Die Nachwuchsteams des 1. FC Köln schneiden im nationalen Vergleich exzellent ab, doch aktuell steht nur ein am Geißbockheim ausgebildeter Profi im Kader. Das hat vielschichtige Gründe – und liegt auch am ambitionierten Kurs des Traditionsklubs.
Sehr seltener Stallgeruch im FC-Kader
Beim 2:2 im Testspiel am Samstag gegen Viktoria Köln stand seit längerer Zeit wieder ein gebürtiger Kölner in der Startelf des 1. FC Köln. Ersatztorhüter Ron-Robert Zieler kam in der Domstadt zur Welt und wurde zwischen 1999 und 2005 am Geißbockheim ausgebildet, ehe er zu Manchester City ging und 2014 sogar zum deutschen Weltmeister-Kader zählte. Seit anderthalb Jahren ist der 37-Jährige zurück beim FC – und ein Exot. Obwohl die Kölner Nachwuchsteams zur nationalen Spitze gehören, ist „kölsches Bloot“ im Profikader Mangelware.
Urbig und Lemperle als Beispiele
Auf eine kurze Vergangenheit im eigenen Nachwuchs kann sonst nur Jan Thielmann zurückblicken. Der Angreifer war 15 Jahre alt, als er von Eintracht Trier kam und brachte es zweieinhalb Jahre später zum ersten Bundesligaeinsatz. Ein schnelles Debüt, das seitdem ein Einzelfall geblieben ist.
Nachwuchsspieler haben es aktuell schwer. Trainer René Wagner berief zwar sowohl in der Sommer-Vorbereitung als auch in der aktuellen Länderspielpause diverse Talente ins Profitraining, richtig nah dran am Profieinsatz ist aber keiner der Jungprofis. Gegen Viktoria durfte der 18 Jahre alte Innenverteidiger Assad Kotya-Fofana beginnen, doch dass er nun bei Wagner einen Fuß in der Tür hat, bedeutet das lange nicht. Von den Talenten schaffte es nur Linksverteidiger Jonathan Friemel einmal in den Profikader. Und blieb auf der Bank.
Dabei bildet Köln auf Top-Niveau aus: Die A-Junioren gewannen 2023 den DFB-Pokal, 2025 das Endspiel um die Meisterschaft und standen 2026 wieder im Finale. Die Nationalspieler Jonas Urbig (FC Bayern), Florian Wirtz (FC Liverpool), Yann Aurel Bisseck (Inter Mailand) entstammen der FC-Akademie, in der Bundesliga und den anderen Top-5-Ligen und unzählige weitere Ex-Kölner unterwegs. Nur in Köln hat es der eigene Nachwuchs nicht so einfach.
Es droht ein Kader ohne „kölsches Bloot“
Die Talente Yannick Mausehund (Havelse), Julian Pauli (Odense BK), Elias Bakatukanda (VfL Osnabrück), Fynn Schenten (Roda Kerkrade), Patrik Kristal (FC Thun) und Youssoupha Niang (FC St. Pauli) wurden verliehen, weil sie in Köln nur geringe Aussicht auf Spielzeit hatten. Und Spielzeit ist der Knackpunkt: Denn im Abstiegskampf in der Bundesliga ist es für den FC nicht möglich, Talente sportlich risikofrei an die Bundesliga heranzuführen.
In der Zweitligasaison 2024/25 war das anders, neben Urbig etablierten sich mit Damion Downs (St. Louis City) und Hoffenheim-Stürmer Tim Lemperle drei Eigengewächse. Doch nun ist der Sprung aus der A-Jugend oder U 21 in die Bundesliga zu groß. Das Leih-Modell soll diese Lücke schließen, wie bei Urbig und Lemperle (jeweils Fürth). Denn Zielers Vertrag endet im kommenden Sommer. Stand jetzt wäre danach fast kein „kölsches Bloot“ mehr im FC-Kader vorhanden …
