„Slapstick-Charakter“: Eintracht-Boss Hellmann fordert „schonungslose Aufarbeitung“

Nach seiner vorzeitigen Vertragsverlängerung bis 2031 trat Eintracht-Vorstandssprecher Axel Hellmann als Mahner auf. Die sportliche Krise in der abgelaufenen Saison bringt er unverblümt zur Sprache.

Mehr Vollgas im Stadion

Am Mittwoch verlängerte Vorstandssprecher Axel Hellmann seinen Vertrag bis 2031. In der entscheidenden Aufsichtsratssitzung gab es erwartungsgemäß grünes Licht. „Wir im Aufsichtsrat sind sehr froh und sehr stolz, dass wir Axel weitere fünf Jahre an die Eintracht binden konnten. Axel ist ein ganz wichtiger Pol und hat die Architektur von Eintracht Frankfurt in den letzten zehn Jahren sehr verändert und nach vorne getrieben. Er ist einer, der hier im Maschinenraum unterwegs ist“, betonte der Präsident und Aufsichtsratsvorsitzende Mathias Beck auf der Pressekonferenz im Anschluss.

Mit seinen Kollegen im Hauptausschuss des Aufsichtsrats, Sven Janssen und Felix Wirmer, traf er sich mit Hellmann in drei Verhandlungsrunden. Hinzu kamen einige Telefonate. In den Gesprächen sei es „weniger um das Monetäre, sondern vielmehr um Inhalte“ gegangen. Um Wachstum, Geschäftsmodelle und die Infrastruktur. Darauf kam auch Hellmann in seinem Statement zu sprechen: „Der Aufsichtsrat hat ganz klar gesagt hat: Wir wollen auf dem Gas bleiben, Tempo machen, wettbewerbsfähig bleiben und in Wachstumschancen denken. Das ist ein starkes Commitment für die Zukunft.“

Prekär und pikant – Hellmanns neue Wortschöpfung

Doch Hellmann weiß, dass nach der turbulenten vergangenen Saison längst nicht alles eitel Sonnenschein ist. Er fordert die „schonungslose Aufarbeitung“ bestimmter Themen und führt aus: „Man kann die Saison als sportlich prekär bezeichnen. Man kann das Verhältnis des Trainers Riera zu Medien, Umfeld, Staff und Spielern als im Nachhinein pikant bezeichnen. Mit dem Wort pikär könnte man eine wunderschöne Wortschöpfung betreiben. Gerade am Ende war das ein Jahr mit einem gewissen Slapstick-Charakter, den wir im Vorstand und im Aufsichtsrat so nicht mehr erleben wollen.“

Die Schlussfolgerungen müsse in erster Linie Sportvorstand Markus Krösche ziehen. Es werde weitere personelle Veränderungen geben, kündigt Hellmann an. Grundsätzlich betont er: „Wir müssen wieder Klarheit, Schärfe, Intensität und Disziplin ins System bekommen.“ Aus Hellmanns Sicht erlebte die Eintracht eine sportliche Krise, keine Unternehmenskrise.

„Wenn ich mir das Zusammenspiel zwischen Aufsichtsrat und Vorstand und innerhalb des Vorstands anschaue, haben wir schon ganz andere Zeiten erlebt, in denen Dinge implodierten oder Schwierigkeiten auftraten, die wir in dieser Situation nicht hatten“, resümiert der Jurist und schlussfolgert: „Das ist auch ein Wert, den man berücksichtigen sollte. Es gibt das Vertrauen in handelnde Personen, Fehler zu korrigieren oder Wege zu verändern.“

„Wir brauchen einfach mehr Vollgas“

Ein klarer Auftrag, nicht zuletzt an Vorstandskollege Krösche. „Wir sind zu 100 Prozent sicher, dass Markus den Weg korrigieren wird“, betont Hellmann. Mit der Verpflichtung von Trainer Adi Hütter wurde auf der wichtigsten Position im sportlichen Bereich bereits reagiert. Der Österreicher soll die verlorengegangene Eintracht-DNA wieder herausstellen.

„Wir müssen uns darüber im Klaren sein: In diesem Stadion wird es ohne intensiven Fußball nicht gehen. Es ist nicht schwer, die Leute aus dem Sattel zu heben. Wir brauchen in diesem Stadion, mit diesem Publikum und den Möglichkeiten, die das bei uns entfacht, einfach mehr Vollgas.“ Hütter allein wird das allerdings nicht richten können, er braucht dafür auch die passenden Spielerprofile. Im Kader tummeln sich zu viele Schönwetterfußballer, die den harten Zweikampf scheuen.

Rückkehrer Hütter hatte bereits bei seiner Vorstellung zu Wochenbeginn angekündigt: „Ich habe es mit allen Mannschaften geschafft, dass wir Intensität auf den Platz bringen. Wir müssen wieder beginnen, hart zu arbeiten. Dazu braucht es natürlich auch die Einstellung und die Spieler, die das mittragen. Ich will eine Mannschaft auf dem Platz sehen, die begeisternden, proaktiven Fußball spielt.“

 

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