Seit November 2022 ist Mario Vuskovic wegen Dopings gesperrt, beteuert bis heute seine Unschuld, seit Dienstag ist er, zumindest teilweise zurück: Der inzwischen 24-jährige Kroate darf wieder beim HSV trainieren und sich im Kreise der Kollegen auf sein Comeback im November vorbereiten.
HSV feiert emotionale Rückkehr mit 7000 Fans
Es war 15:17 Uhr als Vuskovic erstmals wieder den Rasen des Volksparkstadions betrat. Der HSV hatte diese erste Einheit der Woche in die Arena verlegt, weil sich ein gewaltiges Zuschaueraufkommen abgezeichnet hatte. Ungefähr 7000 Fans kamen tatsächlich, empfingen den kroatischen Innenverteidiger mit donnerndem Applaus, Sprechchören und einem Banner in dessen Muttersprache: „Der Weg war weit, das Ziel ist nah. Willkommen zurück, Mario Vuskovic.“ Unter den Zuschauern waren auch ehemalige Wegbegleiter: Tim Walter war aus Kiel gekommen, die langjährigen Kollegen Sebastian Schonlau und Jonas Meffert ebenso.
Auch Ex-Trainer Walter kam zum ersten Training
Der Empfang und die Aufwartung von Walter und Co. verdeutlicht den immensen Stellenwert von Vuskovic. Für Eric Huwer steht vor allem die emotionale Bedeutung im Vordergrund. „Es hat heute viele Umarmungen gegeben“, verrät der Vorstand – gerade auch mit den Eltern des Spielers, die anwesend waren, ebenso aber auch in der Kabine. Miro Muheim sagt: „Es war ein ganz spezieller Moment, Mario wieder in der Kabine unter uns zu haben.“
Der Schweizer waren neben Keeper Daniel Heuer Fernandes der einzige HSV-Profi, der an jenem verregneten Novembertag des Jahres 2022 zu jenem HSV-Kader gehörte, der 0:1 in Fürth verlor und letztmalig mit Vuskovic auflaufen durfte. Er beteuert: „Wir alle haben immer an seine Unschuld geglaubt. Mario ist unglaublich charakterstark, ein besonderer Mensch.“
Der Charakter Vuskovic, hofft Muheim, soll dem HSV möglichst auch jetzt schon helfen, obwohl der Spieler frühestens ab dem 22. November, dem Nordderby bei Werder Bremen, eine sportliche Hilfe sein kann. Denn: Bis dahin ist der Profi weiterhin gesperrt. Er wird daher aus juristischen Gründen keine Interviews geben, nicht für Marketingzwecke eingesetzt, er soll und wird vorerst nicht einmal Autogramm- und Selfie-Wünsche erfüllen, damit garantiert nicht gegen die Auflagen von WADA und NADA verstoßen wird. Er darf wieder trainieren, gilt bis November aber weiterhin gesperrt.
Muheim glaubt jedoch an die Energie, die jetzt schon vom Rückkehrer ausgehen kann. „Er wird uns mit seiner bloßen Anwesenheit in der Kabine helfen. An einem Spieler und Charakter, der es geschafft hat, diese vier Jahre zu überstehen und auf diesen Tag hinzuarbeiten, können wir uns alle orientieren und eine Scheibe abschneiden. Davon bin ich felsenfest überzeugt.“
Aber kann Vuskovic auch sportlich helfen nach der langen Auszeit? Offensichtlich und wenig überraschend ist, dass er sich am Dienstagnachmittag in einem körperlichen Top-Zustand präsentiert hat. Mit dem kroatischen Zehnkampfmeister Josko Vlasic hatte er einen persönlichen Fitnesstrainer engagiert, wirkte extrem drahtig und austrainiert. In den Spielformen demonstrierte er bisweilen auch seine bekannte Schussstärke, ließ mit seinen Toren ein Raunen durch den Volkspark gehen.
Muheim verweist zwar auch darauf, dass schwer abschätzbar ist, wie schnell Vuskovic das Timing und Raumgefühl wieder erlangt, er ist aber sicher: „Mario wird es schaffen.“ Vorstand Huwer pflichtet dem Schweizer WM-Teilnehmer bei, sagt trotz der Ungewissheit angesichts der Willensleistung des Spielers, dass er es trotz der vierjährigen Sperre bis hierhin geschafft hat: „Wir haben jetzt die gesamte Familie kennengelernt, seine Eltern Sanja und Daniel, im letzten Jahr Luka. Ich bin sicher, wenn es einer schafft, dann trägt er den Namen Vuskovic.“
