Die vorzeitige Abreise aus Norwegen von Julian Ryerson zeigt auf Borussia Dortmunds Außenverteidiger-Position ein altes Problem auf. Immerhin: Ein Schienenspieler ist richtig gut in Form.
Ryersons Verletzung erneuert das Problem auf der Position
Es gibt diese eine Geschichte über Julian Ryerson, die viel, wenn nicht alles über den Norweger in Diensten von Borussia Dortmund aussagt. Als er 13 Jahre alt war und mit der Jugend-Mannschaft von Lyngdal IL an einem renommierten Turnier in Norwegen teilnehmen sollte, bekam er im Training vor dem ersten Spiel einen heftigen Tritt ab. Ryerson spielte trotz der Schmerzen, absolvierte acht Partien in einer Woche – und bekam nach anhaltenden Problemen anschließend im Krankenhaus die Diagnose von gleich drei gebrochenen Knochen im Fuß.
Wenn sich dieser Ryerson rund 15 Jahre später also innerhalb weniger Tage zweimal auswechseln lässt, bedeutet das ganz automatisch einen Grund zur Sorge. Im Spiel der norwegischen Nationalmannschaft gegen Portugal am vorletzten Sonntag musste er nach 66 Minuten vom Platz, in Wales einige Tage später sogar schon nach gut einer Viertelstunde. Am Freitag kehrte der Rechtsverteidiger nun vorzeitig nach Dortmund zurück. „Er hat in einem der ersten Zweikämpfe einen Schlag abbekommen“, erklärte sein Nationalcoach Staale Solbakken anschließend.
Ryerson bleibt ohne echten Ersatz
Mit einer Rippenverletzung wird er nach kicker-Informationen nicht langfristig ausfallen, aber ein Fehlen am Freitag im Spiel des Tabellenführers gegen Werder Bremen (20.30 Uhr, LIVE! bei kicker) ist möglich. Das wäre eine Aufgabe für Trainer Niko Kovac. Zwar konnte Ryerson in seinen ersten vier Ligaspielen noch nicht an die phänomenale Vorlagen-Quote des ersten Halbjahrs 2026 mit zwölf Assists in der Liga anknüpfen, als Vielläufer und Antreiber ist er dennoch gesetzt – und angesichts der fehlenden Breite auf seiner Position auch mehr oder weniger alternativlos.
Neben dem Norweger stehen im Dortmunder Kader nur noch Daniel Svensson, der für die Innenverteidiger eingeplante Ramy Bensebaini und der junge, unerfahrene Kaua Prates als gelernte Außenverteidiger. Den Offensiv-Allrounder Maximilian Beier hat Kovac zudem umgelernt, dass zuletzt auch Konstantinos Karetsas für Griechenland eine ähnliche Rolle einnahm, wird der Coach zufrieden festgestellt haben. Doch einen klaren Ersatz für Ryerson gibt es erst einmal nicht, Kovac wäre erneut zum Puzzlen gezwungen.
Bensebaini und Gadou kommen spät zurück
Dazu kommt, dass Bensebaini ebenso wie Innenverteidiger Joane Gadou noch am Dienstagabend im Einsatz ist und Nico Schlotterbeck ebenfalls verletzt von der Nationalmannschaft abreisen musste. Für die Dreierkette und die beiden Schienenspieler-Positionen werden die Optionen also zum wiederholten Male in der noch jungen Saison knapp. Eigentlich hätte im Sommer dort auch noch Verstärkung kommen soll, der junge Pole Marcel Regula stand parat, um kurz vor Ende des Wechselfensters zum BVB zu stoßen. Doch durch die Verletzung von Giannis Konstantelias war der Bedarf auf der Zehn höher, es kam Ethan Nwaneri.
Immerhin: Auf die Konstante Svensson kann Kovac setzen. Der Coach hält viel vom Schweden, der am Montag noch in Rumänien antreten wird. Zwar liefert der Linksverteidiger nicht die spektakulären Offensivaktionen wie andere in seiner Rolle, ist aber enorm fleißig, taktisch geschult und vor allem gegen den Ball eine spielintelligente Säule. Die Stärken des vielseitigen Svensson liegen in den Details, in Räumen, die er zuläuft und Klärungen, die unscheinbar sind, aber große Auswirkungen haben. „Das Besondere an Daniel ist, dass er intelligent ist. Egal, wo man ihn auf dem Platz einsetzt, er kommt damit klar und kann seine Stärken ausspielen“, lobte ihn zuletzt Nationalcoach Graham Potter.
