Rayan Philippe entscheidet das Spiel gegen den Hamburger SV. Ausgerechnet! Startet der Leihstürmer des SC Paderborn nun in die Startelf durch? Trainer Ralf Kettemann reagiert nicht nur mit einer Lobeshymne.
SCP-Profi muss mehr als Tore liefern
Die innere Zerrissenheit war ihm deutlich anzusehen. Kaum hatte er seinen ersten Saisontreffer erzielt, da hob Rayan Philippe schon entschuldigend die Hände. Der Leidtragende war schließlich der HSV, für den er in der vergangenen Spielzeit fünfmal in 28 Spielen getroffen hatte, in diesem Jahr noch beim Auftakt in Dortmund (0:2) auf dem Platz stand und von dem er schließlich am letzten Tag der Transferperiode an den SC Paderborn verliehen wurde. Der Leihstürmer sagte anschließend auch noch persönlich „Sorry“ in der HSV-Kabine, ordnete sein Ausgerechnet-Tor gegen den Klub, bei dem er noch bis 2029 unter Vertrag steht, aber auch professionell ein: „So ist der Fußball. Ich spiele jetzt für Paderborn und muss meine Tore machen.“
Der Anfang nach normalen Anlaufschwierigkeiten in der neuen sportlichen Heimat nach dem Last-Minute-Wechsel ist gemacht. Steht Philippe auf dem Feld, wird er gefährlich. In der Vorwoche gegen Bremen (2:2) hatte er kurz vor Schluss den Pfosten getroffen, nun sorgte er mit einem satten Linksschuss für den zweiten Saisonsieg der Ostwestfalen. Bringt ihn dieser Erfolgsmoment jetzt näher an ein Startelfmandat? „Das müsst ihr den Trainer fragen“, antwortet der Franzose, der am Vortag des Spiels seinen 26. Geburtstag gefeiert hatte, diplomatisch. „Ich versuche, alles zu geben, um von Beginn an zu spielen.“ Aber: „Ich fordere jetzt keinen Platz in der Startelf. Schritt für Schritt.“
„Er hat bei uns und auch bei mir keinen einfachen Stand“
Der Offensivmann muss dabei noch deutlich mehr Schritte gehen. Tore alleine reichen nicht. In die Freude über Philippes Siegtreffer mischen sich nämlich auch durchaus kritische Töne. „Er hat bei uns und auch bei mir keinen einfachen Stand“, sagt SCP-Trainer Ralf Kettemann offen. „Wir sehen ihn in vielen Dingen kritisch, aber er nimmt das an. Es geht ihm darum, es besser zu machen.“ Töne, die es in der Form auch schon in der vergangenen Saison von HSV-Coach Merlin Polzin gegeben hatte, der den Stürmer, der Defizite in der Arbeit gegen den Ball hat, sogar mal aus dem Kader strich.
Damals sagte Polzin: „Es waren einfach Dinge, die mir seit Längerem nicht gefallen haben. Meine Aufgabe ist es, nicht den Menschen, sondern den Spieler zu kritisieren. Ich mag ihn total gerne, er ist ein ganz feiner Kerl – aber ich möchte, dass er in seinem Alter Dinge lernt, die uns perspektivisch die nächsten Jahre noch weiterhelfen.“ Gut, dieser Schuss ging am Samstag erst einmal nach hinten los …
Für Philippe eine kleine Erlösung. „Für mich persönlich“, unterstreicht er, „ist dieses Tor sehr wichtig. Aber auch für die Mannschaft ist es sehr wichtig, ein solches Spiel zu gewinnen.“ Vielleicht führt das Erfolgserlebnis ja schon am Mittwoch im Pokal gegen Stuttgart (18 Uhr, LIVE! bei kicker) in die Startelf. Kettemann jedenfalls hofft, „dass ihm das einen Push und ein gutes Gefühl gibt. Er ist schließlich noch nicht lange da.“ Wie lange er bleibt, ist offen. Paderborn kann den Franzosen für rund fünf Millionen Euro fest verpflichten. Ansonsten geht es zurück zum HSV.
