Nach dem überflüssigen 2:2 in Augsburg steht die fehlende Konsequenz in der Defensivarbeit von Bayer 04 Leverkusen im Fokus. Doch die fehlende Haltung betrifft auch die Offensive, wie Edmond Tapsoba betont. Der Kapitän sieht wie auch sein Stellvertreter Patrik Schick ein Problem, das zwischen den Ohren liegt.
Kapitän bemängelt auch die Offensive
Es ist immer eine Frage des Blickwinkels. Und so verwunderte es nicht, dass Torjäger Patrik Schick, der beim 2:2 in Augsburg als Joker mit feinem Hackentrick den Endstand erzielt hatte, nach fünf Gegentreffern in zwei Auswärtsspielen feststellte: „Wir kriegen zu viele Tore, das ist meine Meinung. Auswärts drei Tore zu machen, ist immer schwer.“ Womit der 30-Jährige natürlich recht hatte – besonders, wenn es um Spiele gegen Klubs der Kategorie Augsburg oder Elversberg (2:3) geht.
Damit lag Schick auf einer Wellenlänge mit Geschäftsführer Simon Rolfes, der nach dem völlig überflüssigen Unentschieden vor allem die „Konsequenz beim Verteidigen“ vermisst hatte. Doch so sehr diese Kritik auch angebracht war, so ließ sie doch einen Aspekt unberücksichtigt. Nämlich den, dass die Werkself auch in der Offensive alles andere als bedingungslos agierte.
So war die Anzahl der Torchancen vor der Pause mit drei klaren Möglichkeiten trotz der eindeutigen Überlegenheit durchaus überschaubar. Obwohl sich der Offensive um die beiden Flügelstürmer Moussa Diaby und Afonso Moreira immer wieder Räume geboten hatten und Bayer immer wieder mit Tempo hinter Augsburgs letzte Linie gekommen war, wandelten die Gäste die Möglichkeiten viel zu selten in Chancen um.
„Wenn man das Spiel entscheiden kann, so wie in den ersten 45 Minuten, dann müssen wir es entscheiden.“ (Edmond Tapsoba)
Sei es Diaby, der den einen oder anderen Ball mit ungewohnten technischen Schwächen auf dem holprigen Platz verspielte. Sei es Moreira, der deutlich weniger in Erscheinung trat, dann aber den entscheidenden Flankenball oder die mögliche Hereingabe genauso unpräzise spielte wie einmal Linksverteidiger Miguel, der nach einem feinen Chip-Pass von Facundo Medina halblinks im Strafraum frei auftauchte, aber unbedrängt keinen Mitspieler mit seiner Hereingabe fand.
„Wenn man das Spiel entscheiden kann so wie in den ersten 45 Minuten, dann müssen wir es entscheiden und danach versuchen, es zu kontrollieren“, monierte Kapitän Edmond Tapsoba nach der Partie treffend die Inkonsequenz in der Offensive, die anders als die in der Defensivarbeit nach dem Abpfiff nicht im Fokus stand.
Schick: „Du brauchst das komplette Paket“
Zehn Chancen in Elversberg, weitere zehn gegen Union und nun neun in Augsburg lassen die Torausbeute von insgesamt acht Treffern nämlich nicht als überragend erscheinen – und das, obwohl mit Schick (drei Treffer) und Christian Kofane (zwei) beide Mittelstürmer stark geliefert haben.
So treffen Schicks kritische Worte nicht nur auf das Defensivverhalten, sondern auch auf das Agieren in der Offensive zu. „Alle Spieler, die für Bayern 04 spielen, haben viel Qualität. Aber nur mit der Qualität alleine geht es nicht. Da gibt es andere Aspekte, die du in einem Bundesliga-Spiel brauchst, wenn du was gewinnen willst“, betonte der Vize-Kapitän. „Du brauchst das komplette Paket.“ Zu dem eben auch bedingungslose Konsequenz und absoluter Siegeswille gehören.
„Wir dürfen nicht erst reagieren, nachdem wir zwei Tore kassiert haben. Wir müssen zuerst handeln.“ (Edmond Tapsoba)
Die Werkself hingegen neigt in ihrer spielerischen Leichtigkeit schnell zu einer gewissen Fahrlässigkeit. Und schaltet, wie nach dem 1:2 in Augsburg, erst danach in den mentalen Vollgas-Modus um. Ein Fakt, der Tapsoba massiv stört: „Wir dürfen nicht erst reagieren, nachdem wir zwei Tore kassiert haben. Wir müssen zuerst handeln.“
Dass dies Bayer erneut nicht gelang und zudem wie in Elversberg, wo man unmittelbar nach Wiederanpfiff das 0:3 kassiert hatte, direkt nach der Halbzeit nicht wach war und jetzt sogar zwei schnelle Gegentreffer schlucken musste, ist dem Innenverteidiger ein Rätsel. Erst recht, da Trainer Carles Martinez auf dieses drohende Szenario in der Pause noch hingewiesen hatte.
„Wenn ich das wüsste, wären wir nicht schon zum zweiten Mal in dieser Situation. Wir haben noch einen Weg vor uns.“ (Edmond Tapsoba)
Warum also haben die Leverkusener nichts aus Elversberg gelernt? „Wenn ich das wüsste, wären wir nicht schon zum zweiten Mal in dieser Situation“, zeigte sich Tapsoba ratlos und analysierte scharf wie nüchtern: „Es sieht so aus, als hätten wir noch einen kleinen Weg vor uns, um wieder als Team zusammenzufinden.“ Seine Worte sind eindeutig auf das offenbar nicht optimale Mindset eines jeden Spielers ausgerichtet. „Jeder muss wissen, was wir tun müssen, gegen welche Art von Gegner wir antreten und auch, welche Art von Spiel uns erwartet“, fordert Tapsoba, dessen Aussagen genauso wie die von Schick die Mentalitätsfrage nahelegen.
Denn eins ist klar: Ohne die entsprechende Ernsthaftigkeit wird diese auf den meisten Positionen hochkarätig besetzte Mannschaft noch weitere Enttäuschungen erleben, die das Erreichen der Ziele gefährden würden.
