, sich vorzustellen, dass Riera auch über den Sommer hinaus noch an der Seitenlinie sitzt.
Übers Sportliche redet kaum einer in diesen Tagen am Main – selbst der Trainer nicht. Dabei droht erstmals seit der Saison 2020/21 ein Jahr ohne internationalen Fußball am Main. Nach dem Duell mit dem HSV muss die Eintracht in dieser Saison noch in Dortmund und gegen Stuttgart spielen. Angesichts dieser Größen ist ein Heimsieg am Samstag Pflicht.
