Der VfB Stuttgart präsentiert sich beim HSV in vielerlei Hinsicht als Wiederholungstäter – doch eine Debatte nervt Sportchef Fabian Wohlgemuth.
Wohlgemuth hatte noch gemahnt
In nicht allzu ferner Zukunft werden auch in Bezug auf die Partie in Hamburg wieder ähnliche Sätze fallen. Zum Beispiel von Trainer Sebastian Hoeneß, der zum vorangegangenen 1:2 in Hoffenheim und dem 0:1 gegen Borussia Dortmund jüngst meinte: „Ich weiß nicht, ob wir da zwingend mit null Punkten rausgehen müssen.“ Das gilt auch für die späte 0:1-Niederlage beim HSV am Samstag.
Der Turnaround in der Liga ist dem VfB Stuttgart nicht gelungen. Vier Niederlagen in den ersten sechs Spielen – mehr gab es nur 1974/75, 2010/11 und 2015/16 mit jeweils fünf Misserfolgen – nageln den Traditionsklub im Tabellenkeller fest. Was Deniz Undav zu einer glasklaren Aus- und Ansage veranlasst: „Wir müssen anfangen, uns klarzumachen, dass wir gerade keine Spitzenmannschaft sind.“ Aktuell fehle zum Niveau der Vorjahre vieles. Vor allem Effizienz. Früher habe man „die Dinger reingemacht und die Spiele gezogen“. In Hamburg habe man „viele Chancen“ gehabt, die nicht genutzt wurden. Auch von ihm nicht, wovon er sich nicht unter Druck setzen lassen will. „Die Dinger sind vorher reingegangen, jetzt gehen sie gerade nicht rein, aber irgendwann gehen sie wieder rein.“
Dass man verloren habe, sei viel ärgerlicher. „Du kannst unentschieden spielen, dann ist alles in Ordnung“, sagt der Kapitän, der auch die wiederholten Anlaufschwierigkeiten seines Teams nach der Pause offen kritisiert. Weil man „in der zweiten Hälfte relativ oft abbaut“. Wie zuletzt in Paderborn (2:0) oder in der Champions League in Bratislava (3:0).
Wohlgemuths Mahnung nicht erhört
Was auch den Sportchef nervt, der dieser öffentlichen Debatte aber keinen Raum bieten will. „Wir sollten die Dinge ansprechen, die wir besser machen können, auch wenn es vielleicht einfacher ist, ein angebliches Muster zu beschwören“, sagt Fabian Wohlgemuth. Es sei nun mal nicht ungewöhnlich, „dass der Gegner im Spiel ebenfalls gute Phasen hat. Der HSV hat zu Hause gespielt und dagegengehalten – wenn auch nur eine kurze Phase, rund 25 Minuten.“ Bevor die Hanseaten kurz vor dem Schlusspfiff den entscheidenden Konter zum 0:1 setzten.
Auch in diesem Fall erweisen sich die Stuttgarter als Wiederholungstäter. In der vergangenen Saison entschied sich der 2:1-Heimsieg des HSV gegen den VfB ebenfalls spät. Da sogar in der Nachspielzeit, durch einen Konter obendrein. Als hätte er es schon geahnt, mahnte Wohlgemuth im Vorfeld der Partie: „Das Wichtigste wird sein, dass wir diesmal bis zur letzten Sekunde wachsam bleiben.“ Er wurde nicht als Einziger nicht erhört. Dass das entscheidende Tor zum zweiten Mal in Folge gegen denselben Gegner erst ab der 88. Minute fällt, passierte in Heimspielen in der Bundesligageschichte erst zum siebten Mal.
