Bei seiner ersten Einheit als Trainer von Bayer 04 tritt Carles Martinez äußerst engagiert auf. Dabei erinnert der Katalane an seinen spanischen Landsmann Xabi Alonso – mit dem die Kontaktaufnahme bislang scheiterte.
Neuer Coach erinnert an Landsmann
Spätestens als Carles Martinez am Dienstagvormittag seinen Spielern die erste etwas komplexere Passübung erklärt, wird ersichtlich, wie viel Energie im neuen Leverkusener Trainer steckt. Martinez läuft zwischen den verschiedenen Positionen hin und her, gestikuliert eindeutig, erklärt lautstark, fordert die richtige Positionierung und die erforderliche Passschärfe ein. Mehr als eineinhalb Minuten instruiert, motiviert und energetisiert der 42-Jährige die Bayer-Profis.
Dem vom FC Toulouse gekommenen Katalanen ist offensichtlich jedes Detail wichtig. Dass diese möglichst exakt umgesetzt werden, darum kämpft er. „Es geht darum, eine Gewohnheit zu entwickeln, zu trainieren und jede einzelne Minute zu nutzen. Wir reden über Leidenschaft. Es ist wichtig, das vom ersten Tag an zu schaffen“, erklärte Martinez mit zumindest leicht heiserer Stimme. „Natürlich bin ich ein leidenschaftlicher Mensch, ich kommuniziere gerne, ich ermutige meine Spieler gerne, immer besser und besser zu werden.“
„Natürlich werden wir das richtige Maß finden – das geht so nicht jeden Tag, sonst würde meine Stimme vielleicht versagen.“ (Carles Martinez)
An diesem ersten Trainingstag in Leverkusen, bei dem neben den Turnier-Spielern Hertha-Zugang Kennet Eichhorn (16) wegen eines privaten Termins in Berlin fehlte, macht Martinez dies in der eine Stunde und 20 Minuten langen Einheit mit hoher Schlagzahl und Intensität. Ja nicht zum Start durch eine Unklarheit einen falschen Rückschluss für seine Profis zulassen. Dafür eindeutige Zeichen setzen, wie der gemeinsame Weg aussehen soll.
Wobei Martinez einräumt, dass dies in so hoher Dichte kein Dauerzustand sein wird und kann. „Natürlich werden wir das richtige Maß finden – das geht nicht jeden Tag, sonst würde meine Stimme vielleicht versagen“, sagt er mit einem Lächeln, „aber natürlich ist es wichtig, mit Leidenschaft anzufangen.“
Bei Bayer hofft man, dass Martinez diese Mentalität auf das Team überträgt
Dass der Neue dieses Feuer besitzt, hat Martinez an seinem ersten Arbeitstag auf dem Trainingsplatz zur Schau gestellt. Bei Bayer 04 hoffen sie, dass er diese Mentalität auf die Mannschaft übertragen kann. So wie es seinem Vorvorvorgänger gelang.
In seinem Handeln und seinem Umgang mit den Spielern ziehen viele Beobachter nach den ersten Eindrücken eine Parallele zu seinem Landsmann, der von Oktober 2022 bis Juni 2025 so erfolgreich bei Bayer 04 wirkte, mit der Werkself 2024 das Double gewann, danach Vizemeister wurde.
So wehte in der drückenden Mittagshitze am Rande der BayArena ein Hauch von Xabi Alonso über den Trainingsplatz. Auch wenn Angreifer Nathan Tella den Vergleich nicht ziehen wollte, zählte der Nigerianer bei seiner Beschreibung von Martinez‘ Arbeitsweise aber eben genau diese Charakteristika des Basken auf.
„Nein, natürlich hat jeder seine eigenen Vorstellungen und Interpretationen“, erklärte der 27-Jährige, „ich glaube, er äußert sich sehr deutlich, und das sorgt für viel Austausch – und genau das brauchen wir als Mannschaft. Wir haben neue Spieler, darunter auch einige jüngere, und es ist wichtig, dass wir alle eine klare Vorstellung davon bekommen, was er von uns als Mannschaft erwartet und was er auch auf dem Platz von uns erwartet.“
Das erhoffte Gespräch mit Xabi Alonso blieb bislang aus
Den erhofften Austausch mit Xabi Alonso gab es für Martinez bislang übrigens nicht, wie der neue Trainer verriet. Er habe mit zwei von Xabi Alonsos Co-Trainer gesprochen, aber zum Kontakt mit dem Basken selbst kam es nicht.
Wofür Martinez Verständnis aufbrachte: „Mir wurde gesagt: Klar, Xabi Alonso wird mit dir sprechen, er möchte mit dir sprechen. Aber ich habe großen Respekt vor ihm. Jetzt habe ich viel zu tun, genau das Gleiche gilt für ihn bei Chelsea.“
Martinez macht nicht den Eindruck, Fragen lange offen lassen zu wollen
Doch Martinez sieht in dem bislang ausgefallenen Gespräch keinen Nachteil. „Später könnte es sogar für mich besser sein, wenn ich den Verein erst ein bisschen besser kennenlerne, bevor ich Xabi Alonso nach etwas frage.“ So wie der Spanier an seinem ersten Tag auftrat, erweckt er aber ohnehin nicht den Eindruck, viele Fragen lange offen lassen zu wollen.
