Ein neuer Wettbewerb zur Talentförderung, eine geplante Investitionsoffensive, Dynamik am Medienmarkt – die DFL vermeldet viele positive Signale. Doch über 50+1 hängt weiter ein Damoklesschwert.
Geschäftsführer Lenz und Merkel geben Einblick in zentrale Themenfelder
Beim Europa-League-Finale an diesem Mittwochabend (21 Uhr, LIVE! bei kicker) in Istanbul werden neben den Spitzenvertretern des DFB auch die beiden DFL-Geschäftsführer live vor Ort mit dem SC Freiburg fiebern. Für Marc Lenz und Steffen Merkel selbstverständlich eine Frage von Fußballpatriotismus – und zugleich eine willkommene Bestätigung jenes Weges, den sie der Bundesliga weiterhin vorzeichnen.
Dass der Sport-Club unter den Rahmenbedingungen von 50+1 in einem europäischen Endspiel steht, wertet Lenz nachvollziehbar als Beleg dafür, dass die Kombination aus „wirtschaftlicher Vernunft und Talente-Management eine sehr starke Basis für Wettbewerbsfähigkeit sein kann“. Sollten die Breisgauer sogar Premier-League-Vertreter Aston Villa schlagen, wäre dies umso eindrucksvoller untermauert.
„Wir wollen und müssen mehr liefern als bisher“
Sportliche Attraktivität, wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit, finanzielle Stabilität und gesellschaftliche Verankerung nennen Merkel und Lenz immer wieder als die sich gegenseitig verstärkenden vier Säulen, die den deutschen Profifußball auch in Zukunft tragen sollen. Relativ neu ist dabei, dass die DFL als Verband auch inhaltliche Maßnahmen ergreift, die auf sportliche Weiterentwicklung bzw. Ausbildung einzahlen. „Wir wollen und müssen unter diesen Aspekten mehr liefern als bisher“, bekräftigte Lenz beim jährlichen Mediengespräch der DFL-Geschäftsführung in Frankfurt eine entsprechende Strategieerweiterung.
Als erstes konkretes Ergebnis der im vergangenen Herbst eingesetzten Expertengruppe, zu der neben den Klubvertretern Markus Krösche, Andreas Bornemann und Joti Chatzialexiou sowie DFB-Geschäftsführer Andreas Rettig auch Jürgen Klopp und Sami Khedira zählen, wird ab September die neue U-21-Liga als zusätzlicher Wettbewerb an den Start gehen.
Gerade Klopp hatte schon vor seiner Nominierung ins Gremium in mehreren Interviews, u.a. im kicker, vehement für eine solche Liga nach englischem Vorbild geworben. Die Einführung dürfte nun also nicht zuletzt auf seinen Impuls zurückgehen. Nach DFL-Angaben haben bis dato 28 Vereine der 1. und 2. Liga grundsätzliches Interesse an der freiwilligen Teilnahme hinterlegt, um ihren Talenten mehr Spielpraxis zu verschaffen. Verbindliche Meldungen müssen bis Mitte Juni abgegeben werden.
Ausbildungsmängel als Bedrohung des Vier-Säulen-Modells
In einem gewissen Rahmen, erläutert Lenz, dürfen die Klubs selbst vorab festlegen, wie viele Spiele sie bestreiten wollen. Möglich sind zwischen drei und sechs Partien pro Halbjahr. Fürs vorgesehene Finale bzw. ein eventuelles Final-Four-Turnier sollen sich dann die Teams mit dem besten Punkte-Quotienten qualifizieren. Im zentralen Fokus, betont Lenz, stehe aber ohnehin nicht der Titelgewinn, sondern logischerweise die Spielzeit für Akteure am Übergang zum Profibereich und somit eine sinnvolle Verlängerung deren Ausbildungszeit.
Dass im internationalen Vergleich zu wenige selbst ausgebildete Talente den Durchbruch im Oberhaus schaffen und die Klubs in der Folge auch durch Transfers von Eigengewächsen relativ wenig profitieren, bleibt eine zentrale Erkenntnis der jüngeren Vergangenheit. Und eine logische Bedrohung des skizzierten Vier-Säulen-Modells. Die Notwendigkeit von Investitionen in die Ausbildung wie auch in Infrastruktur generell ist seit geraumer Zeit hinlänglich festgestellt. Laut Merkel stehe „die größte Investitionsoffensive in der Geschichte der DFL“ bevor. Alternativen, um den Kapitalbedarf dafür zu decken, sucht die DFL seit Scheitern des Investorenprozesses Anfang 2024 in verschiedenen spezifischen Partnerschaften.
Der Adidas-Deal: Warum die DFL nun doch auf Fremdkapital baut
Um die bis dato bedeutendste handelt es sich bei der offiziell sogenannten „Zukunftspartnerschaft“ zwischen DFL und Adidas. Zentraler Bestandteil: Ein Darlehensrahmen von bis zu 100 Millionen Euro, die der Ligaverband beim DAX-Unternehmen optional abrufen kann – zu „für uns hervorragenden Konditionen“, so Lenz. Über die Verwendung der Mittel haben dann wiederum die 36 Klubs gemeinsam zu entscheiden. Rein prinzipiell bedeutet der Adidas-Deal eine Abkehr der u.a. von Ligapräsident Hans-Joachim Watzke im Kontext des Investorenprozesses getätigten Ansage: Fremdkapital – das in der Regel mit satten Zinsen zurückgezahlt werden muss – sei keine Alternative.
Einen diesbezüglichen inhaltlichen Kurswechsel sieht Lenz trotzdem nicht. Zum einen wegen der nun deutlich geringeren als seinerzeit im Raum stehenden Summe. Und vor allem wegen der erwähnten Darlehenskonditionen: „Wenn wir wirklich die vollen 100 Millionen abrufen würden, müssten wir die ja nicht komplett zurückzahlen.“ Beispielsweise deshalb, weil die Spielballpartnerschaft mit Adidas im Zuge des Deals vorab um vier weitere Jahre bis 2034 verlängert wurde.
Bezahlsender sorgen für verheißungsvolle Vorzeichen
Für wirtschaftliche Zuversicht sorgen bei der DFL auch die jüngsten Entwicklungen der wichtigsten nationalen Medienpartner DAZN und Sky. Beide Bezahlsender und Inhaber von exklusiven Bundesliga-Rechten „wirtschaften nach eigener Aussage profitabel“, konnte Merkel berichten. Passend dazu verkündete Sky zu Wochenbeginn für 2025/26 einen neuen Reichweitenrekord von 4,7 Millionen Zuschauern pro Bundesliga-Spieltag. Generell erkennt Merkel eine „Dynamik im Markt“ und erkennt für die 2028 anstehende nächste Ausschreibung der nationalen Medienrechte verheißungsvolle Vorzeichen: Nur dank der jüngsten Signale „können wir davon ausgehen, dass das Interesse an den Rechten noch höher sein wird“.
Ein längst leidiges, nach wie vor ungelöstes Dauerthema bleibt die angestrebte rechtliche Absicherung der 50+1-Regel in Verbindung mit den expliziten Ausnahmen Bayer Leverkusen und VfL Wolfsburg sowie dem Sonderfall RB Leipzig. Eine finale Bewertung des Bundeskartellamts erwartet man nun in der zweiten Jahreshälfte. Ob auf dieser Grundlage dann ein Konsens innerhalb des Ligaverbands möglich sein wird, steht in den Sternen.
„Ich kann nicht ausschließen, dass Gesellschafter gegen 50+1 vorgehen.“ (Marc Lenz, DFL-Geschäftsführer)
Leverkusens Klubchef Fernando Carro hatte schon direkt nach seiner Benennung als DFL-Aufsichtsratsmitglied im September 2025 erklärt, „keine Notwendigkeit für Veränderungen“ zu erkennen. Sollten diese dennoch gefordert werden, schweben über dem Bundesliga-Kulturgut 50+1 weiterhin mögliche Klagen als Damoklesschwert.
Darüber macht sich auch Lenz keine Illusionen: „Wir werden alles dafür tun, 50+1 beizubehalten und zu stärken. Aber ich kann nicht ausschließen, dass Gesellschafter (also Klubs, Anm. d. Red.) gegen die Regel vorgehen werden.“
