Vor dem Arbeitsgericht Mannheim, Zweigstelle Heidelberg, geht es um einen Putschvorwurf gegen Hoffenheims Sportgeschäftsführer Andreas Schicker. Eine eidesstattliche Versicherung rückt nun ins Zentrum.
Putsch oder Bauernopferprozess?
Illoyales Verhalten, einen Putschversuch und – im Falle des früheren Justiziares Arno Metz – Urkundenfälschung wirft die TSG Hoffenheim ihren ehemaligen leitenden Angestellten Asmahan Gamgami und Metz vor. Daher waren beide zunächst außerordentlich und später hilfsweise ordentlich freigestellt worden und gehen nun arbeitsrechtlich dagegen vor.
Künstlich aufgeblasener Vorfall für eine Revolte gegen Schicker?
Vor dem Arbeitsgericht (ArbG) Mannheim, Zweigstelle Heidelberg, geht es nun um die Frage: Wurde ein Datenschutzvorfall – damals ging es um die mutmaßlich nicht zweckgedeckte Weitergabe von Mitgliederlisten in einem binnenpolitisch aufgeladenen Vereinsklima – künstlich aufgeblasen für einen Putsch gegen die noch verbliebene Geschäftsführung aus Tim Jost und Andreas Schicker?
Den, so der Vorwurf des Bundesligisten, hätten Metz und Gamgami an der Seite des damaligen Interimsvorsitzenden des e.V., Christoph Henssler, durchziehen wollen. Gamgami und Metz hätten als Interimsgeschäftsführer folgen sollen, erklärten vor der Kammer aber, dass sie von Henssler darum gebeten worden seien, selbst aber keine Ambitionen gehabt hätten, den Posten dauerhaft zu besetzen. Was die TSG-Anwälte anders darstellen. So erklärte einer der Rechtsbeistände der Hoffenheimer, Dr. Martin Duncker: „Mit der Hinweisgeberstelle wurde der Herr Jost abgeschossen.“ Zudem warf der Jurist ein, trotz eines anderslautenden Rats des damals für den Klub in Sachen Datenschutz tätigen Anwalts hätte man die Mitglieder öffentlichkeitswirksam informiert.
Zur Erinnerung: Nach einem Rechtsstreit mit Roger Wittmann im Sommer 2025 hatte sich Hauptgesellschafter Dietmar Hopp, der aber nach der Rückgabe seines 50+1-Ausnahmestatus nicht mehr über die Stimmenmehrheit bei der TSG verfügt, von Teilen der vierköpfigen Geschäftsführung abgewandt. Im Herbst 2025 kam es zur Trennung von Dr. Markus Schütz und Frank Briel, nur noch Schicker und Jost verblieben. Zudem trat Jörg Albrecht als e.V.-Chef zurück, weswegen der aus der Ultra-Szene kommende Henssler Interimsvorsitzender des Vereins wurde.
Die Listen gingen offenbar auch ans Hoppsche Family Office
En detail geht es nun unter anderem darum, ob Gamgami und Metz die Kanzlei Freshfields unrechtmäßig mandatiert haben, um eine anonyme Meldung in der Hinweisgeberstelle zu oben genannter Weitergabe von Mitgliederlisten zu prüfen. Spannend: Im Zuge des Kammertermins am Dienstag kam heraus, dass die Mitgliederlisten an das Hoppsche Family Office gegangen sein sollen – was angesichts der damals anstehenden Suche nach Kandidaten für das Amt des Vereinschefs zumindest den Verdacht aufwirft, dass es darum gegangen sein könnte, einen für Hopp genehmen Kandidaten zu finden.
Und bei Metz darum, ob er sich der Dokumentenfälschung schuldig gemacht habe mit Blick auf eine Einladung zu einer Gesellschafterversammlung, die rund um das 1:5 der TSG gegen den FC Bayern im Februar Schlagzeilen geschrieben und die Abberufung des sportlich sehr erfolgreichen Schicker vom Geschäftsführerposten zum Ziel hatte. Der Jurist, selbst lange in der Kanzlei des Hoffenheimer Ex-Geschäftsführers Schütz, argumentiert damit, im Namen des e.V. gehandelt zu haben, damals interimistisch geführt von Henssler und dessen Stellvertreter Frank Engelhardt.
Kammertermin im Juli wegen Befangenheit der Beisitzer gescheitert
Der ist heute 3. Vorsitzender des Vereins und hat offenbar vor wenigen Tagen gegenüber der TSG eine eidesstattliche Versicherung vorgelegt, in der er, so die Klubanwälte, Metz‘ Darstellung widerspricht. Offenbar auf diese Versicherung berufend stellen es die Hoffenheimer Anwälte so dar, dass Metz vor einer relevanten Sitzung unter anderem mit Henssler und Engelhardt die Einladung zur entscheidenden Gesellschafterversammlung bereits ausgedruckt habe.
Was Metz anders darstellt: Laut seiner Ausführung habe die Sitzung um 16 Uhr begonnen, erst um 16.17 Uhr sei laut Druckerprotokoll auf seinem Gerät ein Ausdruck erfolgt. Das würde wiederum implizieren, dass im Vorfeld eben doch eine Aussprache zwischen Engelhardt und den vermeintlichen „Putschern“ Metz und Engelhardt stattgefunden habe. Putsch oder „Bauernopferprozess?“, wie es Gamgamis Anwalt formulierte – diese Frage wird die Kammer nun unter dem Vorsitz des Gerichtspräsidenten Theodor Thewes, der Entschlüsse bis Mitte Oktober in Aussicht stellte, also durchaus auf eine temporeiche Entscheidung drängt, beantworten.
Nachvollziehbar, denn ursprünglich hätte bereits im Juli verhandelt werden sollen. Damals aber waren erstaunlicherweise als Beisitzer der Kammer zwei Personen aufgetreten, die eine direkte Verbindung zur TSG haben: Der Heidelberger Verleger Winfried Rothermel, enger Freund von Dietmar Hopp und selbst in einer Geschäftsbeziehung mit dem Bundesligisten. Zudem mit Dr. Eberhard Schick ein Betriebs- und Aufsichtsrat der SAP, bekanntlich Hoffenheims Hauptsponsor. Die Anwälte von Metz und Gamgami befürchteten eine Befangenheit, das ArbG stimmte einem Ablehnungsantrag gegen Schick und Rothermel zu und hatte für den Dienstag andere Beisitzer geladen.
