Mit eindrucksvoller Frühform knüpft Phillip Tietz in Mainz an die jüngste Rückrunde an. Seine Stärke beruht auch auf einem Kleidungsstück.
Auch die neue Nummer setzt Kräfte frei
Ob es wirklich an der Magie der neuen Rückennummer liegt? Diese Kausalität will Phillip Tietz jedenfalls nicht ausschließen: „Ich weiß nicht, ob man es nachvollziehen kann“, erklärt der Mainzer Angreifer, „und für die Fans, die sich schon ein Trikot mit der 20 geholt hatten, tut es mir auch ein Stück weit leid. Aber die 9 gibt mir nochmal ein anderes Gefühl, mehr Selbstvertrauen.“ Also sicherte er sich in seiner ersten Sommervorbereitung am Bruchweg jene Ziffer auf dem Dress, die zuvor Flügelspieler Arnaud Nordin zugeordnet war, aber klassischerweise einen Mittelstürmer kennzeichnet.
Die Folgen sprechen für sich: Beim 3:0 gegen Holstein Kiel feierte Mainz den vierten Sieg im vierten Testspiel. Und zum vierten Mal markierte Tietz das 1:0. Wie schon gegen Landesligist Pfeddersheim (11:0), Oberligist Eisbachtal (10:0) und den Kieler Zweitliga-Rivalen Kaiserslautern (4:1). Natürlich „kann man sich für Tore und Siege in der Vorbereitung nichts kaufen“, relativiert der 1,90-Meter-Brocken. Dennoch besitzt auch für ihn speziell der jüngste Erfolg Aussagekraft: „Die 2. Liga fängt in zwei Wochen schon an, während wir gerade die härtesten Wochen der Vorbereitung absolvieren.“
„Letztlich bin ich froh, dass ich in Augsburg ein halbes Jahr auf der Bank saß.“ (Phillip Tietz)
Nach seinem Winterwechsel wurde Tietz bereits in der vergangenen Rückrunde zum wesentlichen Faktor für die Rettung der 05er: „Letztlich bin ich froh, dass ich in Augsburg ein halbes Jahr auf der Bank saß – sonst wäre ich nicht in Mainz gelandet“, rekapituliert er. Aktuell scheint sein Stellenwert sogar höher denn je. Auch wenn der Profi selbst sowie Trainer Urs Fischer von Garantien nichts wissen wollen, läuft derzeit alles auf ein Duell zwischen Sheraldo Becker und Ransford Königsdörffer um den Platz neben Tietz hinaus. Dessen Einschätzung: „Beide machen es klasse. Mit unterschiedlichen Stärken, aber jeweils super viel Tiefe. Ich komme mit beiden super klar.“
Zugleich profitiert sein jeweiliger Sturmpartner immer auch von Tietz, der sich „nicht zuerst über Tore definiert“. Vielmehr beschreibt er seinen Stil treffend so: „Mich reinwerfen, Kopfballduelle gewinnen, Bälle ablegen, in die Spitze durchstecken. Damit will ich der Mannschaft helfen. Kommen Tore dazu, ist es umso besser.“ Seine „bisher beste Saison“ macht er gleichwohl statistisch fest: 15 Tore und neun Assists für Darmstadt im ersten Zweitliga-Jahr 2021/22. „Auch da mit der Nummer 9“, lächelt er. Spätestens wenn die Torquote wieder zweistellig wird, dürften ihm auch die 05-Fans mit veralteten Tietz-Trikots den Nummernwechsel vorbehaltlos verziehen haben.
