Erstmals seit Januar kassierte der 1. FC Köln kein Gegentor. Das ist ein Fortschritt, doch der Ärger über die offensive Harmlosigkeit überwiegt.
Wagners Abwehrplan geht auf
Zumindest in einer Sache herrscht beim 1. FC Köln Einigkeit. „Der Punkt fühlt sich zu wenig an“, sagte Trainer René Wagner nach dem 0:0 gegen Schalke 04, das erstmals von deutlichen „Wagner raus“-Rufen begleitet worden war. Nach 62 Prozent Ballbesitz und 14:9 Torschüssen spürten viele Fans, dass da mehr drin war gegen die harmlosen Schalker. Und doch blieb die Begegnung für den FC ein Spiel mit dem Risiko.
„Wir mussten auch aufpassen, dass wir die Umschalter gut verteidigen“, erklärte Wagner, dessen Team Gefahr lief, einen schnellen Gegenstoß zu kassieren. Während der FC kontrolliert die Lücke im S04-Bollwerk suchte, lauerten die Gäste auf Konter. Doch in diese Falle liefen die Geißböcke nicht. „Das hat die Mannschaft super gemacht“, fand Wagner und erklärte: „Es war nicht einfach, die Balance zwischen dem Risiko im letzten Dritten und der Gefahr, noch einen Konter zu bekommen, zu halten.“
Ein kleiner Erfolg im großen Ärger
Weder der eine noch der andere Spielansatz wurde so belohnt – und der FC blieb tatsächlich erstmals seit 267 Tagen wieder in einem Pflichtspiel ohne Gegentreffer. Das war zuletzt beim 1:0 gegen Wolfsburg Ende Januar gelungen, als Wagner noch Assistent des damaligen Cheftrainers Lukas Kwasniok war.
Ein kleines Erfolgserlebnis im generellen Ärger über einen verpassten Sieg, auf das der Coach lange hingearbeitet hatte. Denn obwohl nur Schalke, Paderborn, Bayern, Freiburg und der BVB bislang mehr Gegentreffer kassierten als der FC (11), war der konstante Fluss an Gegentoren ein stetes Ärgernis.
Dabei arbeitete Wagner gezielt auf die Stabilisierung der Defensive hin und verordnete seiner Mannschaft zuletzt beim 0:1 in Frankfurt sogar eine Fünferkette. Gegen Schalke nun wechselten die Geißböcke hybrid zwischen Vierer- und Fünferkette. Mit defensivem Erfolg. Schon in den Partien zuvor ließ der FC oft wenig zu, stellte sich aber im entscheidenden Moment immer wieder selbst ein Bein. Das blieb nun erstmals aus.
Ein Plan geht auf, ein anderer nicht
Vor diesem Hintergrund wechselte Wagner auch Dribbler Mikey Moore aus, was den Unmut der FC-Fans weiter anfachte. Der junge Engländer ging immer wieder ins Risiko und konnte dabei Ballverluste nicht vermeiden. „Mikey kann mit seinem Risiko den einen oder anderen Konter verursachen“, erklärte Wagner und machte klar: „Da muss er lernen, dass er im letzten Drittel den Ball zum Mitspieler bekommt, sodass wir uns festsetzen können und nicht in die Konter laufen.“ Zumal der für Moore eingewechselte Luca Waldschmidt alles andere als ein Absicherungsspieler ist.
Der Abwehrplan ging auf, aus dem Übergewicht auf dem Feld machte Köln nichts. Ein Problem, das den Klub schon so lange begleitet wie die Gegentor-Problematik – und nun als Nächstes angegangen werden dürfte. „Zu Hause Tore zu erzielen war eines der Hauptthemen, die wir besprochen haben“, sagte Wagner am Montag.
Doch vorerst überwog der Frust, den dritten Saisonsieg verpasst zu haben. Ein Gefühl, das nach einem Erfolg beim Doppel-Duell im Pokal und in der Liga gegen Union Berlin schnell vergessen sein könnte – oder sich erneut zu einer handfesten Krise verstärkt.
