Hinter dem FC Bayern liegt ein wenig spannender Transfer-Winter. Im Sommer jedoch hätte mehr passieren können – oder sollen.
Ex-Leipziger landete später bei Tottenham
Wie anders hätte die Saison des FC Bayern verlaufen können? Würde Lennart Karl vielleicht immer noch als verheißungsvolles Talent gelten und nicht als kommender WM-Fahrer? Hätte es den Teenager-Rekord in der Bundesliga gegeben?
Ein Dreivierteljahr ist inzwischen vergangen, seit dem deutschen Rekordmeister ein paar Wunschtransfers misslungen sind. Florian Wirtz landete bekanntermaßen in Liverpool, Nick Woltemade war letztlich zu teuer (außer für Newcastle). Und andere Spieler, die sich Max Eberl und Vincent Kompany gewünscht hatten, wurden nicht weiter verfolgt.
Da wäre zum Beispiel der Ex-Dortmunder Jamie Gittens, den Eberl gerne nach München gelotst hätte, dafür aber keinen Zuspruch erhielt. Oder der Ex-Leipziger Xavi Simons, für den sich auch Trainer Kompany starkgemacht hatte.
„Du Vincent, du kannst jetzt noch ein Stück Apfelkuchen essen, aber du bekommst keinen Xavi.“ (Hoeneß zu Kompany)
„Ich kann mich noch an ein Gespräch erinnern, Vincent Kompany war am Tegernsee, er ist extra rausgefahren damals, mit dem Christoph Freund“, erzählte Ehrenpräsident Uli Hoeneß jüngst im Podcast „Auf eine weiß-blaue Tasse“ mit Ministerpräsident Markus Söder. „Er hat gesagt: ‚Uli, wir brauchen den Xavi, wir brauchen den Xavi, wir brauchen den Xavi.‘ Ich hatte einen Apfelkuchen bestellt, beziehungsweise auf dem Tisch stehen, und habe gesagt: ‚Du Vincent, du kannst jetzt noch ein Stück Apfelkuchen essen, aber du bekommst keinen Xavi.'“
Kompany wurde stattdessen darum gebeten, mehr Talente aus dem eigenen Nachwuchs einzubauen, was voll aufging. „Das hat er 100-prozentig umgesetzt“, lobt Hoeneß, auch wenn es ohne sein Veto wohl nie so weit gekommen wäre.
Xavi landete in London und steigt nun vielleicht mit Tottenham ab
Wunschspieler Xavi landete stattdessen kurz vor knapp für rund 65 Millionen Euro bei Europa-League-Sieger Tottenham und befindet sich mit den Spurs gerade auf einem Abstiegsplatz. Eigengewächs Karl kommt bei den Bayern auf mehr Scorerpunkte (16) als der Niederländer Xavi in Nordlondon (elf).
„Wir sind eine ganz aktive und motivierte Gruppe“, erklärte Kompany viele Monate später lächelnd und bezog Sportdirektor Freund, Sportvorstand Eberl sowie CEO Jan-Christian Dreesen ein. „Wir versuchen immer, Leute zu überzeugen. Immer. Das passiert, glaube ich, immer in einer guten Atmosphäre, mit viel Respekt. Das ist ein ganz normaler Ablauf.“
Auch der Trainer erinnert sich noch gut an jenen Ausflug zum Tegernsee. „Eins kann ich vielleicht erzählen, das habe ich Herrn Hoeneß auch gesagt in dem Moment: „‚In unserem Alter hätten Sie genauso gepusht.‘ Danach“, blickt er zurück und lacht, „haben wir Apfelkuchen gegessen, und alles war gut.“
