Wenn die Bosse beim FC Bayern tagen, geschieht dies nicht ohne mediales Brimborium drumherum. Bei der turnusmäßigen Sitzung am Montag werden allerdings höchstens Weichen gestellt.
Dreesen und Eberl im Fokus
Die Aufregung im und um den FC Bayern ist selten klein, Interessen werden gegeneinander ausgespielt, Infos durchgestochen, aus Mücken gerne sprichwörtliche Elefanten gemacht. Dabei ist die Sitzung des Aufsichtsrats an diesem Montag turnusmäßig – der Termin wurde schon lange festgelegt. Dennoch gibt es natürlich wichtige Themen: das Transferbudget für diesen Sommer zum Beispiel.
Aktuell konzentriert sich die Suche nach Verstärkungen vor allem auf die Offensive. Nicolas Jackson wird nicht fest verpflichtet, die Münchner benötigen eine Alternative zu Harry Kane, aber auch zu Vielspieler Luis Diaz. Das Interesse an Anthony Gordon (25) von Newcastle United ist verbürgt, die geforderte Summe von 80 Millionen Pfund, also 92 Millionen Euro, werden die Bayern nicht bezahlen, das oberste Kontrollgremium würde dies nicht genehmigen.
Sportvorstand Max Eberl wird seine Transferpläne offenlegen, eine Alternative zu Gordon heißt nach kicker-Informationen Charles de Ketelaere. Der 25-jährige Nationalspieler Belgiens (25 Einsätze) steht bei Atalanta Bergamo unter Vertrag, wäre deutlich günstiger als Gordon und kann wie der Engländer in der Offensive fast alles spielen, mehrere Positionen auffüllen. Von Bayern-Seite wird der Name nicht dementiert, der seriöse belgische Insider Sascha Tavolieri berichtete zuerst.
Neben Eberl geht es auch um Dreesen
Natürlich werden die Aufsichtsräte auch sondieren, wie es mit den Vorständen Jan-Christian Dreesen (CEO) und Eberl (Sportvorstand) weitergeht, ebenso mit Sportdirektor Christoph Freund. Die Verträge des Trios laufen im Sommer 2027 aus, mit den Vorständen darf jedoch erst ein Jahr vor Ablauf verlängert werden. Heißt: Eine finale Entscheidung fällt nicht, frühestens bei der nächsten Sitzung im August.
Eberl bekam in der Vergangenheit den meisten Gegenwind, seine jüngsten Transfers saßen überwiegend: Diaz, Jonathan Tah, Tom Bischof, Jonas Urbig, davor Michael Olise. Wobei es eine Mär ist zu glauben, solch ein Transfer wäre eine One-Man-Show. Demgegenüber stehen teure Vertragsverlängerungen. Vor allem die bei Jamal Musiala und Alphonso Davies könnten den Klub noch auf Jahre belasten, wenn diese Spieler nach ihren schweren Verletzungen kein absolutes Top-Niveau erreichen.
Dreesen genießt in der Branche einen guten Ruf. Bei Bayern sollte er als Finanzvorstand 2023 eigentlich in den Ruhestand gehen, übernahm dann nach der Entlassung Oliver Kahns gar dessen Posten als CEO. Zur Wahrheit gehört allerdings, dass die Bayern bei der letzten Verlängerung mit Dreesen im November 2024 keinen anderen Kandidaten hatten, einen mit sportlichem FC-Bayern-Background wie der geschasste Kahn. Dennoch führt Dreesen den Klub insgesamt zur Zufriedenheit und darf wohl weitermachen. Auch gegen eine Weiterbeschäftigung Freunds spricht wenig.
Überhaupt müssen sich die Räte fragen, ob Änderungsbedarf angesichts der Entwicklung in den vergangenen beiden Jahren besteht. Mit Vincent Kompany haben sie einen Trainer, der sich zu einem der besten überhaupt entwickelt hat, seine Mannschaft spielt attraktiven Fußball, dominiert national längst wieder und scheiterte in der Champions League erst im Halbfinale am Titelverteidiger Paris St. Germain. Man könnte argumentieren: Die Richtung stimmt seit geraumer Zeit wieder, Raum für Fortschritt bleibt dennoch. Sollte es wider Erwarten zu Änderungen kommen, wird die Aufregung groß sein. Ganz sicher. Sonst wäre es ja nicht der FC Bayern.
