Schon fünf Punkte nach Rückstand, damit ist der SV Werder Bremen bislang führend in der Bundesliga – genauso wie bei Toren in den Schlussminuten. Über Gründe und Begleiterscheinungen.
Bestwerte und Begleiterscheinungen
Es sind die kleinen Beobachtungen, die manchmal im größeren Kontext stehen – und falls diese möglicherweise an einem vorbeigegangen sind, machte Daniel Thioune eben noch mal darauf aufmerksam.
„Ich weiß nicht, ob man es gesehen hat“, berichtete der Coach des SV Werder Bremen, „aber mittlerweile streiten sich die Jungs ja schon, wer den Ball aus dem gegnerischen Tor holt, weil sie unbedingt noch eins schießen wollen.“
So geschehen etwa nach dem 1:2-Anschlusstreffer in der 88. Minute am Freitagabend in Dortmund. Und dass dieser den Gästen nicht reichte, zeigte sich dann in der Nachspielzeit: „Monster“ Niclas Füllkrug traf noch zum 2:2-Ausgleich – wieder mal hatten die Bremer einen Rückstand noch aufgeholt.
Fünf Zähler nach Rückstand – Top-Wert
Wie bereits am Spieltag zuvor: Gegen den FC Augsburg hatte man beim 3:2 nach 0:2 gar die komplette Wende geschafft; und beim 1:1 in Köln nahm Werder nach einem 0:1 ebenfalls noch einen Punkt mit. Macht in Summe also fünf Zähler nach Rückstand – der Top-Wert in der aktuellen Bundesliga-Saison.
Und nicht nur das: Auch in den letzten fünf Minuten einer Liga-Partie, also ab der 86. Minute, ist die Thioune-Elf bislang führend – gemeinsam mit dem 1. FSV Mainz 05, der ebenfalls bereits vier Tore in dieser Phase erzielt hat.
Dieses in dieser Saison neue Werder-Muster ist jedenfalls ein wesentlicher Grund dafür, dass die Bremer mit acht Punkten nach fünf Spieltagen auf Platz 7 so gut dastehen – was laut dem Cheftrainer „vielleicht auch gar nicht so zu erwarten gewesen“ sei.
Werder ist in der Lage zu „leiden“
Es ist ja erst einige Monate her, dass Werder in der Bundesliga schwer wankte, instabil wirkte und der Klassenverbleib über Wochen infrage stand. Inzwischen ist dieses Team in der Lage, Widerstände auszuhalten oder zu „leiden“, wie Thioune sagte – und ist nun eben nicht ansatzweise so leicht kleinzukriegen, wie noch in jener Vorsaison.
„Wenn meine Mannschaft eins geschafft hat, dann ist sie widerstandsfähig geworden, sie hat Resilienz aufgebaut und sie spielt dann auch das ganze Ding zu Ende, bis das Spiel abgepfiffen wird“, erläuterte der 52-Jährige in Dortmund: „Sie hat sich durch ihren Fleiß und ihre Arbeit zurückgekämpft.“
Mentalität, Bereitschaft, Wille – das sind die Begriffe, mit denen Thioune dieser Tage jongliert, wenn es um den Aufschwung am Osterdeich geht, der nun letztlich auch von dem 0:7-Testspieldesaster in der Länderspielpause nicht weiter negativ beeinflusst wurde. Und der natürlich auch eine inhaltlich bessere Basis hat, die das Trainerteam implementiert hat.
Grüll bleibt Top-Scorer
Dem Punktgewinn in Dortmund ging ja auch eine äußerst disziplinierte kollektive Arbeit gegen den Ball voraus (wofür es nicht nur ein Extra-Lob von Füllkrug gab) – und trotz eines Ballbesitzwertes von lediglich 28 Prozent auch offensive Nadelstiche, nicht zuletzt beim Treffer zum 1:2.
Beim 2:2 wiederum kam dann zudem die Bremer Standardstärke einmal mehr zum Vorschein, bei der Marco Grüll als Flankengeber für Füllkrug seinen siebten Scorerpunkt einsammelte – noch so eine Begleiterscheinung und: Ligabestwert (gemeinsam mit Patrik Schick).
„Das zeigt, dass wir auf einem guten Weg der Entwicklung sind“, meinte Thioune angesichts der fußballerischen Fortschritte bei Werder – an denen sich ausnahmslos alle beteiligen. Auch jene Spieler, die aktuell weniger zum Zug kommen, wenngleich sie das lieber täten.
Die Bank als weiteres Erfolgsgeheimnis
Niklas Stark, Cedric Itten oder Alexander Schlager erwähnte der Werder-Coach da etwa: „Es ist keine leichte Situation für alle drei, weil sie den Anspruch haben zu spielen“, so Thioune über ein weiteres Bremer Erfolgsgeheimnis: „Ich bin nicht müde, es zu betonen. Was auf dieser Bank während des Spiels stattfindet: Sie supporten das Ganze – und das macht es für alle natürlich leichter.“
