Trainer Vincent Kompany fehlt wie Kapitän Manuel Neuer auch gegen den BVB, Joshua Kimmich könnte dagegen zurückkehren. Kehrt beim Rekordmeister nach turbulenten Tagen damit ein Stück Normalität zurück?
Vor dem Spitzenspiel
Der Blick auf die reinen Ergebnisse verrät nicht, was rund um den FC Bayern zuletzt passiert ist: Ein 2:2 gegen den englischen Meister FC Arsenal, 3:1 beim SC Freiburg, 6:1 im Pokal gegen Zweitligist Magdeburg. Die Mannschaft nimmt Fahrt auf, auch wenn der Trainer im Krankenstand ist und der Vize-Kapitän um seinen Vater trauert. Schatten, die auch vor dem Gipfeltreffen mit dem BVB nicht vergehen.
Übergangstrainer Aaron Danks verneinte auf der Pressekonferenz am Freitag die Frage, ob er mit Vincent Kompany über Fußball, gar die Taktik für die weltweit beachtete Partie am Samstag gesprochen habe. Kompany solle sich weiter im Kreis der Familie ausruhen. Die Rückkehr? Wohl erst nach der Länderspielpause, die Bayern üben weder Druck auf ihren Chefcoach aus noch nennen sie öffentlich einen Zeitplan.
Anders die Situation bei Joshua Kimmich, der wegen des plötzlichen Trauerfalls die vergangenen drei Pflichtspiele verpasst hat. Nach der Beisetzung unter der Woche habe der Vize-Kapitän zweimal individuell trainiert, er werde das Abschlusstraining am Freitagnachmittag bestreiten. „Das Leben ist jetzt anders für ihn, da brauchen wir keinen Hehl daraus machen“, sagte Sportvorstand Max Eberl und fügte mit Blick auf Samstag an: „Wenn Jo sich bereit fühlt, in diesen neuen Alltag einzutauchen, dann wird sich der Trainerstab mit ihm austauschen, ob das morgen der richtige Zeitpunkt für ihn ist.“
Eine Prognose fällt schwer, niemand kann in Kimmich hineinschauen. Startelf oder nochmal Pause, dürften die Alternativen lauten, ein Platz auf der Ersatzbank wäre unlogisch. Und mit Blick auf das folgende, ebenso wichtige Spiel bei Atletico Madrid deutet doch einiges darauf hin, dass Kimmich sein Comeback gibt, er die Frage nach der Rückkehr in den Alltag mit „Jetzt“ beantwortet.
Siebtes Pflichtspiel für Urbig in dieser Saison
Bei Manuel Neuer gehören Verletzungen längst zum Alltag, er hat wegen Flüssigkeit am Fuß inklusive Dortmund dann fünf der vergangenen sechs Partien verpasst, stand nur zwischendurch gegen Arsenal zwischen den Pfosten. Damit wird Urbig bereits sein siebtes Pflichtspiel in dieser Saison für die Bayern bestreiten und mit Neuer in dieser Statistik, inklusive Supercup, gleichziehen. Als spannend könnte sich dieses Wechselspiel noch im Frühjahr erweisen, sollte Urbig seinen Job top machen und Neuer immer wieder angeschlagen sein. Wer steht dann in den entscheidenden Spielen im Tor? Zukunftsmusik.
Weiterhin fehlen werden Jamal Musiala und Luis Diaz. Danks darf also knobeln, ob er links offensiv auf Alphonso Davies oder Serge Gnabry oder sogar beide mit dem Kanadier als Linksverteidiger und Gnabry davor setzt. Interessant: Der Assistent von Kompany strich Unterschiede in Denke und Arbeit zu seinem Chef heraus, zog einen Vergleich zur Tierwelt. Während in der Savanne ein Zebra gut rieche und höre, aber schlecht sehe, sei genau dies die Stärke des Vogelstraußes, die beiden Tiere würden sich bei Gefahr prima ergänzen. Und genauso sei es im Trainerteam: Unterschiedliche Charaktere, die sich ebenfalls komplementieren.
„Wir werden nichts groß verändern.“ (Aaron Danks)
Eberl verwies in dieser für den FC Bayern nach wie vor ungewöhnlichen Situation auf den gesamten Stab Kompanys, der seit zweieinhalb Jahren hervorragende Arbeit leiste. Das soll gegen den BVB, vor dem Eberl großen Respekt hat, zu sehen sein: „Sie waren schon in der vergangenen Saison ein sehr starker Herausforderer. Nun ist der Punktestand gleich, das bedeutet automatisch Augenhöhe.“
Danks geht die Partie selbstbewusst an: „Es ist ein großes Spiel, aber die Mannschaft ist sehr ehrgeizig und wettbewerbsfähig. Wir werden nichts groß verändern.“ Kompany, davon ist auszugehen, wird es daheim gespannt verfolgen und im Falle eines Bayern-Sieges ein Stückchen Alltag spüren.
