Spitzname und Markenzeichen: Der „Stopper“ ist gegangen

Borussia Dortmund trauert um Klub-Ikone Wolfgang Paul. Der Kapitän der Europapokalsieger-Mannschaft von 1966 ist im Alter von 86 Jahren nach langer Krankheit gestorben.

Nachruf auf BVB-Legende Wolfgang Paul

Erst kürzlich jährte sich das Datum zum 60. Mal. Am 5. Mai 1966 wurde im Hampden Park in Glasgow deutsche Fußball-Geschichte geschrieben. Borussia Dortmund holte als erste deutsche Mannschaft einen Europapokal. Mit dem Sieg gegen den FC Liverpool im Wettbewerb der Pokalsieger machte sich die Mannschaft unsterblich.

Zum Team gehörten Größen wie Hans Tilkowski, Rudi Assauer, Siggi Held, Reinhard Libuda oder Lothar Emmerich. Kapitän der Truppe von Trainer Willi Multhaup aber war Wolfgang Paul. Jetzt trauert man nicht nur in Dortmund um den Verteidiger, der am Sonntag im Alter von 86 verstarb. „Diese Nachricht macht uns unendlich traurig. Wolfgang war bescheiden, bodenständig. Eine treue Seele. Eine ehrliche Haut. Ein ganz feiner Mensch. Eine BVB-Ikone. Wolfgang war mehr als ein Freund. Ich werde ihn sehr vermissen“, sagte BVB-Präsident Hans-Joachim Watzke über Paul, der erster Ehrenspielführer des Klubs, Ehrenmitglied, Träger der goldenen Vereinsnadel und lange Jahre Vorsitzender des Ältestenrates war.

Am „Stopper“ kam man schwer vorbei

Der 2:1-Triumph in der schottischen Metropole, herausgeschossen in einem hochemotionalen Spiel durch ein Libuda-Tor in der Verlängerung, war der Höhepunkt der Karriere des Abwehrspielers, dem die Fans den Spitznamen „Stopper“ verliehen hatten. Er räumte hinten auf, er sicherte ab – Paul war da, wo es brannte.

Vor allem auf dem Weg nach Glasgow, in Glasgow selbst und auch sonst genoss der im Sauerland aufgewachsene Paul höchstes Ansehen. Sein Spitzname war sein Markenzeichen: Am „Stopper“ war immer schwer vorbeizukommen. Qualitäten, die schon 1962/63 zum Tragen gekommen waren, als er mit dem BVB die Meisterschaft gewann, 1965 folgte der DFB-Pokalsieg.

Paul war wegen seiner bescheidenen Art nicht nur im Ruhrgebiet geschätzt. Der gelernte Uhrmacher blieb dem BVB auch nach seiner Karriere verbunden, 2024 wurde er zum Ehrenspielführer ernannt. Den Spitznamen Stopper „verteidigte“ er auch in der Zeit nach seinen 148 Bundesliga-Spielen, eine Zeit, die 1968 durch eine schwere Verletzung endete.

Kein DFB-Einsatz, aber bei der WM 1966 dabei

Eine Karriere in der Nationalelf blieb ihm versagt. Im Frühjahr 1966 war Bundestrainer Helmut Schön auf ihn aufmerksam geworden, ein offizielles Länderspiel bestritt Paul nie. Immerhin: 1966 gehörte er zum Kader, der in England Vizeweltmeister wurde, Paul wurde jedoch nicht eingesetzt. Den Platz in der Fußball-Historie konnte ihm da schon keiner mehr nehmen.

 

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