Hütter: „Ich liebe dieses Nähe-Distanz-Verhältnis“

Am Montag gab Rückkehrer Adi Hütter seine erste Pressekonferenz als neuer Eintracht-Trainer. Der Österreicher hinterließ einen fokussierten, ehrgeizigen und emotionalen Eindruck.

Vorstellung des Eintracht-Rückkehrers

Im Profi-Camp sprach Adi Hütter über …

… seine Rückkehr: „Es freut mich sehr, wieder hier zu sein. Es gibt noch viele bekannte Gesichter aus meiner ersten Ära, emotional bin ich jetzt noch mehr berührt. Als ich gestern Abend ankam und von meinem Hotel aus die Skyline sah, dachte ich: Das ist jetzt wieder der richtige Platz für dich. Ich habe das Gefühl, dass ich hierher gehöre. Es beeindruckt mich schwer, wie der Verein in den vergangenen zehn Jahren gewachsen ist.“

Erstkontakt auf Mallorca

… die Gespräche mit Sportvorstand Markus Krösche: „Nach der Saison gab es den ersten Kontakt. Wir trafen uns auf Mallorca und hatten unglaublich gute Gespräche, es ging rein um Fußball. Ich hatte auch mehrere Möglichkeiten in ausländischen Top-Ligen, aber als ich spürte, dass die Eintracht Interesse hat, packte mich das emotional extrem. Es war dann relativ schnell klar, wo ich hingehen möchte. Ich bin sehr, sehr glücklich, dass ich zurück bei der Eintracht bin und in den nächsten drei Jahren auch wieder den Fußball spielen lassen kann, den wir sehen wollen, den ich sehen möchte: nicht nur brachial, sondern auch guten Ballbesitzfußball mit guten Ideen.“

… seine Entwicklung als Trainer in den Jahren bei der AS Monaco: „Ich habe mich als Trainer natürlich weiterentwickelt. Wir haben es in Monaco zu 70 bis 80 Prozent mit tiefstehenden Gegnern zu tun bekommen. Da brauchst du natürlich Lösungen, Ideen und kreative Spieler, die das umsetzen können. Aber es ist auch sehr wichtig, dass wir gut verteidigen. Die Mannschaft muss kompakt sein, wenn wir nach vorne spielen, dass wir dann eine gute Restverteidigung haben. Und die Mannschaft muss das eigene Tor mit Intensität verteidigen, mit allem, was wir haben. Das ist die Basis im Fußball.“

… seinen Spielstil: „Es ist sehr wichtig, dass die Spieler auf ihren besten Positionen spielen, um das Bestmögliche aus dem Kader herauszuholen. Wir haben viele junge Spieler, die nicht nur gut Fußball spielen können. Wir müssen auch lernen, mit dem gleichen Enthusiasmus unser eigenes Tor zu verteidigen. Vor uns liegt unglaublich viel Trainingsarbeit. Wir müssen wieder beginnen, hart zu arbeiten. Dazu braucht es natürlich auch die Einstellung und die Spieler, die das mittragen. Ich will eine Mannschaft auf dem Platz sehen, die begeisternden, proaktiven Fußball spielt. Das ist schon eine große Herausforderung.“

… das Vermitteln von Intensität: „Das ist eigentlich nicht schwer. Ich habe es mit allen Mannschaften geschafft, dass wir Intensität auf den Platz bringen. Das hat viel mit der Trainingsarbeit zu tun, dass man das jeden Tag im Training einfordert. Irgendwann verstehen das die Jungs auch. Wenn wir nach vorne spielen und den Ball verlieren, möchte ich, dass es eine klare Reaktion gibt. Die klare Reaktion kann natürlich nicht sein, dass wir traben, sondern so schnell wie möglich den Ball zurückerobern. Sollten wir das nicht schaffen, müssen wir gemeinsam hinter den Ball kommen und gut verteidigen. Die Leute im Stadion wollen natürlich sehen, dass die Jungs nach vorne spielen, Tore schießen und gewinnen wollen. Auf der anderen Seite möchte ich aber genauso, dass wir mit allen Elementen versuchen, jeden Ball zu blocken, uns in die Schüsse werfen und unser Tor verteidigen.“

… seinen Führungsstil: „Ich bin sicherlich nicht der Freund der Spieler, aber weit weg, ihr Gegner zu sein. Ich liebe dieses Nähe-Distanz-Verhältnis. Es wird meine erste Aufgabe sein, mit den Spielern individuelle Gespräche zu führen. Die Jungs haben alle eine Erwartungshaltung und Bedürfnisse. Ich möchte versuchen, zu jedem eine Beziehung aufzubauen. Aber ich will auch die Jungs hören. Du bist heutzutage nicht nur Trainer auf dem Platz, du bist auch Motivator und Kommunikator. Ich möchte der Ansprechpartner sein, manchmal auch die Vaterfigur. Es wird speziell zu Beginn meiner Amtszeit die Arbeit sein, alle Spieler in die gleiche Richtung zu ziehen. Ich kann aber schon auch sehr hart sein, es geht mir um Disziplin. Ich will, dass wir arbeiten. Wir müssen alle wieder mehr tun.“

An der „einen oder anderen Stellschraube“ wird gedreht

… die Kaderplanungen: „Markus Krösche und ich sind einer Meinung, dass wir an der einen oder anderen Stellschraube drehen und am Kader was tun müssen. Ich möchte jetzt aber nicht über Personal sprechen, das werden wir intern lösen. Das Wichtigste ist, dass wir ganz klar dieselbe Idee vom Fußball haben, von der Spielanlage. Da haben wir die gleiche Sichtweise.“

… die Arbeit mit jungen Spielern: „Das ist mir sehr wichtig. Wer meine Vita kennt, weiß, dass ich überall versucht habe, junge Spieler weiterzuentwickeln. In Monaco zum Beispiel Maghnes Akliouche aus der eigenen Akademie. Den wollte man schon verkaufen, jetzt ist er A-Nationalspieler in Frankreich. Es ist immer mein Ziel gewesen, junge Spieler einzubauen. Das Wichtigste wird sein, dass wir eine gute Mischung finden aus Erfahrung und jungen, hungrigen Spielern. Hungrig müssen auch die erfahrenen Spieler sein. Wir werden sicher ein Auge auf den eigenen Nachwuchs werfen. Ich weiß, dass wir mit Niko Ilicevic einen sehr jungen, talentierten Spieler haben. Wir müssen den einen oder anderen Platz freischaufeln für unsere Nachwuchsspieler. Das liegt mir genauso am Herzen wie Markus.“

 

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