Spezieller Test gegen Osnabrück: Michel und das Paderborner Kuriosum

Ein Triumph in der Relegation und ein Schein-Abstieg: Die „Bremer Brücke“, Stadion des niedersächsischen Nachbarn Osnabrück, war für Paderborn mehrfach ein heißes Pflaster. Jetzt geht es im Test um Erkenntnisse in der Saisonvorbereitung.

Als der SCP07 schon in die Regionalliga verabschiedet wurde

Relegation? Können Sie! Den Beweis traten die Paderborner nicht erst in diesem Jahr an, als sie als klarer Außenseiter den Bundesliga-16. VfL Wolfsburg in zwei Partien mit 0:0 und 2:1 nach Verlängerung ausschalteten und aufstiegen. 18 Jahre liegt bereits der erste Triumph der Ostwestfalen in Ausscheidungsspielen dieser Art zurück: Als Drittplatzierter der 3. Liga ging es am Ende der Saison 2008/09 gegen den Zweitligisten VfL Osnabrück. Und auch hier behauptete sich der Underdog, der beide Spiele jeweils mit 1:0 gewann, folglich mit den Lila-Weißen die Liga tauschte und auf dessen Rasen feiern durfte.

Osnabrück, Testspielpartner der Paderborner an diesem Samstag – das ist nicht irgendein Gegner. Der nur 90 Kilometer entfernte Rivale aus dem benachbarten Niedersachsen war schon häufig Partner für hitzige Derbys. Zuletzt stach vor gut neun Jahren ein emotionales Ereignis besonders hervor – mit kurioser Wendung: Am 20. Mai 2017 benötigen die Paderborner im Abstiegskampf der 3. Liga auf dem heißen Pflaster „Bremer Brücke“ in Osnabrück am letzten Spieltag einen Sieg. Im Fernduell würde man so vor der Zweiten des SV Werder Bremen auf dem sicheren 17. Platz vor den seinerzeit drei Abstiegsplätzen verbleiben. Die Mannschaft von Trainer Steffen Baumgart versucht bis zum Schluss alles. Damals bereits dabei: Sven Michel, der in der 83. Minute eingewechselt wird. Der Stürmer rennt mit seinem Team an, doch es bleibt bei einem torlosen 0:0.

1860 rettet den SCP

Von höhnischen Gesängen der Osnabrücker Fans begleitet, schleichen die Paderborner, 2014/15 noch erstklassig, in die Kabine und treten den bitteren Weg in die Viertklassigkeit an. Oder doch nicht? Nein, denn Zweitligaabsteiger 1860 München gelingt es auch in jenem Jahr einmal nicht, die Lizenzbedingungen für die 3. Liga 2017/18 zu erfüllen. Der DFB versetzt den TSV in die Regionalliga Bayern – und Paderborn bleibt am grünen Tisch drittklassig, steigt zwei Jahre später sogar mit Baumgart und Michel ein zweites Mal in die 1. Liga auf!

Wenn der aktuelle SCP07-Coach Ralf Kettemann nun Michel und das übrige Team zum Abschluss des ersten Teils der Vorbereitung bei der Osnabrücker Saisoneröffnung aufs Feld schickt, spielt die lokale Rivalität wieder eine feine, wenn auch untergeordnete Rolle. Etwa bei Steffen Tigges, der in Osnabrück zur Welt kam und beim VfL groß wurde. Jano ter Horst ist ein weiterer Spieler der Region, der jüngst vom nahegelegenen Preußen Münster nach Paderborn wechselte. „Ich freue mich sehr, dass wir das Spiel noch gewonnen haben“, sagte der 24-Jährige jüngst nach dem 2:1-Testspielsieg am Mittwoch gegen den FC Southampton, zu dem er gleich beide Tore gesteuert hatte. „Das gibt der gesamten Mannschaft ein gutes Gefühl.“

Ter Horst soll auf der rechten Außenbahn künftig zumindest eine gute Alternative zum umworbenen Laurin Curda bilden. „Ich freue mich sehr, dass es mit Paderborn geklappt hat“, so der gebürtige Bad Bentheimer. „Ich hatte eine schöne Zeit in Münster. Doch nun will ich hier den nächsten Schritt gehen.“ Das gilt in Paderborn traditionell für weitere Newcomer wie etwa die Mittelfeldspieler Albert Millgramm und Luka Duric oder den weiteren Ex-Münsteraner Oliver Batista Meier in der Offensive. Alle sollen nochmals Spielpraxis erhalten. Verteidiger Nyamekye Awortwie-Grant allerdings verpasst wegen einer Knieverletzung große Teile der bisherigen Vorbereitung und muss das Rennen später von hinten aufnehmen.

Nach ein paar Tagen Pause im Abschluss an die Begegnung in Osnabrück startet für die Paderborner der Feinschliff mit Blick auf das erste Pflichtspiel am 23. August im Pokal bei Regionalligist Phönix Lübeck. In den bis dahin noch anstehenden Probespielen soll sich die Startelf größtenteils finden. Ein doppelter Härtetest steht auf diesem Weg am Samstag kommender Woche mit dem Mammut-Vergleich gegen den neuen Liga-Konkurrenten Werder Bremen auf dem Programm.

 

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