Der Mainzer Ransford Königsdörffer sorgte mit seinem aufreizenden Jubel bei seiner Rückkehr nach Hamburg für Aufsehen. Der Stürmer hat diese Aktion nun extrem offen erklärt und macht deutlich, dass es nichts mit seinem ehemaligen Arbeiter zu tun hat.
Treffer bei Rückkehr nach Hamburg
Beim Stand von 3:0 für Mainz kam Ransford Königsdörffer am Sonntag für die Mainzer ins Spiel. Es war seine erste Rückkehr in den Hamburger Volkspark. Zuvor spielte der 24-Jährige vier Jahre für den HSV (138 Spiele, 33 Tore) und verließ die Rothosen im Sommer ablösefrei gen Rheinhessen. In seinem zweiten Bundesliga-Spiel für die 05er gelang ihm dann ausgerechnet gegen den Ex-Klub sein erster Treffer für Mainz im deutschen Oberhaus – zum 5:0-Endstand.
Der Jubel des Stürmers, der bei seiner Einwechslung bereits Pfiffe abbekommen hatte, sorgte dann für Gesprächsstoff. Königsdörffer feierte nämlich ausgelassen, rutschte sogar auf den Knien – und das bei diesem klaren Spielstand. „Ich hatte zuvor ein wenig überlegt, ob ich es wirklich machen soll. Ich wollte es auch davon abhängig machen, ob gegen mich gepfiffen wird“, erklärt der Offensivmann im Gespräch mit der Allgemeinen Zeitung Mainz und führt weiter aus: „Aber Hauptgrund war, dass ich ein Jahr lang wöchentlich bis täglich Nachrichten erhalten habe, in denen mir der Tod gewünscht wurde oder jede denkbare Verletzung. Es waren rassistische Beleidigungen dabei, Beleidigungen gegen meinen Cousin, der gestorben ist, gegen meine Eltern.“
Königsdörffer sah sich nach den ganzen Anfeindungen zu diesem Move gezwungen. „Das war dann einfach auch eine Reaktion darauf. Vielleicht gibt es auch andere Mittel, das zu lösen. Aber ich glaube, dass die Leute, die so etwas schreiben, es einfach nicht anders verstehen – und deshalb habe ich auf diese Art und Weise gejubelt“, macht der Mainzer klar.
Königsdörffer: „Ich lasse mir das nicht gefallen“
Dem Stürmer war es dabei auch ganz wichtig zu betonen, dass es auf keinen Fall als Geste gegen seinen Ex-Verein zu verstehen ist. „Es war damit weder die Nordtribüne gemeint noch irgendjemand aus der Vereinsführung, vom Staff oder von den Spielern. Denn die habe ich alle sehr gern“, betont Königsdörffer. „Ich habe auch schon öfter erwähnt, dass ich mich sehr wohlgefühlt habe beim HSV. Aber ich bin ein Jahr lang durchgehend beleidigt worden und wollte einfach zum Ausdruck bringen, dass ich mir das nicht gefallen lasse.“
„Ich bin ein Jahr lang durchgehend beleidigt worden und wollte einfach zum Ausdruck bringen, dass ich mir das nicht gefallen lasse.“ (Ransford Königsdörffer)
Die beleidigenden Nachrichten erreichten den ehemaligen HSV-Spieler über Social Media. „Eine Zeit lang war das wirklich krass“, berichtete Königsdörffer, der im Interview sogar beispielhaft einen Screenshot einer ganz ekelhaften Hassnachricht vorzeigt. „Ich kann damit grundsätzlich umgehen. Aber ich finde es einfach nicht normal, und deswegen wollte ich bewusst auch zeigen: Ich lasse mir das nicht gefallen. Dass am Ende auch diejenigen enttäuscht sind, die mich unterstützt haben, tut mir natürlich leid.“
Königsdörffer arbeitet mit Mentaltrainer zusammen
Der 24-Jährige arbeitet mit einem Mentaltrainer zusammen, um über solche Nachrichten zu sprechen. Grundsätzlich könne er im Alltag gut damit umgehen, allerdings „waren im Moment des Torjubels auch Emotionen dabei. Am Ende weißt du solche Nachrichten trotzdem einzuordnen. Ich will denen, die so etwas schreiben, einfach etwas entgegensetzen und ihnen nicht das Gefühl vermitteln, sie könnten einfach machen, was sie wollen“, beschreibt Königsdörffer.
Waren die Nachrichten am Ende vielleicht sogar Grund für den Wechsel im Sommer? „Möglicherweise hat das auch eine Rolle gespielt – aber vielleicht eher unterbewusst“, so der Stürmer. „Am Ende kann das einem überall passieren. Das ist ja nicht nur beim HSV, sondern auch bei anderen Vereinen so. Die Entscheidung war trotzdem in erster Linie fußballerisch. Da ging es einfach um Weiterentwicklung und den Spielstil.“
