„Wieder etwas Neues“: Kleindiensts unendliche Leidenszeit

Ein Muskelfaserriss bedeutet die nächste Ausfallzeit für Tim Kleindienst, den Kapitän der Borussia. Zu den Gladbacher Problemen gehört, dass bisher keiner der möglichen Stellvertreter zündet.

Gladbach fehlt ein treffsicherer Back-up

Keine Woche ohne neue Verletzungssorgen. Auch vor dem eminent wichtigen Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim (Sonntag, 17.30 Uhr, LIVE! bei kicker) musste Cheftrainer Alexander Blessin schlechte Nachrichten verkünden. Und wieder einmal betraf es den Kapitän: Tim Kleindienst.

Am Mittwoch hatte der Mittelstürmer das Training vorzeitig abgebrochen und war mit bandagiertem Oberschenkel in die Kabine verschwunden. Schon da war die Befürchtung groß gewesen, dass die Hoffnung auf ein Comeback von Kleindienst, der das Derby beim 1. FC Köln (1:2) aufgrund von muskulären Problemen verpasst hatte, platzen könnte.

Am Freitag folgte die Bestätigung. „Bei Tim ist es ein weiterer Muskelfaserriss. An einer anderen Stelle, das heißt: Wieder etwas Neues“, erklärte Blessin. „Das ist einfach so, und damit wir müssen zurechtkommen. Es ist bitter für ihn, es ist bitter für uns. Natürlich ist es eine Zeit, in der wir ihn sehr, sehr gut gebrauchen könnten.“

Totaler Fruststart statt Neuanfang

Die Leidenszeit von Kleindienst findet kein Ende. Nachdem der 31-Jährige die vergangene Saison fast komplett verpasst hatte wegen einer Knieoperation im Mai 2025, wollte der Angreifer mit Beginn der neuen Spielzeit wieder voll aufs Gaspedal treten. Die ersten Saisonmonate aber wurden zu einer riesengroßen Enttäuschung. Schwache Auftritte an den ersten Spieltagen, die offenbarten, dass Kleindienst noch weit weg ist von seiner Topform. Dazu der Wirbel nach seiner Kritik an den Mitspielern. Im Spiel beim SC Freiburg (0:5) am 3. Spieltag der Platzverweis. Und dann die Muskelgeschichten, die jetzt zur nächsten Zwangspause führen. Ein totaler Fruststart statt des erhofften Neuanfangs.

„Tim ist natürlich sehr traurig aufgrund der Situation“, berichtete Blessin am Freitag und erinnerte an eine Faustregel: „Nach schweren Verletzungen braucht man noch mal die gleiche Zeit, bis man wieder im Vollbesitz seiner Kräfte ist. Es gibt viele Beispiele, die zeigen, dass es dann auch zu Rückschlägen kommt. Jetzt gilt es, ihn zu unterstützen.“ Aus dem persönlichen Gespräch mit dem Kapitän habe Blessin mitgenommen, dass Kleindienst „klar im Kopf ist“ und nach der ersten Enttäuschung auch schon wieder voller Tatendrang stecke. „Er will so schnell wie möglich zurückkommen und wird alles dafür tun. Und ich kann es auch versprechen: Tim kommt wieder zurück.“

Lidberg und Machino nutzen die Chance bisher nicht

Das Problem für die Borussia: Als verlässlicher Back-up hat sich bisher kein Stürmer hervorgetan. Weder der extra für die Stellvertreter-Rolle verpflichtete Isac Lidberg, für 3,5 Millionen Euro von Darmstadt 98 losgeeist, noch der auch im zweiten Jahr enttäuschende Shuto Machino nutzten bisher die Chancen, die sich durch den Kleindienst-Ausfall ergeben haben. Umso mehr zeigt sich rückblickend, was für ein Volltreffer-Transfer in der vergangenen Saison die Leihe von Haris Tabakovic war.

Mit 13 Toren und vier Assists wurde Tabakovic für die Borussia zu einer Lebensversicherung im Abstiegskampf. Der Mittelstürmer trifft jetzt für RB Salzburg wie am Fließband und erzielte in Bundesliga, Europa League und Europa-League-Qualifikation insgesamt neun Treffer. Im Kellerduell gegen Hoffenheim wird wahrscheinlich wieder Lidberg (ein Saisontor) auf der Neun beginnen.

Neue Sorgen gibt es für Blessin ebenso in der Abwehr. Jan Leszczynski hat sich im Training eine Kniestauchung zugezogen und fällt bis auf Weiteres aus. Da auch Ko Itakura (Muskelfaserriss) weiterhin passen muss, stehen dem VfL-Coach zwei Stammkräfte aus der Dreierkette nicht zur Verfügung. Alles andere als gute Voraussetzungen, um am Sonntag den so wichtigen Befreiungsschlag zu landen.

 

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