Ablaufdatum 2035: Hellmann forciert die Stadionpläne in Frankfurt

Die 2005 eröffnete Arena im Frankfurter Stadtwald geht laut Eintracht-Vorstand Axel Hellmann auf ihre finale Dekade zu. Hinzukommt die häufig lange Anlaufzeit großer Infrastrukturprojekte in Deutschland. Der Klubchef forciert daher die Pläne für die Zukunft.

„Ein dritter Rang oder ein Neubau?“

Viele Klubs in Deutschland und erst recht in Europa träumen von einem Stadion wie in Frankfurt. 60.100 Plätze, ein verschließbares Dach und eine prächtige Stimmung, die nicht zuletzt auch dank der inzwischen bis unters Dach reichenden Stehplatztribüne optisch wie akustisch ihresgleichen sucht. Was braucht man mehr? Axel Hellmann hat dazu eine klare Meinung. Als nicht weniger als „das entscheidende Zukunftsprojekt der kommenden zehn Jahre“ betitelte der Vorstandsvorsitzende am Montagabend die Stadionfrage der Eintracht.

Dem liegt jedoch keineswegs Größenwahn zugrunde. Vielmehr die Zukunftsperspektive und das mitunter zähe Anlaufen von Infrastrukturprojekten in Deutschland. „Wenn wir nicht jetzt anfangen, eine Stadionplanung vorzunehmen, werden wir in zehn Jahren kein neues Stadion haben“, betont Hellmann, der direkt erklärt, warum die Frage drängt: „Stadien haben normalerweise einen Lebenszyklus von drei Dekaden. Das Stadion, in dem wir jetzt spielen, wurde 2005 eröffnet. Eigentlich wäre das Ablaufdatum 2035.“

Vergangene Saison, der sportlich schlechtesten seit einiger Zeit, pilgerten durchschnittlich 55.809 Zuschauer in den Deutsche-Bank-Park, was einer Auslastung von 93 Prozent entspricht. Häufig fanden sich freie Plätze in nennenswerter Zahl aber nur im Gästebereich. Warum die Frage, wo der Klub sportlich gerade steht, für die Planungen keine Rolle spielen dürfe, erklärte Hellmann am Beispiel des aktuellen Stadions.

Der Zuschauerschnitt lag seit 2019/20 immer über 50.000

„Als die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung 2001 über den Neubau des Stadions entschieden hat, hat die Eintracht in der 2. Liga gespielt.“ Der damals als „optimistisch“ und unter den Politikern „hart diskutierte Businessplan“ ging von einem durchschnittlichen Zuschauerschnitt von 28.000 Menschen aus. Weit gefehlt: Mit Ausnahme der Corona-Jahre und der Zweitliga-Saison 2011/12 (37.647) lag der Schnitt stets über 40.000 und seit 2019/20 auch über der Marke von 50.000. Erst der Ende 2022 begonnene Ausbau der Südwestkurve hin zu vollen Stehplatztribüne, verbunden mit der Wegnahme des Logenrings an dieser Stelle, erhöhte die Kapazität von zuvor 51.500 Plätzen sukzessive auf das heutige Niveau.

Wie groß soll es künftig werden? „Wir dürfen uns nicht von der Frage leiten lassen, ob wir über 70, 75 oder 80.000 Plätze reden“, betonte Hellmann, der die Frage aus Eintracht-Sicht klar beantwortete. „Haben wir das Potenzial? Zweifelsfrei.“ Andere Faktoren, wie etwa die Verkehrslage, würden aber mitentscheiden.

Nur in den USA und London gibt es laut Hellmann erfolgreichere Stadien

Unabhängig von der Größe und dem Zeitplan steht für Hellmann fest: „Es ist vollkommen klar, dass das Kernelement des Stadions die Heimspielstätte von Eintracht Frankfurt ist – mit einer sicherlich höheren Stehplatzkapazität als heute. Aber sie wird auch Konzertarena sein und sie wird Veranstaltungsort sein, weil das die Lage in Frankfurt erfordert.“ Im Hinblick auf Gesamtzuschaueraufnahme und Veranstaltungen sei die anlässlich der WM 2006 gebaute Arena laut Hellmann das „acht-erfolgreichste Stadion der Welt“. Nur hinter sechs Stadien in den USA und dem Wembley-Stadion in London müsse man sich anstellen.

Zeitnah sollen die Planungen konkret werden. Zunächst muss die Grundlage geklärt werden. „Bauen wir einen dritten Ring drauf oder bauen wir neu?“, so Hellmann zu den grundsätzlichen zwei Optionen. „Die ersten Planungen dazu stellen wir der Stadt Ende des Jahres und dann der Öffentlichkeit gegen Ende des ersten Quartals 2027 vor. Und dann beginnt die eigentliche Arbeit erst.“

„Wenn wir jetzt planen, werden wir 2035, 2036 oder 2037 ein neues Stadion haben.“ (Axel Hellmann)

Wie schnell tatsächlich Bewegung in das Großprojekt kommt, wird sich zeigen. Für ein eindrückliches Negativbeispiel in puncto Infrastruktur braucht es weder den Blick zum Berliner Flughafen noch den Stuttgarter Bahnhof – es reicht der Blick auf den Frankfurter Stadionparkplatz P9. Dort soll in direkter Nachbarschaft zum Fußballstadion bis Ende 2030 eine Multifunktionsarena, unter anderem für den Profibetrieb der beiden Frankfurter Eishockey- und Basketballteams entstehen. Doch noch ist nicht gebaut und der Weg bis zum Grundstein ist schon jetzt eine mehr als zwei Jahrzehnte dauernde Odyssee.

„Wenn wir jetzt planen, werden wir 2035, 2036 oder 2037 ein neues Stadion haben“, hofft Hellmann, der auch mit Blick auf die nach Jahren des Höhenflugs seit geraumer Zeit andauernde sportlichen Krise mit einem „Mythos“ aufräumen wollte. „Die Unterstellung aktuell, wir würden im Kader sparen, um irgendwelche Stadion-Zukunftspläne zu finanzieren, sind absurd. Weil das völlig unterschiedliche Finanzierungstöpfe sind, über die wir reden.“

 

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