Der Start in die neue Spielzeit ist Borussia Dortmund gelungen. Nun wartet der VfB Stuttgart und damit für Trainer Niko Kovac ein Härtetest der Defensive und der offensiven Ansätze.
Trainer Niko Kovac spricht über die Spielweise und Steigerungsmöglichkeiten
Am Donnerstagvormittag stand Niko Kovac auf dem Trainingsplatz, wie meistens am Donnerstagvormittag. Während parallel also der neue Bundestrainer Jürgen Klopp 69 Minuten lang in einer XXL-Pressekonferenz seinen XXL-Kader vorstellte und nicht weniger als die Zukunft des deutschen Fußballs skizzierte, arbeitete der Coach von Borussia Dortmund an der Gegenwart seines Teams. Und doch fand Kovac die Zeit, zumindest eine Essenz der Aussagen zu hören und in seiner eigenen, deutlich kürzeren Pressekonferenz zu zitieren.
„Ich habe es nicht ganz gesehen, aber einen Satz habe ich aufgeschnappt: Es geht um Intensität, es geht ums Verteidigen, es geht um alle gemeinsam“, nutzte der BVB-Trainer also die Worte seines Kollegen, um seinen eigenen Ansatz zu unterstreichen. Denn Klopp habe „schon einiges erreicht im Leben“, betonte Kovac, aber auch er wisse „dass man gut verteidigen muss“. Mehr als das, es ist schon lange das Mantra des Kroaten: „Wir müssen intensiv arbeiten. Denn wenn du intensiv arbeitest und das mit individueller Qualität in der Mannschaft paarst, ist es schwierig, uns zu besiegen.“
Oder andersherum: „Wenn du Qualität hast, die aber nicht auf den Platz bringen kannst, weil dir die physischen Fähigkeiten fehlen, dann wirst du struggeln, das wirst du nicht über die ganze Saison schaffen.“ Die Kombination aus konditionellen Grundlagen und spielerischen Lösungen ist das Ideal von Kovac, mehr noch: „Das ist der moderne Fußball, dahin entwickelt sich der Fußball. Und wer es nicht kann, der hat Probleme.“
„“Wir können es, Gott sei Dank““ (Niko Kovac)
Die gute Nachricht von Kovac mit Blick auf den BVB: „Wir können es, Gott sei Dank. Wir können uns dort aber bestimmt auch noch verbessern.“ Aktuell die sechstmeisten gelaufenen Kilometer der Liga, die drittmeisten Sprints und die meisten intensiven Läufe unterstreichen die Qualitäten des Teams in dieser Hinsicht. An der körperlichen Leistungsfähigkeit des Teams zweifelt rund um Dortmund ohnehin keiner. Mit seiner Arbeit in den vergangenen eineinhalb Jahren hat der Coach seine Mannschaft extrem vorangebracht, was sich nicht nur in Spieldaten, sondern auch an der deutlich gesunkenen Zahl von (Muskel-)Verletzungen zeigt.
Spielerisch, im Verhalten mit Ball, gab es aber in der Vergangenheit und auch mit Blick auf die ersten Spiele der neuen Saison durchaus kritische Stimmen. „Wir können im Ballbesitz das ein oder andere noch besser machen“, stimmt Kovac zu und meint damit „sauberer spielen und weniger Fehler machen“. Aber: „Wir sind am Anfang der Saison, wir benötigen dafür sicherlich noch Zeit.“ Schließlich ist der Kader im Sommer gerade in Hinsicht seiner Spielstärke deutlich verbessert worden, namentlich mit Konstantinos Karetsas, Joey Veerman, Ethan Nwaneri und dem allerdings bereits verletzten Giannis Konstantelias.
Die jetzt so ins Spiel zu integrieren, dass die Kreativität steigt, ohne die defensive Stabilität leiden zu lassen, bleibt die große Aufgabe. In Hoffenheim oder gegen Paderborn gelang dem BVB das nicht in allen Phasen, die größte Gefahr strahlten die Schwarz-Gelben da noch im starken Umschaltspiel aus. Aus dem Positionsspiel gegen einen tief stehenden Gegner gibt es dagegen sicher noch Steigerungspotenzial. „Über die fünf Spiele habe ich sehr vieles an guten Sachen gesehen, das hat überwogen“, findet der Coach dennoch.
Ohnehin soll es mit Ball schnell gehen, wünscht er sich. „Wir wollen nicht in Schönheit sterben, sondern nach vorne kommen“, sagt der Coach: „Den Ball im letzten Drittel oder im Mitteldrittel zu haben, ist zwar schön und treibt die Statistiken nach oben, aber das ist nicht das, was ich will. Ich möchte Chancen kreieren.“ Auch beim VfB Stuttgart am Samstagabend (18.30 Uhr, LIVE! bei kicker), dem Härtetest vor der langen Länderspielpause.
Balance-Akt gegen „eine Top-Mannschaft“
Auch da wird es ein Balance-Akt. „Klar, gegen solche Mannschaften musst du gut verteidigen, jeder Einzelne muss mitmachen. Da musst du als Einheit arbeiten, klinken sich ein, zwei, drei Leute aus, wird es schwierig, eigentlich unmöglich“, findet Kovac und redet auch über die bisher zuweilen fehlende Spielkontrolle: „Und wenn wir den Ball haben, sollten wir versuchen, ihn in unseren Reihen zu halten. Aber mit der Intention, nach vorne zu kommen.“
Kovac weiß: Gegen die Schwaben, „eine sehr gut ausbalancierte Top-Mannschaft der Bundesliga, die mit dem Ball eine Menge kann und viele gute Individualisten hat“, wird es auch immer wieder Phasen geben, in denen „der Gegner den Ball hat“. So wie beim letzten Aufeinandertreffen in Stuttgart am 28. Spieltag der Vorsaison, an dem der BVB glücklich durch zwei Treffer in der Nachspielzeit 2:0 gewann, nachdem zuvor offensiv wenig gelang. „Wir haben aber auch nichts zugelassen“, erinnert sich Kovac: „Wenn der Gegner den Ball hat, ist es entscheidend, dass er nichts kreieren kann.“ Jürgen Klopp wird gut zugehört haben.
