Reflektierter Krösche räumt ein: „Ich bin mir nicht treu geblieben“

Mit nachdenklichen, selbstkritischen Worten lässt Frankfurts Sportvorstand Markus Krösche die Spielzeit Revue passieren. Außerdem erklärt er, welche Erwartungshaltung er an den neuen Trainer hat

Frankfurt-Boss über die Trainersuche

Ruhig, sachlich und selbstkritisch ordnet Markus Krösche auf einer Pressekonferenz am Dienstag die Saison der Eintracht ein. All den Schlamassel der gerade zu Ende gegangenen Spielzeit nimmt der Frankfurter Sportvorstand auf seine Kappe. Mit dieser offenen Art der Kommunikation gelingt es ihm, seinen Kritikern etwas Wind aus den Segeln zu nehmen. Krösche beschönigt nichts und räumt ein, dass er selbst von seinem Weg abgekommen ist. Aber der Reihe nach.

„Am Ende haben wir keines unserer Ziele erreicht, das ist meine Verantwortung. Ich habe einige Entscheidungen getroffen, die nicht so funktioniert haben, wie ich mir das vorgestellt habe“, resümiert Krösche. Er verweist auf den guten Saisonstart und rekapituliert: „Danach haben wir es über die Monate Richtung Weihnachten nicht geschafft, eine gewisse Stabilität und Konstanz reinzubekommen.“ Auch die zahlreichen Verletzungen hätten einen Teil dazu beigetragen, dass die Mannschaft nicht so stabil und in der Champions League „nicht wettbewerbsfähig“ gewesen sei.

Freispruch für Schmitt und Riera

Die Interimstrainer Dennis Schmitt und Alex Meier nimmt er aus der Schusslinie. Das Duo hatte nach der Entlassung von Dino Toppmöller alle vier Spiele verloren, zwei in der Liga, zwei in der Königsklasse. „Das lag nicht an Dennis oder Alex, sondern an meiner Entscheidung. Ich brachte sie in eine schwierige Situation, weil sie wegen der Spiele in der Champions League unter der Woche keine Möglichkeiten hatten, mit der Mannschaft zu arbeiten“, erläutert Krösche.

Der vor allem an seiner komplizierten Persönlichkeit gescheiterte Albert Riera bekommt von ihm ebenfalls keine Vorwürfe zu hören: „Ich habe ihn in eine Situation gebracht, in der er kaum die Möglichkeit hatte, erfolgreich zu sein. Einen Trainer aus dem Ausland, der die Sprache nicht spricht und die Liga nicht kennt, in diese Situation zu bringen, war meine Entscheidung und Fehleinschätzung. Ich trage die Verantwortung dafür, dass wir Achter geworden sind und keinen internationalen Platz erreicht haben.“

Auch die Kritik an den vermeintlichen Führungsspielern will er sich nicht zu eigen machen. „In erster Linie ist das natürlich meine Verantwortung, weil ich in den Kader zusammenstelle. Wir sind nicht so stabil gewesen, wie ich das gedacht habe“, bilanziert der 45-Jährige. Er verweist auf das Saisonfinale 2024/25, als die Mannschaft im „Endspiel“ um den Einzug in die Champions League die Nerven behalten und in Freiburg gewonnen hatte. 60 Punkte und Platz 3. Auch der kicker hatte die Mannschaft vor der Saison stärker eingeschätzt.

Es ehrt Krösche, dass er als Boss öffentlich alle Fehlentwicklungen auf sich nimmt und dabei wie ein Übervater wirkt. Doch intern muss Tacheles geredet werden, es stehen weitere wichtige Personalentscheidungen an, auch unbequeme. Zu viele Spieler, aber auch Mitarbeiter in anderen Bereichen, sind ihrer Eigenverantwortung nicht gerecht geworden. Im Profi-Camp sollte auf allen Etagen einmal kräftig durchgelüftet werden.

Hütter? Jaissle? Mister X?

Am bedeutendsten ist die sich anbahnende Trainerentscheidung. Noch ist offen, wer der Favorit auf die Nachfolge von Riera ist. Adi Hütter? Matthias Jaissle? Oder Mister X? Krösche wünscht sich, nicht zuletzt wegen der Planungen der neuen Saison, eine „zeitnahe Lösung“. Das Profil umreißt er folgendermaßen: „Es geht darum, dass wir wieder eine gewisse Stabilität bekommen. Wir wollen jemanden finden, der eine klare Idee hat, wie er Fußball spielen will. Und wir wollen wieder eine gewisse Intensität in unser Spiel bekommen, eine Mischung zwischen Umschaltfußball und Ballbesitzfußball. Wir müssen beide Themen beherrschen, um regelmäßig um die internationalen Plätze kämpfen zu können.“

Das Thema Intensität liegt ihm besonders am Herzen. „Es war entscheidend, dass wir es nicht geschafft haben, Intensität auf den Platz zu bekommen. Wir müssen als Team die Energie erzeugen, um das Stadion mitzunehmen“, bekräftigt Krösche. Das war phasenweise schon in den zweieinhalb Jahren unter Toppmöller ein Problem. Es gab zu viel Ballgeschiebe und Schlafwagenfußball.

„Das wichtigste Prinzip, das ich missachtet habe“

Krösche selbst will wieder stärker nach seinen Prinzipien handeln. „Es gibt ein paar Prinzipien, mit denen ich arbeite. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich mir bei der einen oder anderen Entscheidung nicht treu geblieben bin.“ Unter anderem beim Trainerwechsel. „Das wichtigste Prinzip, das ich in dem Fall missachtet habe, lautet: Wenn man innerhalb einer Saison den Trainer tauschen muss, darf man niemanden holen, der die Liga nicht kennt und nicht über die Erfahrung verfügt.“

  • Frankfurts Saison-Zeugnis: Krösches blechernes Händchen – Riera ist nur das i-Tüpfelchen (k+)

Es ist ein Spiel der Wahrscheinlichkeiten. Krösche ist normalerweise ein sehr analytischer Manager, der das Chance-Risiko-Verhältnis genau abwägt. Warum holte er trotzdem Riera? „Meine Überzeugung war so stark, dass ich das Prinzip der Vorsicht ausgeblendet habe. Das ist meine Verantwortung, das nehme ich auf meine Kappe.“

Unstrittig ist, dass Riera an guten Tagen eine gewisse Aura umgibt, dann kann er andere mitreißen und begeistern. Auch Krösche betont die Bedeutung des persönlichen Eindrucks im Gespräch: „Albert ist eine starke Persönlichkeit. Er hat eine klare Meinung, er ist sehr straight und hat auch eine klare Idee, wie es laufen soll. Das finde ich grundsätzlich erst mal gut. Wenn du eine Mannschaft führen musst, brauchst du eine gewisse Klarheit, Stringenz und Überzeugung.“ Unberechenbarkeit, Sturheit, Beratungsresistenz und cholerische Ausfälle zählen zu den weniger vorteilhaften Eigenschaften des Spaniers.

Unzufriedenheit und wenig Schlaf

Spurlos ging die sportliche Krise auch an Krösche nicht vorbei. „Ich habe in den letzten drei Monaten nicht wirklich viel geschlafen. Das ist so, weil ich weiß, welche Verantwortung ich trage. Es sind für mich die schwierigsten Situationen, wenn ich falsche Entscheidungen treffe, weil ich dann mit mir selbst unzufrieden bin“, gewährt er einen Einblick in sein Seelenleben. Weiter führt er aus: „Ich kann eher damit leben, wenn Mitarbeiter oder andere Fehler machen. Aber wenn ich falsche Entscheidungen treffe, macht das schon etwas mit mir. Ich bin perfektionistisch. Wichtig ist, dass ich daraus die richtigen Lehren ziehe und bei mir bleibe. Ich werde keine 180-Grad-Wendung vollziehen.“

Das wäre ihm auch nicht zu raten. Krösches Weg als Manager war bislang von Erfolgen gepflastert. In Frankfurt vollzog er den Aufstieg zu einem der renommiertesten Manager der Bundesliga. Auch wenn sein Image nun ein paar Kratzer abbekommen hat, ist ihm die wichtige Kurskorrektur am Main zuzutrauen. Mangelnde Selbsterkenntnis kann man ihm nach dieser denkwürdigen Pressekonferenz definitiv nicht vorwerfen.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Neue Wettanbieter

BESITZER: Aurevia IT Group
LIZENZ: Curacao

JAHRESUMSATZ: 10.000.000€
BESITZER: GBL Solutions N.V.
LIZENZ: Curacao

JAHRESUMSATZ: 20.000.000€
BESITZER: Sprut Group B.V.
LIZENZ: Curacao

JAHRESUMSATZ: 1.000.000€
BESITZER: Liernin Enterprises LTD
LIZENZ: Komoren (Anjouan)

JAHRESUMSATZ: 1.000.000€
BESITZER: Liernin Enterprises LTD
LIZENZ: Komoren (Anjouan)

JAHRESUMSATZ: 1.000.000€
BESITZER: Liernin Enterprises LTD
LIZENZ: Komoren (Anjouan)

© Copyright 2024