Im Retro-Trikot des DFB von der WM 1994, dem letzten Weltturnier in den USA, hatte Jamal Musiala am Samstag im Medienraum in Herzogenaurach neben Julian Nagelsmann Platz genommen. Seine Nominierung für die Pressekonferenz ist so etwas wie das Symbol dafür, dass der Bayern-Star wieder da ist.
Erstes Länderspiel seit März 2025
Jamal Musiala lächelte während der knapp 19 Minuten auf dem Podium viel, antwortete höflich – und konnte doch nicht verbergen, dass er sich auf dem Platz deutlich wohler fühlt als in einer medialen Fragerunde. Die alles überlagernde Frage nach den jüngsten Eindrücken vom Saisonkehraus mit den Bayern aber ist: Wie wohl fühlt sich der potenzielle Unterschiedsspieler tatsächlich schon wieder nach den vielen gesundheitlichen Rückschlägen?
„Es ist einfach schön, wieder da zu sein“
Musiala hatte nach seinem Wadenbeinbruch und der nötig gewordenen Operation zu Beginn dieses Jahres sein Comeback im Verein gegeben, dann aber die Rückkehr in die Nationalmannschaft im März wegen wieder aufgetretener Schmerzen absagen müssen. Für die Weltmeisterschaft hat ihn Julian Nagelsmann dennoch nominiert und gelobt, der 23-Jährige habe physisch zugelegt. Tatsächlich wirkt der Edeltechniker kräftiger – aber er wirkt noch nicht wieder frei in seinem Spiel.
- Nagelsmanns WM-Plan mit Nmecha und Karl
Dass die Fragen nach seinem Zustand auf der Pressekonferenz am Samstagmittag kommen würden, war Musiala klar. Er umdribbelte sie wie in besten Tagen die Gegenspieler: „Ich freue mich richtig, die Tage bisher waren super. Es ist einfach schön, da zu sein. Ich war ja schließlich lange weg.“ Genau genommen seit dem März 2025. Beim wilden 3:3 im Nations-League-Spiel gegen Italien in Dortmund trug der Münchner letztmals das DFB-Trikot. „Jamal hat uns wirklich lange gefehlt“, sagt auch Nagelsmann und setzt darauf, dass die Zeit für den Feinschliff reicht.
Der Bundestrainer nennt Musiala vor dessen Comeback-Spiel am Sonntagabend in Mainz gegen Finnland auch als Option für den rechten Flügel, bevorzugt aber sieht er ihn auf der Zehnerposition. Dann wäre er wieder Seite an Seite mit Florian Wirtz, der über links kommt. Mit dem Liverpool-Legionär hat er bei der Heim-EM vor zwei Jahren die deutschen Fußball-Fans verzückt und macht deutlich, dass auch er sich ausdrücklich den Wiederholungsfall wünscht: „Ich habe es vermisst, gemeinsam mit Flo zu zocken und freue mich total auf die kommenden Wochen mit ihm. Ich bin sicher, dass wir viel Spaß haben werden zusammen.“
Die Faustregel für viele Experten mit Blick auf die deutschen Aussichten bei der anstehenden Endrunde in den USA, Mexiko und Kanada lautet: Haben Wirtz und Musiala, vor zwei Jahren vom Boulevard euphorisch „Wusiala“ getauft, Spaß, dann hat auch ganz Fußball-Deutschland Freude am und mit dem DFB-Kader. Der von so vielen Rückschlägen gebeutelte Ausnahmekönner des FC Bayern jedenfalls weckt Zuversicht: „Die Stimmung in der Mannschaft ist richtig gut, meine Freude auf die WM ist riesengroß.“
