Daniel Thioune hat kaum Zeit, seine Mannschaft vor dem Auswärtsspiel in Freiburg kennenzulernen und seine Spielidee zu unterbreiten. Für den Werder-Trainer stehen aber zunächst ohnehin unmittelbare Erfolge im Vordergrund.
Werder-Trainer will „Last abwerfen“
Seit seiner Kindheit hat Daniel Thioune davon geträumt, um 15.30 Uhr an der Bundesliga-Seitenlinie zu stehen, nun geht dieser Traum ganz schnell in Erfüllung. Zwischen seiner Vorstellung als neuer Trainer des SV Werder Bremen am Mittwochnachmittag und seinem Debüt an der Seitenlinie am Samstagnachmittag in Freiburg zu ebenjener Uhrzeit liegen nur knapp 72 Stunden, viel Zeit zur Eingewöhnung, zum Kennenlernen der Mannschaft oder gar der Umsetzung neuer taktischer Ideen hat der 51-Jährige also nicht.
„Im Vordergrund steht, dass wir ein gutes Ergebnis erzielen und ein wenig Last abwerfen“, brach Thioune seine Aufgaben für die ersten Tage in der Hansestadt entsprechend auf das Wesentliche herunter: In Bremen sehnt man sich nach zehn Spielen ohne Sieg und dem Abrutschen auf Platz 15 nach einem Dreier; ordentliche Leistungen, die Thioune in den Spielen unter seinem Vorgänger Horst Steffen stets gesehen hatte, sollen endlich wieder Zählbares zur Folge haben.
Dafür gelte es, der Mannschaft zu helfen, die verlorene Leichtigkeit wiederzufinden und diese in der knappen Zeit bis zum Spiel „inhaltlich zu unterfüttern“. Zwar habe er noch bei weitem nicht die Zeit gehabt, mit allen Spielern Einzelgespräche zu führen, doch immerhin die Gelegenheit zu längerem Austausch mit „drei Spielern aus dem inneren Kreis der Mannschaft“ habe es gegeben. Davon sollen in den kommenden Tagen viele weitere folgen, sodass auch die „vielen neuen Gesichter“ die Chance haben, ein Gefühl von Thiounes Arbeitsweise zu bekommen.
„Es steht noch sehr viel an, aber es ist wichtig zu sortieren: ‚first things first'“, so Thioune. „Also muss ich erstmal das machen, was ich im Augenblick für wichtig erachte.“ Ergo: Die unmittelbare Vorbereitung auf das Spiel beim Sport-Club und nicht die individuellen Wünsche einzelner Spieler: „Ich werde nicht alle glücklich machen können, das steht außer Frage, ich kann nicht alle spielen lassen.“
In Anbetracht der aktuellen Freiburger Form inklusive acht Heimspielen ohne Niederlage hält es Thioune für „sehr schwierig, vollends auf sich zu schauen“: „Deswegen schauen wir auch ein gutes Stück weit auf den Gegner.“ Deshalb sei ein gegnerorientierter Spielansatz zu erwarten, für den Thioune seiner Mannschaft Lösungen an die Hand geben möchte, „die vielleicht auch den Freiburgern wehtun können“.
„Was ich in Freiburg sehen möchte, ist, dass diese Mannschaft sich zerreißt“
Konkret gelte es, das in den vergangenen Monaten ineffektive eigene Umschaltspiel zu verbessern und Spielzüge des Gegners im Umschaltspiel zu unterbinden. Das sei zunächst eine Frage der Haltung, nicht von Inhalten. „Wenn ein Ballverlust da ist, dann geht es gar nicht darum, zu gucken, wer dran schuld ist, sondern dann geht es erst mal darum, sich da vielleicht darum zu streiten, wer den Ball wieder zurückerobert“, fordert Thioune. „Was ich in Freiburg sehen möchte, ist, dass diese Mannschaft sich zerreißt für den Moment. Und wer fleißig und beharrlich ist, wer gut arbeitet, wird irgendwann belohnt – und im besten Fall dann auch wieder im Ergebnis.“
