Undav über die WM, die Kapitänsfrage – und ein „Verbot“ für Leweling

Er elektrisiert die Massen, wie kein anderer. Deniz Undav ist zurück beim VfB Stuttgart und alle sind ganz Ohr, wenn der Nationalspieler über die verkorkste WM, neue Konkurrenz und die Ziele des Klubs spricht.

„Hoffenheim hat gefühlt 40 Spieler geholt“

Aus dem Stuttgarter Trainingslager in Grassau berichtet George Moissidis

Wo er auftaucht, ist immer Ausnahmezustand. Deniz Undav lockt Kameras und Mikrofone an, wie Blütenstaub die Bienen. Der Hype um den Stuttgarter Torjäger ist ungebrochen. Bei den Fans und medial. Der 30-Jährige genießt die Aufmerksamkeit, bekennt aber auch offen, dass es „schwer ist“, dabei nicht abzuheben. „Gott sei Dank bin ich ein alter Hase“, sagt der Nationalspieler. „Wenn ich 24 oder 25 wäre, wäre es anders.“

Undav kennt auch die schlechten Zeiten

So aber habe er ein gesundes Verhältnis zum Wirbel um seine Person entwickelt. „Ich kann damit umgehen und weiß ganz genau: Spiele ich zwei Spiele schlecht, dann heißt es wieder, Deniz ist nicht in Form, Deniz ist nicht das, Deniz ist nicht dies.“ Obwohl er nichts anders machen würde. Deswegen versuche er „einfach weiterzumachen. Ich habe den Hype genossen oder genieße ihn, aber im Endeffekt muss ich wieder auf dem Platz liefern“.

Blickt man auf den verkorksten WM-Auftritt der deutschen Nationalmannschaft in Übersee, kam Undav mit wenigen Lackschäden davon. Es habe „ungefähr eine Woche gedauert“, um das Geschehene gedanklich abzuhaken. „Dann habe ich mich auf meinen Urlaub konzentriert. Es war eine lange Saison, die sehr viel Kraft gekostet hat.“ In Neu-Bundestrainer Jürgen Klopp hofft der Stürmer auf einen neuen Anlauf im DFB-Trikot.

Hoffen auf einen Aufschwung mit Klopp

Von diesem Wechsel in der Mannschaftsführung erwartet der 30-Jährige „einen Aufschwung. Wie bei einem Verein. Jeder Spieler muss sich neu beweisen. Es ist neue Energie da. Es kann sein, dass es eine komplett andere Aufstellung gibt“. Für ihn bedeutet das, er wolle sich mit guten Leistungen aufdrängen, „die hoffentlich geschätzt werden, damit ich eingeladen werde“.

In Stuttgart gibt es kein Vorbeikommen an Undav, der vielleicht sogar als neuer Kapitän infrage kommt, sollte Amtsinhaber Atakan Karazor durch Neuzugang Grischa Prömel Startelf-Probleme bekommen. Ein Szenario, das der Stürmer nicht groß beachtet. „Letztes Jahr hat ‚Ata‘ auch nicht jedes Spiel gemacht und war trotzdem Kapitän. Es kann ja auch sein, dass ich nicht spiele … Das weiß man nie. Sollte ich aber Kapitän werden, bleibt ‚Ata‘ mein Kapitän.“

Die Verpflichtung dessen Konkurrenten heißt der Nationalspieler dennoch gut. Prömel sei „kommunikativ, redet viel, ist ein Leader, läuferisch gut, ein Box-to-Box-Spieler, der auch Tore schießen kann, und mit seiner Erfahrung genau das, was wir brauchen“. Vor allem die Reife des 31-jährigen Mittelfeldmanns könne helfen. „Du kannst nicht nur 22 oder 23 20-Jährige im Team haben oder nur ältere Spieler.“ Die Mischung des aktuellen Kaders stimmt Undav optimistisch. „Wenn du dieses Jahr wieder rotieren willst, wie wir es sonst auch immer tun, hast du wieder Top-Spieler auf jeder Position. Das muss das Ziel sein.“

„Ich wünsche mir Barcelona.“ (Undav über sein Wunschlos in der Königsklasse)

Und dieses sei keineswegs kleiner im Vergleich zur Vorsaison, als man es als Tabellenvierter in die Champions League schaffte. „Wir können nicht immer nur auf die Bundesliga schauen. Wir müssen versuchen und hoffen, auch im internationalen Wettbewerb vielleicht mal eine Runde weiterzukommen.“ Während sich die Kollegen Ermedin Demirovic oder Jeff Chabot einen englischen Klub, wie zum Beispiel Arsenal, als Gegner in der Königsklasse wünschen, schaut Undav nach Spanien. Als Ex-Spieler in Brighton kenne er die Premier League bereits. „Deswegen wünsche ich mir Barcelona.“

Stuttgart will dauerhaft im Kreis der kontinentalen Besten mitmischen. Dazu muss allerdings erst die Bundesliga gemeistert werden, in der die Konkurrenz im Topbereich wie Leipzig, Dortmund, Leverkusen, Hoffenheim oder Frankfurt dagegenhalten will und Qualität aufbaut. „Natürlich will jeder international spielen“, sagt Undav. Die Mitkonkurrenten haben „sehr viel eingekauft, Leverkusen ist immer noch am Einkaufen, Hoffenheim hat gefühlt 40 Spieler geholt“. Was nicht nur positiv sein muss. „Es können nicht alle spielen. Man weiß nie, wenn man viele Spieler holt, wie die Chemie in der Mannschaft wird.“ Unzufriedenheit könnte aufkommen. Beim VfB sei man weit davon entfernt und brauche „keine 20 neuen Spieler. Wir haben einen sehr guten Kader“.

Leweling ist nicht auf Klubsuche

In dem er auch seinen besten Freund im Team, Jamie Leweling, sieht. „Ihr braucht euch keine Sorgen zu machen“, sagt Undav mit einem Lächeln auf den Lippen in der Medienrunde am Mittwoch. Zwar gebe es keine Garantie, dass der gefragte Angreifer bleibt. Aber das mysteriöse Fehlen Lewelings in Grassau, das mit einem Infekt etwas dünn erklärt wird, obwohl der Jungstar laut diversen sozialen Medien auf Reisen ist, habe andere Gründe als einen anstehenden Wechsel. „Er ist jetzt nicht hier, nicht, weil er bei einem anderen Verein ist. Das habe ich nicht zugelassen“, so Undav ganz Spaßvogel. Na, wenn er das sagt …

 

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