Mit Plan und Persönlichkeit: Warum Backhaus so gut zum SC passt

Dass sich Mio Backhaus beim SC Freiburg pudelwohl fühlt, ist im Trainingslager nicht zu übersehen. Trainer Julian Schuster wundert das nicht, denn gleich im ersten Gespräch war er überrascht von seiner neuen Nummer 1.

Wo der Freiburger selbst das meiste Potenzial sieht

Aus Freiburgs Trainingslager in Schruns berichtet Moritz Kreilinger

Auf dem Papier muss Mio Backhaus noch auf sein Mandat warten. Die Nummer 1 gehört offiziell nämlich noch Noah Atubolu, der auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber ist. Diese Formalie hindert Backhaus aber keineswegs daran, in Freiburg anzukommen. Im Gegenteil.

„Die Jungs haben mich mit offenen Armen empfangen. Ich glaube, genau das zeichnet unsere Mannschaft auch aus. Das ist schon ein cooler Teamgeist, wenn ich abends hier sitze und wir mit acht, neun Leuten am Tisch spielen“, berichtet der neue Torhüter im Trainingslager. Diese Willkommenskultur ist etwas, wovon Freiburger Neuzugänge regelmäßig nach ihren ersten Wochen schwärmen und damit zeigen: Das ist in der Branche keine Selbstverständlichkeit – ganz sicher aber Teil des Freiburger Erfolgsrezepts.

Während der SC Freiburg in seiner Entwicklung seit Jahren nur den Weg nach oben kennt, kletterte parallel auch Backhaus auf einer steilen Karriereleiter. Mit 19 Jahren im Sommer 2023 wird er Stammkeeper beim FC Volendam in der niederländischen Eredivisie, mit 21 Jahren 2025 die Nummer 1 bei Werder Bremen und jetzt gehört ihm mit 22 Jahren selbiger Posten beim amtierenden Europa-League-Finalisten – der Backhaus mit zwölf Millionen Euro zu seinem Rekordtransfer machte.

Ein Wechsel war nicht geplant

Dabei war der letzte Schritt nicht abzusehen. „Trotz allem, dass die letzte Saison mit den vielen verlorenen Spielen und der Tabellensituation echt hart war, werde ich das nie vergessen. Ich habe es genossen, für Werder im Tor stehen zu dürfen und hatte eigentlich auch geplant, dort zu bleiben“, berichtet Backhaus.

Als Klemens Hartenbach und Jochen Saier, die Freiburger Sport-Chefs anklopften, änderte sich die Situation aber: „Es hat sich in den Gesprächen total richtig angefühlt. Hier hat man einen klaren Plan und der wird durchgezogen. Da wollte ich dabei sein, da habe ich mich gesehen. Außerdem kann ich mich total mit den Werten identifizieren, für die dieser Verein steht.“ Dass Hartenbach einst selbst als Torhüter spielte, war der Stimmung in den Gesprächen zuträglich, wie Backhaus erzählt: „Es war schon ganz cool und lustig, wenn Klemens über seine Erfahrungen von früher gesprochen hat.“

Noch keine drei Wochen ist es her, dass Backhaus beim Trainingsauftakt erstmals mit seinen neuen Kollegen auf dem Rasen stand. Schon jetzt wirkt es, als würde der 1,94 Meter-Mann bereits ewig dazugehören. Von Anpassungsschwierigkeiten keine Spur. „Er hat mich vom ersten Gespräch an überrascht. Es war gleich sehr vertraut und offen. Das Schöne bei ihm ist auch, dass er nicht nur konsumiert, sondern auch viele Fragen stellt. Ich kann auch beobachten, dass er sich sehr wohlfühlt“, berichtet Trainer Julian Schuster.

Auf dem Trainingsplatz gibt Backhaus Kommandos und danach im Meidengespräch den Dolmetscher für die drei Japaner, als wäre es das Alltägliche. Seine Jugend hat Backhaus in Japan verbracht, dem Herkunftsland seiner Mutter. Der Nebenjob als Integrationshelfer scheint ihm zu gefallen.

Gemessen wird er jedoch an dem, was zwischen den Pfosten und im Strafraum passiert. Die persönlichen Ratschläge, wie das in Freiburg so abläuft, bekommt er direkt vom Vorgänger – denn Atubolu ist bekanntermaßen noch da. „Es ist total angenehm mit ihm, er hat mir viel geholfen und ist generell ein angenehmer, hilfsbereiter Mensch“, betont Backhaus, der das erst recht in der aktuellen Lage zu schätzen weiß: „Das ist nicht selbstverständlich in seiner Situation. Respekt, wie er damit umgeht.“

Was Backhaus von Atubolu unterscheidet

Für die Vorderleute wird sich künftig das ein oder andere verändern. Abseits der Linie ist Backhaus aktiver. Vergangene Saison fischte er im Bremen-Trikot alle 74 Minuten eine Flanke ab, der dritthöchste Wert der Liga. Atubolu war da zurückhaltender (alle 106 Minuten). Backhaus agierte auch bei gegnerischen Umschaltmomenten aktiver und wählte alle 144 Minuten das Herauslaufen, Atubolu alle 204 Minuten.

Backhaus Passquote war mit 79 Prozent die viertbeste der Liga, was jedoch auch an relativ vielen Pässen über die kurze Distanz lag. Nur 36 Prozent seiner Zuspiele waren lange Bälle, Atubolu wählte diese Variante zu 54 Prozent, was die etwas schlechtere Passquote von 67 Prozent erklärt. Bei der Paradenquote lagen Backhaus (65 Prozent) und Atubolu (64 Prozent) nah beieinander.

Zu diesen Zahlen passt auch Backhaus‘ Selbsteinschätzung: „Ich habe eine gewisse Ruhe am Ball und glaube, dass ich meine großen Stärken im Raum habe. Ich bin auch auf der Linie gut, da sehe ich aber noch am meisten Potenzial. Da kann ich meinen nächsten Step machen und vielleicht mal den ein oder anderen Unmöglichen rauskratzen.“

Zwei Möglichkeiten für Länderspiele

Bis es so weit ist, dürfte er auch auf dem Papier ganz offiziell die neue Nummer 1 beim SC Freiburg sein. Und perspektivisch womöglich auch in einer A-Nationalmannschaft. Da wird sich der aktuelle U-21-Nationalkeeper des DFB noch entscheiden müssen: Deutschland oder Japan? Kontakt besteht zu beiden Verbänden.

 

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