Der Abschied von Markus Krösche zwang Eintracht Frankfurt kurzfristig dazu, die Scheinwerfer bei der Mitgliederversammlung am Montagabend neu zu justieren. Gleichwohl ging der eigentliche Hauptakt des Abends wie erwartet über die Bühne: Mathias Beck wurde als Präsident im Amt bestätigt.
Eine 1899-Euro-Rechnung für Hütter
Jahreshauptversammlungen von Eintracht Frankfurt folgen für gewöhnlich einem klaren Muster. Eine Rede vom Vorstandsvorsitzenden Axel Hellmann, dieses Mal beinahe 60 Minuten lang, ist zwar nicht der wichtigste Tagesordnungspunkt, in aller Regel aber der in der Folge meistdiskutierte. An diesem Montagabend stand aber der zu Tränen gerührte Markus Krösche und dessen emotionaler Abschied im Mittelpunkt.
Der wichtigste Tagesordnungspunkt rückte dadurch etwas in den Hintergrund. Mathias Beck, der im Februar 2024 den vorzeitig aus dem Amt geschiedenen Peter Fischer als Präsident beerbt hatte, wurde mit der überwältigenden Mehrheit von 99 Prozent im Amt bestätigt. Nur drei Gegenstimmen und zehn Enthaltungen waren bei der Abstimmung per Handzeichen unter den 1210 anwesenden stimmberechtigten Mitglieder zu sehen. Alles wie erwartet: Der 55-Jährige ist zwar längst nicht so omnipräsent wie sein Vorgänger, der sich in 24 Jahren an der Vereinsspitze weit über die Grenzen des Fußballklubs hinaus zum Sprachrohr gegen Rassismus entwickelt hatte.
Nie der Versuch einer Fischer-Kopie
Beck hat klugerweise nie versucht, diese Fußstapfen mit dem Versuch einer Fischer-Kopie zu füllen. Vielmehr zeigte sich der frühere Immobilienunternehmer in den vergangenen zweieinhalb Jahren als etwas stillerer Antreiber der immer weiter wachsenden Eintracht, die weiterhin der weltweit größte Mehrspartensportverein mit einer professionellen Fußball-Mannschaft ist.
Unter Becks Führung wurden zahlreiche strukturelle Prozesse rund um die Organisation, die Modernisierung und Digitalisierung umgesetzt. Außerdem forcierte er die Erschließung und die Weiterentwicklung Entwicklung neuer wie alter Sportstätten. Weil Beck auch auf die Unterstützung aktiven Fanszene bauen kann und sich kein Gegenkandidat zur Wahl gestellt hatte, war die reine Wiederwahl für seine erste volle Amtszeit von vier Jahren im Grunde eine Formalie.
Hütters 1899-Euro-Rechnung
Gleichwohl weiß Beck, die emotionale Klaviatur zu bespielen. Und so holte er am Montagabend Cheftrainer Adi Hütter und seinen Co-Christian Peintinger auf die Bühne, um sie mit dem obligatorischen Schal und der Urkunde für den Abschluss einer lebenslangen Mitgliedschaft auszustatten. Der Wunsch für die emotionale Bindung an den Klub sei nach der Rückkehr von den beiden Österreichern ausgegangen – die passende Bühne wählte Beck. Geschenkt gab es das Ganze aber nicht.
„Ich freue mich sehr, euch nicht nur als Trainer wieder in Frankfurt begrüßen zu dürfen, sondern nun auch als zahlende lebenslange Mitglieder“, betonte Beck vor dem dabei lachenden Publikum. Jeweils 1899 Euro flossen dadurch in die Vereinskassen – in die inzwischen mehr als 160.000 Mitglieder einzahlen. Dabei soll es nicht bleiben. Beck ist ambitioniert: „Ihr wisst, mein Ziel ist es nach wie vor, 200.000 Mitglieder für unsere Eintracht zu begeistern.“
„Wir haben alle gespürt, dass der Fußball, den wir in der letzten Saison gespielt haben, nicht unserem Klub entspricht.“ (Mathias Beck)
Beck ist aber nicht nur Präsident des e.V., sondern zugleich auch Aufsichtsratsvorsitzender der Eintracht Frankfurt Fußball AG, deren Anteile zu 67,89 Prozent beim e.V. liegen. Mit einem kritischen Blick schaute er in dieser Funktion zuletzt auf den Bundesligarasen. „Ich denke, wir haben alle gespürt, dass der Fußball, den wir in der letzten Saison gespielt haben, nicht unserem Klub entspricht. Wir hatten zu wenig Intensität, Härte und Aggressivität. Und man hat in Leipzig gesehen, dass die Gefahr besteht, dass wir wieder in dieses Muster zurückfallen können.“
Nach der 0:6-Blamage bei RB machte ihm der jüngste 1:0-Heimsieg wieder Hoffnung. „Wir haben aber auch gegen Köln gesehen, dass wir ganz anders auftreten können, mit Konsequenz, Biss und Aggressivität. Ich bin froh, dass wir Adi Hütter und sein Trainerteam für uns gewinnen konnten.“
