Vor dem letzten Spieltag sind die drei Abstiegskandidaten Wolfsburg, Heidenheim und St. Pauli punktgleich. Daraus ergeben sich ungewöhnliche Szenarien. Es ist sogar möglich, dass am Ende der direkte Vergleich entscheidet. Der kicker beantwortet zehn Fragen zum Kampf um den Klassenerhalt.
Schlusslicht stieg bisher immer ab
Gab es in der Bundesliga-Geschichte bereits die Konstellation, dass die letzten drei Teams der Tabelle vor dem letzten Spieltag punktgleich waren?
Nein, diese Konstellation ist ein Novum. Der geringste Abstand zwischen Platz 16 und Platz 18 lag zuvor bei einem Zähler, zuletzt war das 2008/09 der Fall. Damals lag Arminia Bielefeld vor dem Saisonfinale mit 27 Punkten auf dem Relegationsplatz, dahinter rangierten die punktgleichen Cottbuser, Schlusslicht war der Karlsruher SC mit 26 Zählern. Die Lausitzer und die Badener gewannen damals jeweils ihre Heimspiele, die Arminia wurde nach einem 2:2 gegen Hannover 96 noch auf Platz 18 durchgereicht. Cottbus scheiterte letztlich in der Relegation an Nürnberg (0:3, 0:2) und trat ebenfalls den Gang in die 2. Liga an. Es war die bis heute letzte Bundesliga-Saison des FC Energie.
Wann hatte der Tabellenletzte zuletzt noch die Möglichkeit, sich beim Saisonfinale zu retten?
2014/15 war das Schlusslicht letztmals vor dem 34. Spieltag noch nicht abgestiegen. Der Achtzehnte aus Paderborn verpasste aber dennoch die Rettung und verlor zu Hause gegen den Sechzehnten aus Stuttgart mit 1:2. Die Schwaben schafften damit den direkten Klassenerhalt, der Siebzehnte aus Hamburg rettete sich in die Relegation und gewann diese durch ein legendäres Freistoßtor gegen den KSC (1:1, 2:1) – während der SC Freiburg, der vor dem Saisonfinale noch auf Platz 14 lag, direkt abstieg.
Rettete sich schon mal ein Verein, der vor dem letzten Spieltag noch Schlusslicht war?
Nein, das gelang noch keinem Klub. 1964/65 stieg der Tabellenletzte FC Schalke 04 allerdings nicht ab, da die Liga auf 18 Vereine aufgestockt wurde und es nach dem Lizenzentzug für Hertha BSC keine weiteren Absteiger gab.
Was war die niedrigste Punktzahl, die seit der Wiedereinführung der Relegation zur Saison 2008/09 für Platz 16 reichte?
2013/14 kam der Hamburger SV mit 27 Punkten in die Relegation und ließ den 1. FC Nürnberg (26 Punkte) und Eintracht Braunschweig (25 Punkte) hinter sich. Der HSV, der sich letztlich in der Relegation gegen Fürth (0:0, 1:1) rettete, und die Eintracht hatten damals die letzten fünf Saisonspiele verloren, der Club sogar die letzten sieben. Der VfL Wolfsburg könnte den negativen Punkte-Rekord nun einstellen, wenn der 1. FC Heidenheim nicht gewinnt und das Spiel gegen St. Pauli remis endet.
Was passiert, wenn Heidenheim und Wolfsburg nach dem 34. Spieltag die gleiche Punktausbeute, die gleiche Tordifferenz und die gleiche Anzahl an erzielten Toren aufweisen?
Dann hält Wolfsburg die Klasse, da die Wölfe den direkten Vergleich mit Heidenheim für sich entschieden haben. Am 1. Spieltag feierten sie einen 3:1-Erfolg auf der Ostalb, das Rückrundenspiel in Niedersachsen endete 1:1.
Wolfsburg holte nur zehn Punkte im eigenen Stadion. Was war das schwächste Heimteam, das je die Klasse hielt?
Werder Bremen holte 2019/20 nur neun Punkte im Weserstadion. In der Auswärtstabelle rangierte Werder jedoch mit 22 Zählern auf dem achten Platz. Im Gesamtklassement reichte das zu Platz 16. Die Bremer behielten dann in der Relegation gegen Heidenheim knapp die Oberhand (0:0, 2:2).
- Die Szenarien des 34. Spieltags in der Bundesliga
- Was passiert, wenn zwei Bundesligisten punkt- und torgleich sind?
Heidenheim kassierte bereits 70 Gegentore. Hielt schon mal ein Team mit einer solchen Anzahl an Gegentoren die Klasse?
Ja, zuletzt der VfL Bochum vor zwei Jahren. Trotz 74 Gegentoren wurde der VfL Sechzehnter. In der Relegation setzte sich der Ruhrpott-Klub dann gegen Fortuna Düsseldorf durch (0:3, 6:5 i.E.). Die schwächsten Defensiven, denen der Klassenerhalt glückte, stellten indes der FC 08 Homburg 1986/87 und Bayer 05 Uerdingen 1983/84 mit jeweils 79 Gegentoren. Die Krefelder landeten damals sogar auf Rang 10.
St. Pauli hat nur 28 Tore auf dem Konto. Was war die schwächste Offensive, die je die Klasse hielt?
Mit gerade mal 25 Toren mogelte sich der HSV 2014/15 in die Relegation und setzte sich dort gegen Karlsruhe durch (1:1, 2:1). St. Pauli reichten übrigens in der Vorsaison 28 Tore zum Klassenerhalt. In diesem Jahr müssen die Hamburger mindestens eines mehr schießen, um auch in der kommenden Saison Bundesliga zu spielen.
Wann stiegen Wolfsburg, Heidenheim und St. Pauli zuletzt ab?
St. Pauli stieg zuletzt 2011 aus der Bundesliga ab. Für Wolfsburg wäre es der erste Abstieg aus dem Oberhaus, für Heidenheim sogar der erste Abstieg überhaupt seit der Abspaltung der Fußballabteilung vom Heidenheimer Sportbund 1846 im Januar 2007. Der Vorgänger-Verein Heidenheimer SB verzeichnete seinen letzten Abstieg 1992, als das Team von der Verbands- in die Landesliga runtermusste. Bei den Wölfen liegt der letzte Abstieg schon fast 50 Jahre zurück: 1977 ging es von der 2. Bundesliga in die Oberliga Nord.
Welcher Abstiegskandidat hat Relegationserfahrung?
Wolfsburg setzte sich 2017 gegen Eintracht Braunschweig (1:0, 1:0) und 2018 gegen Holstein Kiel durch (3:1, 1:0). Heidenheim war erst im Vorjahr gegen die SV Elversberg erfolgreicher Teilnehmer (2:2, 2:1). 2020 hatte die Schmidt-Elf als Zweitligist jedoch gegen Werder Bremen den Kürzeren gezogen. St. Pauli spielte ebenfalls schon zweimal in der Relegation, allerdings vor der Wiedereinführung. 1987 scheiterten die Kiezkicker als Zweitligist an Homburg (1:3, 2:1), 1991 als Bundesligist an den Stuttgarter Kickers (1:1, 1:3).
