Immer wieder lieferte der FC Bayern seit der Jahrtausendwende Dramatik im Bundesliga-Finale. Dabei war Patrik Andersson nur die Spitze des Eisbergs.
Andersson war nur die Spitze des Eisbergs
Von Spannung war die Bundesliga-Saison 2025/26 zumindest an der Tabellenspitze nicht geprägt. Bereits am 30. Spieltag setzte der hochüberlegene FC Bayern mit einem 4:2 gegen den VfB Stuttgart einen Haken unter die Mission Titelverteidigung.
Derart leicht ging es den Münchnern aber wahrlich nicht in jeder Spielzeit von der Hand. 26-mal wurde die Deutsche Meisterschaft erst am allerletzten Spieltag entschieden – zehnmal zugunsten der Bayern. Die Hälfte dieser späten Triumphe geht auf das aktuelle Jahrtausend zurück.
- Die Abschlusstabelle 1999/2000
Angefangen in der Saison der Jahrtausendwende, die es direkt in sich hatte: Leverkusens bis heute traumatische Saison mündet nicht in der Meisterschaft, weil Bayer 04 am letzten Spieltag völlig überraschend mit 0:2 in Unterhaching verliert. Bayern schlägt Werder mit 3:1 und zieht dank der besseren Tordifferenz an der dann punktgleichen Werkself vorbei (je 73 Zähler).
Ein bis heute legendärer indirekter Freistoß
Es war einer von insgesamt sechs Fällen der Bundesliga-Geschichte, in dem am 34. Spieltag der vorherige Tabellenführer noch abgefangen wurde. Jenes Szenario drohte in der Saison 2000/01 dann plötzlich den Bayern, die in ihrer Historie bei vier der 26 späten Entscheidungen in die Röhre schauten.
- Die Abschlusstabelle 2000/01
Dass 2001 nicht dazuzählt, ist einem gewissen Patrick Andersson zu verdanken. Schalke schlug im Parallelspiel Unterhaching mit 5:3 und wähnte sich nach dem Treffer von Hamburgs Sergej Barbarez in der 90. Minute als Deutscher Meister.
Der FC Bayern aber bekam einen bis heute legendären indirekten Freistoß zugesprochen, den der Schwede Patrik Andersson im HSV-Tor unterbrachte. Durch das Remis beendete der Rekordmeister die Saison einen Punkt vor Schalke, der das um fünf Treffer bessere Torverhältnis vorzuweisen hatte.
Du willst wissen, was rund um die Vier-Minuten-Meisterschaft wirklich passierte und was sich in der Zahnarztpraxis von Schiedsrichter Dr. Markus Merk abspielte? Der Storytelling-Podcast „Trauma & Triumph: Der FC Bayern und seine Wiederauferstehung“ gibt exklusive Einblicke in die turbulente Zeit rund um die Jahrtausendwende. Unter anderem sprachen mit zahlreichen Bayern- und Schalke-Legenden über das „geilste Finale, das es in der Geschichte der Bundesliga gab“. Hier gibt es alle Folgen des Podcasts auf Spotify.
Sammers goldener Joker
Nach zwei dramatischen Bayern-Meisterschaften ließ in der Saison 2001/02 dann Borussia Dortmund seinen Rivalen Bayer 04 Leverkusen hinter sich. Am vorletzten Spieltag tauschten die Teams Plätze, weil die Werkself überraschend bei Aufsteiger Nürnberg verlor (0:1) und Dortmund ein turbulentes Spiel beim HSV mit 4:3 gewann.
- Die Abschlusstabelle 2001/02
Den einen Punkt Vorsprung brachte der BVB durch einen 2:1-Heimsieg gegen Werder Bremen ins Ziel: Einen Bärenanteil daran hatte Trainer Matthias Sammer, der kurz vor Anbruch der Schlussviertelstunde beim Stand von 1:1 Joker Ewerthon zu sich holte. Dieser traf nur eine Minute nach Einwechslung zum umjubelten Sieg. So konnte sich in der 60 Kilometer entfernten BayArena Michael Ballack nicht wirklich etwas für seinen Doppelpack gegen Hertha BSC kaufen (2:1).
Khediras Kopfball ins Glück
Enttäuschte Schalker gab es auch am Ende der Saison 2006/07, als sich der VfB Stuttgart zum Meister krönte. Erst am 33. Spieltag hatten die Schwaben vorentscheidend die Tabellenspitze erobert, weil Schalke das brisante Revierderby gegen Dortmund verlor (0:2) und Stuttgart in Bochum ein 1:2 in ein 3:2 drehte.
- Die Abschlusstabelle 2006/07
Am allerletzten Spieltag war dann Zittern aufseiten des VfB angesagt: Während die Schalker in ihrem Heimspiel bereits zur Pause mit 2:0 gegen Bielefeld führten, stand es in Stuttgart gegen Aufsteiger Cottbus nach 45 Minuten nur 1:1. Den Torschrei in der 63. Minute hörten sie aber vielleicht bis Gelsenkirchen: Sami Khedira räumte per Kopf letzte Zweifel am Titel des VfB aus.
Dem 5:1 folgt noch ein 5:1
Die in Wolfsburg bis heute legendäre Saison 2008/09 nahm bereits am 26. Spieltag so richtig Fahrt auf: Mit einem denkwürdigen 5:1-Heimsieg über den FC Bayern übernimmt der VfL die Tabellenspitze und soll sie in der Folge nicht mehr hergeben.
- Die Abschlusstabelle 2008/09
Kriegt es die Mannschaft von Felix Magath mit dem Doublesieger im Nacken etwa am letzten Spieltag doch noch mit den Nerven? Die imposante Antwort: ein krachender 5:1-Heimsieg gegen Werder Bremen. Bayerns 2:1 gegen Stuttgart ist am Ende wertlos.
Ausgerechnet Özil zerstört S04-Traum
In der Folgesaison spitzte sich das Titelrennen mal wieder zwischen Bayern und Schalke zu – erneut mit dem besseren Ende für die Münchner. Noch am 32. Spieltag standen beide Teams punktgleich an der Tabellenspitze.
- Die Abschlusstabelle 2009/10
Mit einem niederschmetternden 0:2 zu Hause gegen Bremen aber zerplatzte der königsblaue Traum am 33. Spieltag. Ausgerechnet Mesut Özil steuerte auf Schalke Tor und Vorlage bei. Bayern schlug parallel Bochum 3:1 und hatte alle Trümpfe in der Hand. Weil Schalke im Saison-Finale dann auch noch in Mainz patzte (0:0), zog Bayern souverän auf fünf Punkte davon.
Furioser „Robbery“-Abschied lässt keine Zweifel aufkommen
Fast zehn Jahre später verschob sich das Münchner Duell hin zum Schalker Ruhrpottrivalen Borussia Dortmund. Am vorletzten Spieltag patzt Bayern in Leipzig (0:0) und holt den BVB, der gegen Düsseldorf mit Mühe 3:2 siegt, zurück ins Titelrennen. Zwei Punkte beträgt nur noch der Vorsprung.
- Die Abschlusstabelle 2018/19
Am letzten Spieltag wahrt Dortmund mit einem 2:0 im Borussen-Duell zwar seine Chance, bekommt aber die Meldung eines furiosen 5:1-Heimsiegs der Bayern übermittelt. Beim Abschied von Franck Ribery und Arjen Robben zelebriert der Rekordmeister nochmal seine hohe Fußballkunst.
Und dann kommt Joker Musiala
Noch recht präsent haben viele Fans sicherlich das aberwitzige Saison-Finale 2023, als der BVB nur noch sein Heimspiel gegen Mainz gewinnen muss, um dem FC Bayern tatsächlich die Meisterschaft abzuluchsen. Der BVB bekommt es allerdings mit den Nerven, liegt zur Pause 0:2 gegen die Rheinhessen hinten und erreicht am Ende nur noch ein 2:2.
- Die Abschlusstabelle 2022/23
Der Blick richtet sich nach Köln, das unbedingt den FC Bayern ausbremsen will. Per Handelfmeter macht Dejan Ljubicic den BVB in der 81. Minute vermeintlich zum Meister. Das letzte Wort gehört aber Jamal Musiala, der als Joker seinen FCB in der 89. Minute zu einem der dramatischsten Meistertitel der Geschichte führt. Bei je 71 Punkten gibt das um 15 Treffer bessere Torverhältnis den Ausschlag.
