„Müssen den Finger in die Wunde legen“: Gladbach lässt viel Luft nach oben

Der Test beim FC St. Pauli brachte Borussia Mönchengladbach keinen Rückenwind, aber zahlreiche Erkenntnisse vor Alexander Blessins Pflichtspiel-Debüt auswärts beim 1. FC Köln. Die Mentalität stimmt den Coach positiv.

Nur 1:1 auf St. Pauli

An alter Wirkungsstätte erhielt Alexander Blessin einen herzlichen Empfang. So herzlich, dass er in der Pause versehentlich in die falsche Kabine abbog, wie er nach dem 1:1 im Test bei St. Pauli mit einem Lachen verriet. „Ich bin nach zwei Metern sofort wieder raus und habe gemerkt: Hier bin ich falsch!“ Zu vertieft war der Coach bereits in den Gedanken darüber, welche Szenen er seinem Team vorspielen kann, um Fehler im eigenen Spiel auszumerzen.

Dafür wurde ihm nach einem guten Beginn eine breite Grundlage geliefert. Blessin lobte zwar die erste halbe Stunde seines Teams, in der Tim Kleindienst zur bis dahin verdienten Führung traf und „vielleicht auch noch ein bisschen mehr rausspringen“ hätte können. „Aber dann haben wir den Faden verloren.“

„Ich finde es geil, gleich so ein Ding zu haben.“ (Alexander Blessin über das Derby)

Der Zweitligist fand besser ins Spiel, das er fortan ausgeglichen gestaltete. „Weil wir gedacht haben, wir stehen jetzt ein bisschen tiefer, sind wir inaktiv geworden, haben St. Pauli aufgebaut und ein paar Chancen zugelassen, weil wir geschlafen haben“, sah Blessin ganz besonders die Probleme im Umschaltverhalten seiner Mannschaft. „Da sind wir teilweise zu behäbig gewesen in der Absicherung und der Klarheit darin, wie ich nach einem Ballgewinn oder Ballverlust reagiere.“

Es ist eine der Baustellen, die Blessin mit in die so wichtige Derby-Woche nimmt, die für ihn alles andere als ungelegen kommt. „Ich finde es geil, gleich so ein Ding zu haben“, blickte er mit Vorfreude auf sein erstes Pflichtspiel beim 1. FC Köln, bei dem die Gladbacher gleich daran arbeiten wollen, wieder einen „Zusammenschluss“ mit den Fans herzustellen. Das geht nur über sportliche Leistung. Klar ist: „Wir müssen den Finger in die Wunde legen und natürlich noch was tun“.

Gegen den Rivalen aus der Domstadt wird es auch darum gehen, die „paar dummen Ballverluste“ abzustellen. Aufbauen lasse sich derweil darauf, wie der eine oder andere Ballgewinn gefeiert und sich untereinander abgeklatscht wurde. „Das war schon gut“, freute sich Blessin, für den es natürlich darum geht, der defensiv bislang so schwachen Mannschaft den Willen und die Gier in der Arbeit gegen den Ball einzuimpfen.

Das Warten auf die Defensive

Dabei sind besonders die Abwesenheiten der Innenverteidiger Kevin Diks (Indonesien), Ko Itakura (Japan) und Fabio Chiarodia (Italien U 21) und des Schienenspielers Lukas Ullrich (Deutschland U 21) keine Hilfe. Immerhin Jan Leszczynski ist bereits zurück von der polnischen U 20 und konnte im Test beginnen. Dafür musste Blessin vor der Dreierkette auf Zento Uno, seinen klarsten Abräumer, verzichten. Beim Japaner, der „auf einem richtig guten Weg“ war, am Mittwoch aber mit einem bandagierten Oberschenkel den Trainingsplatz verlassen hatte, sprachen die Gladbacher von einer Vorsichtsmaßnahme. Nicht ausgeschlossen also, dass er schon in Köln wieder zur Option werden könnte.

Anders als aller Voraussicht nach Franck Honorat. Der Rechtsaußen hat sich eine Muskelverletzung zugezogen und fällt vorerst aus. Da auch der zweite Mann für diese Position mit Nicolas Kühn weiter an einem Muskelbündelriss laboriert, ersetzte ihn auf St. Pauli Shuto Machino. Der nominelle Mittelstürmer konnte aber nicht an seinen Doppelpack in Siegen (3:0) anknüpfen. Neben ihm ist auch der variable Hugo Bolin, der für die schwedische Nationalmannschaft nachnominiert wurde, eine Option für die rechte Offensivseite.

 

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