Der FC Bayern hat in den vergangenen eineinhalb Jahren nur ein Bundesligaspiel verloren: 1:2 gegen den FC Augsburg im Januar. Stellt sich vor dem Wiedersehen die Frage: Ist eine Überraschung wiederholbar? Und vor allem wie?
Klappt ein Coup wie im Januar?
Manuel Baum ist kein großer Fan von Statistiken und mit Blick auf den 2:1-Auswärtserfolg beim FC Bayern im vergangenen Januar mit Recht. Zu viel hat sich seitdem verändert, zum Beispiel in der Fünferkette der bayerischen Schwaben. Damals liefen innen Cedric Zesiger, Keven Schlotterbeck und Torschütze Arthur Chaves auf, sie alle haben den Klub mittlerweile ebenso verlassen wie Dimitrios Giannoulis von der linken Schiene oder auch Elvis Rexhbecaj aus dem defensiven Mittelfeld. Einzig Robin Fellhauer ist neben Torwart Finn Dahmen aus der damaligen Abwehr noch da, doch der spielte zuletzt auf der Zehn.
Doch verändertes Personal muss ja nicht bedeuten, dass es nicht wieder klappt, natürlich tüftelt Baum längst an einem Plan, wie es wieder mit einer Überraschung gegen die Bayern funktionieren könnte. „Das Spiel gewinnt man am ersten Trainingstag der Woche, und zwar im Kopf“, spielte Baum auf die mentale Vorbereitung an. Der Glaube versetzt bekanntlich manchmal Berge.
Vor dem Sieg im Januar verriet Baum, die Bayern sollten möglichst oft mit dem Gesicht zum eigenen Tor spielen müssen, also in Umschaltsituationen und Konter geraten. Leicht gesagt, schwer getan, doch auch dieses Mal dürfte Tiefe eine Strategie sein: hinter die Kette der Münchner kommen. „Wie können wir diese wenigen Momente nutzen, ihnen weh zu tun“, fragte der FCA-Trainer in der Pressekonferenz am Donnerstag rhetorisch.
Kade zurück im Kader, Banks-Ersatz offen
Was bedeutet dies fürs Personal? Beim 2:1 im Januar spielte Anton Kade in der Spitze, ein schneller Mann. Der 22-Jährige ist nach einem Muskelbündelriss zwar wieder fit, aber eher eine Option als Joker. „Anton sagt, er könne starten, aus unserer Sicht setze ich aber ein großes Fragezeichen dahinter, ein Einsatz von Beginn ist unwahrscheinlich“, verriet Baum. Die Besetzung von damals könnte dennoch ein Hinweis sein. Der eigentlich wichtige Michael Gregoritsch saß damals 90 Minuten auf der Bank, eventuell gibt Baum auch dieses Mal einem schnelleren Spieler den Vorzug, dem Portugiesen Rodrigo Ribeiro. Andererseits ist Gregoritsch auch bei gegnerischen Standards als freier Mann wichtig.
Umbauen muss Baum in jedem Fall in der Innenverteidigung nach dem Ausfall von Noahkai Banks. Entweder rückt Juma Bah auf dessen Position als rechtes Glied der Dreierkette oder Kapitän Jeffrey Gouweleeuw übernimmt die zentrale Rolle und Chrislain Matsima rückt von dort auf rechts. „Wir haben beide Varianten getestet, das ist noch offen“, ließ sich Baum hier nicht in die Karten blicken. Viel Arbeit wartet auf die Defensive ohnehin.
Baum schaut wie gewohnt mehr auf seine Mannschaft als auf den Gegner – in diesem Fall den bestmöglichen – und begründet dies mit einer Weisheit aus dem Kampfsport: „Wenn man nur auf die Schlagkraft des Gegners schaut, hat man schon verloren.“ Dennoch muss er sich natürlich mit der individuellen und mannschaftlichen Klasse des Double-Siegers auseinandersetzen.
„Wir müssen wie die Wahnsinnigen sprinten“
Zum Beispiel mit Michael Olise, der Woche für Woche Weltklasse abliefert. „Im Eins-gegen-eins mit sehr viel Raum wird es schwierig“, weiß Baum, der sich aber nicht allein auf den Franzosen konzentrieren möchte. „Sie haben so viele gute Spieler, das kann einer allein jeweils nicht schaffen. Deshalb zählt für ihn in diesem Spiel: „Intensität ist wichtiger als Inhalt. Wir müssen wie die Wahnsinnigen sprinten, Druck auf den Ballführenden ausüben.“
Während die Bayern seit 28 Auswärtsspielen in der Bundesliga ungeschlagen sind, verlor der FCA nur eines seiner jüngsten 14 Heimspiele, ein 2:5 gegen den VfB Stuttgart im März. Mut machen bereits elf geschossene Tore, so viele hatten die Augsburger nach vier Spieltagen noch nie. Allerdings kassierten sie zuletzt in jedem Spiel ein Gegentor mehr. Null zum Auftakt, dann eins, zwei, zuletzt drei in Bremen. Vier wären kein gutes Rezept gegen die Münchner. Eine Quote von 57,7 Prozent gewonnener Zweikämpfe dagegen schon, hier ist der FCA spitze in der Liga. Und dann lockt noch ein Jubiläum, mit einem Dreier käme der FCA auf 600 Bundesligapunkte in seiner Geschichte.
