Markus Krösche kennt das schon: Transfersommer in Frankfurt sind nie ruhig. Auch diesmal stehen viele Personalentscheidungen noch aus. Im Trainingslager in Grassau äußert sich der Eintracht-Sportvorstand zu den aktuellen Themen.
Eintracht-Boss bezieht Stellung
Aus Grassau berichtet Julian Franzke
Die Verpflichtung des Brasilianischen Verteidigers Otavio tütete Markus Krösche noch ein, bevor er am Dienstag in den Flieger nach Salzburg stieg und ins Frankfurter Trainingslager nach Grassau am Chiemsee reiste. Kurz nach seiner Ankunft sprach der Sportvorstand in einer Medienrunde über…
…das generelle Transfergeschehen: „Man merkt, dass alle Klubs erst mal verkaufen müssen. Der Käufermarkt in England startet erst jetzt richtig. Die bringen das Geld in den Markt – alle anderen Länder bringen nicht mehr wirklich viel Geld in den Markt. Die Bayern haben jetzt investiert, aber das ist unser Branchenprimus mit anderen Rahmenbedingungen. Alle anderen Klubs warten auf Verkäufe, weil sie Einnahmen brauchen. Wir haben schon über 80 Millionen Euro eingenommen, das war sicherlich auch hilfreich für unsere Transfers auf der Zugangsseite.“
…den 50-Millionen Transfer von Nathaniel Brown zum FC Bayern: „Das ist eine Auszeichnung für Nene, aber auch für uns als Eintracht Frankfurt: Dass sich Spieler bei uns so entwickeln, dass sie für diesen Betrag zu Bayern München gehen. Ich glaube, das ist in der Geschichte der teuerste Transfer innerhalb der Bundesliga. Es ist auch für den deutschen Fußball eine schöne Geschichte, dass er der Bundesliga erhalten bleibt. Wenn man sich die letzten Jahre anschaut: Woltemade, Wirtz, Ekitiké oder Marmoush sind alle ins Ausland gegangen.“
Noch kein Durchbruch bei Onyedika
…den Stand bei Sechser Raphael Onyedika, der von Club Brügge zur Eintracht wechseln soll: „Wir befinden uns im Austausch, es gibt aber noch keinen Durchbruch. Wir können noch keinen Vollzug melden.“
…die Wechselkandidaten Niels Nkounkou und Eric Junior Dina Ebimbe, die mit ins Trainingslager reisen durften: „Die Jungs sind in Gesprächen mit anderen Klubs. Trotzdem will sich Adi Hütter natürlich erst mal ein Bild von jedem einzelnen Spieler machen. Dann trifft man die Entscheidung, wie es weitergeht.“
Wie ist der Stand bei Kalimuendo und Wahi?
…eine mögliche Rückkehr des zuletzt ausgeliehenen Stürmers Arnaud Kalimuendo: „Momentan sind wir mit keinem im Austausch. Kali ist Spieler von Nottingham, mehr gibt es dazu nicht zu sagen.“
…die Zukunft von Elye Wahi, der zuletzt an Nizza verliehen war und verkauft werden soll: „Es gibt sicherlich den einen oder anderen Klub, der Interesse an ihm hat. Jetzt liegt es an ihm, sich zu entscheiden, was er machen will. Dann geht es darum, eine Lösung zu finden.“
…über mögliche Veränderungen im Tor: „Momentan ist es kein Thema, an der Konstellation etwas zu ändern.“
„Es gibt keine Anzeichen, dass er uns verlassen wird.“ (Markus Kröche über Can Uzun)
…Ausnahmespieler Can Uzun: „Es gibt keine Anzeichen, dass er uns verlassen wird. Aus der Türkei kommen immer wieder irgendwelche Nachrichten, es wird viel spekuliert. So wie Adi Hütter Fußball spielen lassen will, können wir Can in gute Positionen bringen, sodass er seine größte Gefahr ausstrahlt. Er verfügt über einen außergewöhnlichen Abschluss, ist in der Lage, seine Mitspieler einzusetzen und Tore vorzubereiten. Daher wird er bei uns eine sehr wichtige Rolle spielen können.“
…das Thema Führungsspieler: „Wir haben ein paar Jungs bei uns, die den Anspruch haben, Führungsspieler zu sein. Diesem Anspruch müssen sie gerecht werden. Das ist die Aufgabe, die wir an sie stellen. Führung müssen nicht immer nur 30-Jährige übernehmen. Auch mit 22 oder 23 Jahren kann man Führung übernehmen.“
…die sportlichen Erkenntnisse aus dem 3:0-Testspielsieg gegen Trabzonspor: „Der größte Schritt ist, dass wir schon eine ganz andere Kompaktheit und Geschlossenheit hatten. Die Abstände sind kürzer, somit bekommst du eine andere Intensität rein und hast andere Gegenpressing-Momente. Das ist der Weg. Denn wenn die Abstände zu groß werden, lösen die Gegner in der Bundesliga das auf. Die können ja alle kicken.“
…die Entwicklung der Attraktivität der Bundesliga: „Der Fußball hat sich angepasst, es wird sehr viel Mann gegen Mann gespielt, im tiefen Block verteidigt und umgeschaltet. Das hat sich deutlich verändert. Darunter leidet die Attraktivität der Spiele. Das ist auch die größte Herausforderung in unserem Prozess. Vor fünf Jahren hatten wir in 30 Prozent der Spiele mehr Ballbesitz als der Gegner, jetzt haben wir in 70 Prozent der Spiele häufiger den Ball. Dadurch verändern sich die Schwerpunkte und Anforderungen. Es ist nicht ganz so einfach, diese tiefen Blöcke zu bespielen. Dafür brauchst du klare Prinzipien und Automatismen. Adi Hütter bringt dieses Know-how mit, weil er auch in Monaco häufig auf Gegner traf, die sich tief reinstellten.“
