Es war nicht gerade ansehnlich, es lief auch nicht alles nach Plan. Am Ende aber hat der 1. FC Köln mit einem 1:1 beim FC St. Pauli den Vorsprung auf Relegationsplatz 16 auf fünf Punkte gehalten. Interimstrainer René Wagner hat die interne Vorgabe damit bislang erfüllt.
Köln bangt um Ache
„Wenn der FC St. Pauli gegen den 1. FC Köln am Freitagabend spielt, dann ist, glaube ich, keiner ins Stadion gekommen und hat Tiki-Taka erwartet“, sagte Sport-Geschäftsführer Thomas Kessler nach dem 1:1 am Millerntor, das sich über weite Phasen tatsächlich auf einem überschaubaren spielerischen Niveau bewegt hatte. Abstiegskampf eben.
Wobei der FC eigentlich gut reinkam, sich in den ersten zehn Minuten gleich zweimal annäherte. Dann aber rückte die Mannschaft ein Stück weit vom eigenen Plan ab, wie René Wagner erklärte. „Die Idee war schon, wenn St. Pauli uns hoch presst, dass wir dahinter spielen und gefährlich hinter die letzte Linie kommen wollen“, sagte der Interimstrainer zwar mit Blick auf die vielen langen Bälle seiner Mannschaft. „Dann wollten wir aber im Übergang und im letzten Drittel Kontrolle bekommen. Die Struktur haben wir gar nicht gefunden, haben nur noch den langen Ball gespielt, das war nicht der Plan.“
So gelang aus dem Spiel heraus lange Zeit nichts mehr, was sich auch mit der Hereinnahme von Linton Maina, der sich nicht wie sein Vorgänger Jan Thielmann in die Fünferkette fallen ließ, nicht änderte. „Ich glaube, dass nicht immer das Problem bei uns liegt, sondern dass der Gegner es auch gut macht“, nahm Wagner sein Team in Schutz.
„Das ist schon eine gute Situation für uns.“ (Thomas Kessler)
Letztlich tat der FC ja ohnehin das, was ihm in dieser Saison bereits zum zehnten Mal gelang: Er kam nach einem Rückstand zurück. Luca Waldschmidts Elfmetertor bescherte den Kölnern einen Punkt, mit dem die Verantwortlichen sehr gut leben konnten. „Dass wir, und da nehme ich mich mit rein, nach einem Heimsieg gegen Bremen (3:1) davon ausgehen, dass wir uns von allen Sorgen befreien können und dass die Erwartungshaltung in diese Richtung bestand, ist völlig normal und okay“, gestand zwar auch Kessler, betonte aber zum wiederholten Mal, die Situation rational zu sehen.
Und das fiel leicht, schließlich änderten sich die Fakten nicht. „Wir haben wiederholt ein Spiel nicht verloren und gegen einen direkten Konkurrenten den Abstand auf fünf Punkte gehalten“, blickte der Sport-Geschäftsführer auf die Tabelle und kam bei noch vier ausstehenden Spielen zum nachvollziehbaren Fazit: „Das ist schon eine gute Situation für uns.“
Lob für Wagner: „Genau die Schritte, die man benötigt“
Eine, an der auch Wagner seinen Anteil hat, schließlich hat der Interimscoach das intern gesteckte Ziel von vier Punkten gegen Bremen und St. Pauli erreicht. „Die Arbeit mit René macht nicht nur den Jungs Spaß. Ich habe auch den Eindruck, dass die Zusammenarbeit im Staff und auch zwischen uns beiden sehr positiv und sehr offen ist“, lobte Kessler den vorerst als Übergangslösung eingesprungenen Coach.
Wagner habe an den „kleinen Stellschrauben“ gedreht und damit genau das umgesetzt, was sich die Verantwortlichen von dem Trainerwechsel erhofft haben. „Er kommuniziert unheimlich viel und hat es schon geschafft, dass die Jungs die Intensität im Training ein Stück weit angezogen haben.“ Und er hat eben als Cheftrainer noch nicht verloren. „Das sind genau die kleinen Schritte, die man benötigt, wenn man im nächsten Jahr in der Bundesliga spielen will. Das war das Ziel, nicht mehr und nicht weniger. Er macht das sehr akribisch, macht einen guten Job, deswegen freue ich mich auch für ihn.“
Kessler über Ache: „Sah nicht gut aus“
Alles im Lot also beim FC vor dem kleinen Derby gegen Bayer 04 Leverkusen nächste Woche Samstag (15.30 Uhr) – wenn da nicht diese Verletzung von Ragnar Ache gewesen wäre. Der Stürmer griff sich bei einem Sprint kurz nach der Pause an den rechten Oberschenkel, spielte den Ball noch mit links zum Mitspieler, ging anschließend zu Boden und musste ausgewechselt werden.
„Es sah nicht gut aus“, blickte Kessler auf die Szene. „Er war in der Kabine auch ein Stück weit niedergeschlagen, was völlig normal ist.“ Schließlich droht dem Stürmer bei einer muskulären Verletzung das Saison-Aus. Eine Diagnose steht allerdings noch aus.
