Unter dem neuen Trainer Carles Martinez wird die Viererkette die bevorzugte Abwehrformation sein. Weshalb sich für Kapitän Robert Andrich die Einsatz-Perspektiven drastisch verschlechtern.
Bei Bayer mit schlechter Perspektive
Es ist in den vergangenen Jahren fast schon zu einer Tradition geworden. Vor jeder Sommervorbereitung werden die Perspektiven von Robert Andrich auf eine tragende Rolle bei Bayer 04 eingeordnet – und grundsätzlich als schlecht bewertet. Fakt ist aber auch, dass der deutsche Nationalspieler, der schon 2021 bei seinem Wechsel von Union Berlin nach Leverkusen kritisch beäugt wurde, am Ende doch immer auf eine Spielzeit zurückblicken konnte, in der er ein fester Bestandteil der Werkself war.
So war es auch vor der vergangenen Saison, in der er aber bereits während der Vorbereitung unter Trainer Erik ten Hag zum Kapitän aufstieg und nach dem Trainerwechsel zu Kasper Hjulmand im Laufe der Hinrunde auch noch zum Abwehrchef. Warum sollte ihm Ähnliches diesmal also nicht erneut gelingen?
Andrichs Profil passt nicht in eine Viererkette
Ganz einfach: Der neue Trainer Carles Martinez wird in Leverkusen vorwiegend auf eine Viererabwehrkette setzen. Und in eine solche passt Andrich als gelernter Mittelfeldspieler von seinem Profil her nicht rein – ganz anders als in die unter Hjulmand praktizierte Dreierkette, in der der 31-Jährige als zentrales Glied und Abwehrchef mit zwei gelernten Innenverteidigern an seiner Seite spielte. Als „Libero“, wie es Xabi Alonso nannte, als er Andrich im Frühjahr 2023 beim 2:1-Sieg gegen Bayern München erstmals in dieser Rolle und mit großem Erfolg einsetzte.
Klar ist: In einer Viererkette werden zwei klassische Innenverteidiger benötigt, die zudem über eine hohe Schnelligkeit verfügen sollten. Andrich erfüllt beide Kriterien nicht. Und auch im defensiven Mittelfeld eröffnen sich dem Routinier keine guten Perspektiven.
Dort sind Exequiel Palacios und Aleix Garcia klar vor ihm einzuordnen. Und auch das von Hertha BSC geholte Top-Talent Kennet Eichhorn dürfte deutlich bessere Aussichten auf Einsätze in der Startelf besitzen. Gleiches gilt grundsätzlich für Ezequiel Fernandez.
Und selbst wenn der Argentinier, der als erster Abgabekandidat gilt, im Sommer den Werksklub verlassen sollte, wäre Andrich nicht automatisch der vierte Aspirant für die zwei Positionen im defensiven Mittelfeld. Denn auch die offensiver ausgerichteten Ibrahim Maza, der diese Rolle bereits in der vergangenen Saison zeitweise einnahm und glänzend ausfüllte, sowie Malik Tillman sind Kandidaten für den offensiveren Part in der Doppelsechs.
Über seine Perspektive hat mit Andrich noch niemand von Bayer gesprochen
Bei Bayer 04 geht man davon aus, dass Andrichs Stellenwert auf dem Platz deutlich sinken wird. So weit, dass dieser nicht mehr mit dem Selbstverständnis des Nationalspielers in Einklang zu bringen sein dürfte.
Dem Spieler oder dessen Berater wurde bislang allerdings kein Zeichen in diese Richtung gegeben. Auch der erste fernmündliche Austausch zwischen Neu-Trainer Martinez und Andrich, der bei der WM als Experte für MagentaTV vor Ort im Einsatz ist, hatte nur den Charakter eines Kennenlerngesprächs und drehte sich nicht um die Perspektive des Profis in der kommenden Saison.
Aktuell verschwendet Andrich folglich keinen Gedanken daran, seine Zelte in Leverkusen zwei Jahre vor Vertragsende abzubrechen. Vielmehr wird der Führungsspieler, der im Herbst zum dritten Mal Vater wird, den Fokus nach seinem Urlaub voll auf Bayer 04 legen. Ob es ihm dann wieder gelingt, allen Unkenrufen zum Trotz eine wichtige Position in Leverkusen einzunehmen, scheint in diesem Sommer allerdings so unwahrscheinlich wie nie zuvor.
