Tillman kritisiert Bayers Führung und Fans öffentlich – und lässt seine Zukunft offen

Malik Tillman hat am Mittwoch ein bemerkenswertes Interview gegeben, darin öffentlich seinen Arbeitgeber und die Fans von Bayer 04 Leverkusen kritisiert. Ob er mit der Werkself in die neue Saison geht, ist offen.

Bemerkenswertes Interview

Mit einem bemerkenswerten Interview dürfte Malik Tillman bei Bayer 04 Leverkusen rund zwei Wochen vor dem Pflichtspielstart für zumindest ein kleines Beben sorgen. Im Gespräch mit dem Kölner Stadt-Anzeiger nahm der US-Nationalspieler kaum ein Blatt vor den Mund und sprach über eine unbefriedigende Premierensaison (29 Bundesliga-Einsätze, sechs Tore, ein Assist, kicker-Notenschnitt 3,87) bei der Werkself.

„Die vergangene Saison ist so gelaufen, wie sie gelaufen ist“, sagt er gleich zu Beginn: „Was könnte es für einen besseren Neustart geben als eine neue Saison mit einem neuen Trainer? Ich kann mich wieder neu zeigen und beweisen. Ich versuche, wieder Spaß zu haben. Das hat mir in der vergangenen Saison gefehlt.“

Tillman fühlte sich nach seinem Rekordwechsel zu Bayer nie „richtig angekommen. In der Mannschaft habe ich mich wohlgefühlt. Aber man kann inzwischen offen sagen, dass es zwischen dem Trainer (Kasper Hjulmand, Anm. d. Red.) und mir nicht richtig gepasst hat.“ Ohne den Wechsel von Kasper Hjulmand auf Carles Martinez wäre Tillman nach eigener Aussage wohl definitiv nicht in Leverkusen geblieben.

Nun will er dem Kapitel bei der Werkself eine neue Chance geben. „Ich bin mit der Einstellung zurückgekommen, den Trainer kennenzulernen und mir die Abläufe anzuschauen: Wie arbeitet er? Wie denkt er? Welchen Plan verfolgt er, und welchen Plan hat er mit mir? Am Ende wird sich zeigen, ob ich bleibe oder nicht“, lässt der WM-Fahrer seine Zukunft bewusst offen.

Grundsätzlich sieht sich der Offensivspieler aber noch nicht fertig mit Leverkusen, besitzt ohnehin noch Vertrag bis 2030. „Ich will in Leverkusen beweisen, was ich wirklich kann“, stellt Tillman klar: „Das ist mir bislang nicht gelungen. Ich denke, dass mich viele Fans noch unterschätzen. Ich selbst weiß, dass ich sehr viel mehr kann, als ich bisher gezeigt habe.“

„Das wurde in den Medien größer gemacht, als es war“

Die Bayer-Fans sind ein Stichwort. Tillman schlug in seiner ersten Saison teils heftige Kritik entgegen. „Die Meinungsfreiheit muss man natürlich akzeptieren. Manche Kritik war sicher auch berechtigt. Manchmal könnte man aber schon etwas mehr Rücksicht nehmen, weil hinter jedem Spieler ein Mensch steht“, sagt er, um anzufügen: „Wer den Verein als Fan unterstützt, sollte die Spieler in guten wie in schlechten Zeiten unterstützen. Einige haben das getan, ein großer Teil der Reaktionen war aber negativ. Ich kann mit Kritik umgehen, trotzdem ist sie nicht immer leicht zu ertragen.“

Für Unmut sorgte im Umfeld der Anhänger auch, dass Tillman zwischenzeitlich sämtliche Social-Media-Beiträge mit Bezug zu Bayer 04 gelöscht hatte. „Das wurde in den Medien größer gemacht, als es war. Ich hatte die Beiträge schon einige Wochen vor der Berichterstattung gelöscht“, blickt Tillman zurück: „Ich finde einfach, bestimmte Kommentare gehören sich nicht. Natürlich habe ich ein öffentliches Profil. Trotzdem muss ich nicht demütig alles hinnehmen, was dort über mich geschrieben wird. Darum ging es mir: Ich wollte diese Kommentare nicht mehr öffentlich auf meinem Profil stehen lassen.“

„Hinter dem Bildschirm oder am Smartphone kann jeder große Worte schwingen. In der Realität sieht es häufig anders aus.“ (Malik Tillman)

Jene Kritiker könnten sich viel eher persönlich an ihn wenden. „Wer ein Problem mit mir hat, kann zum Training kommen, mich nach dem Training ansprechen und es mir sagen“, so sein Vorschlag: „Hinter dem Bildschirm oder am Smartphone kann jeder große Worte schwingen. In der Realität sieht es häufig anders aus.“

Nicht nur von Hjulmand und den Fans aber fehlte Tillman teilweise die Unterstützung. „Die Kommunikation zwischen mir und der Führung ist sicher verbesserungsfähig“, gibt er offen zu: „Auch während der Weltmeisterschaft hätte ich mir etwas mehr Unterstützung gewünscht. Niemand muss jeden Tag schreiben oder anrufen. Aber hin und wieder hätte ich die eine oder andere Nachricht mehr schön gefunden.“

„Daran hat der Trainer großen Anteil“

Bleibt Tillman in Leverkusen, peilt er definitiv wieder die Champions League an. Was es dafür braucht? „Wir müssen Spiele gewinnen. In der vergangenen Saison haben wir zu viele Spiele aus der Hand gegeben.“ Tillman sah „zu viele unnötige Unentschieden und Niederlagen“.

Die nötige Stimmung und Motivation in der Mannschaft für den Turnaround sieht er durchaus. „Wir sind noch enger zusammengerückt, verstehen uns besser und finden auf dem Platz besser zueinander. Daran hat der Trainer großen Anteil“, erklärt Tillman in Richtung Martinez. Und wohl auch Hjulmand.

 

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