Die Frage, ob und wie man in Stuttgart den Ausfall von VfB-Keeper Dennis Seimen als Nummer 1 kompensieren will, ist offen. Torjäger Deniz Undav hat eine ganz klare Meinung.
Seimens Ausfall beschäftigt alle
Aus dem Stuttgarter Trainingslager in Grassau berichtet George Moissidis
Am heutigen Donnerstag ist Ruhetag. Für die Öffentlichkeit. Die Mannschaft tut, was nötig ist. Für den Körper wie für den Gemeinschaftssinn, genannt Teambuilding. Nichts Genaues weiß man von den heutigen Plänen. Vom gemeinsamen Bau eines Floßes wird hinter vorgehaltener Hand gesprochen. Eine Gemeinschaftsaktion, wie sie der in rund zwei Wochen beginnende Spielbetrieb mit dem DFB-Pokalspiel bei Hansa Rostock ebenfalls erfordern wird.
Bredlow ist der ungekrönte Seimen-Vertreter
Neben den zurückgekehrten Nationalspielern steht im Trainingslager in Grassau vor allem einer unter Beobachtung und entsprechend unter Strom: Fabian Bredlow, der Vertreter des ungekrönten, weil nicht offiziell als Stellvertreter ausgerufenen Dennis Seimen. Nachdem die designierte Nummer 1 mit einer schwereren Oberschenkelblessur wahrscheinlich bis Ende September ausfallen wird.
Die Diskussion, wie man den Ausfall zu kompensieren plant, ob mit Bredlow oder doch mit einem Neuzugang, ist noch nicht endgültig abgeschlossen. Für Deniz Undav dagegen schon. Der Torjäger hat eine klare Meinung und favorisiert die Beförderung der hauseigenen Nummer 2. Er sei „ein Riesenfan“ von Bredlow. „Seit Jahren sage ich zu ihm, wir haben gefühlt den besten zweiten Torwart. Jetzt kann er sich beweisen und zeigen, dass wir keinen neuen Torwart brauchen.“
„Fabi ist ein Weltklasse-Typ.“ (Deniz Undav über Bredlow)
Der WM-Fahrer und Führungsspieler des Stuttgarter Traditionsklubs kommt aus dem Schwärmen nicht heraus. „Fabi ist ein sehr guter Torwart, gibt immer 100 Prozent und hat jetzt die Chance, sich zu beweisen.“ Undav habe seinem Kollegen gleich nach Bekanntwerden des Seimen-Ausfalls eine Nachricht geschickt „und geschrieben: Wir brauchen Dich. Gib Gas.“ Was für den 30-Jährigen außer Frage steht. „Fabi ist ein Top-Typ, ein Weltklasse-Typ und natürlich noch ein geiler Torwart dazu.“
Der seit Sommer 2023 zudem wirklich die Nummer 1 auf dem VfB-Trikot trägt. Nach dem Abschied von Florian Müller zum SC Freiburg legte Bredlow die gewohnte 33 ab. In der Hoffnung, den Kollegen positions- und zahlengetreu beerben zu können. Er übernahm die vakante Nummer, auf die der danach noch verpflichtete Alexander Nübel freiwillig verzichtete. Der Leihkeeper vom FC Bayern nahm seinerseits die 33. Weil Seimen seine liebgewonnene 41 behalten wollte, blieb Bredlow auch über diesen Sommer hinaus die 1 erhalten.
„Ich bin guter Dinge, dass ich spiele.“ (Fabian Bredlow)
Im Chiemgau und in den bisherigen Testspielen macht der 31-Jährige einen guten Eindruck und versucht Gelassenheit auszustrahlen. „Aktuell bin ich gut beraten, im Training und in den Testspielen Gas zu geben und zu zeigen, dass kein Handlungsbedarf besteht“, meinte er vor Kurzem. „Am Ende entscheidet natürlich der Verein. Aber ich bin guter Dinge, dass ich spiele.“
Das Vertrauen in ihn ist beim VfB durchaus vorhanden. Sorge bereitet nur die Frage, was, wenn sich auch noch Bredlow verletzen sollte? Entsprechend wird noch gezögert, ob man extern handelt, und abgewartet, wie sich der Heilungsverlauf bei Seimen entwickelt. Bredlow versteht es und meint: „Der Verein ist natürlich in der Pflicht, den Markt zu sondieren.“
